Erntepressefahrt in heimischer Flur

Teilweise sehr gute Ernteaussichten

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Daniel Dörfler vom AELF (links) erklärt den interessierten Teilnehmern die Vorzüge der bei uns weniger bekannten „Durchwachsenen Silphie“, einem Korbblütler aus Nordamerika, der durch sein Feinwurzelsystem Nitrat komplett aufnehmen kann und deshalb sogar zur Sanierung von Wasserschutzgebieten geeignet ist und als Biogassubstrat eine Alternative zum Mais darstellt

Weicht – Zur traditionellen Erntepressefahrt hatte auch in diesem Jahr die Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbandes eingeladen. Landwirt Andreas Schmid und seine Familie in Weicht hatten sich dieses Mal zur Verfügung gestellt und führten ihre Gäste durch die heimische Flur. Dabei konnten die Teilnehmer neben den allgemein üblichen Anbaufrüchten mit Silphie und Sojabohne auch etwas ausgefallenere Sorten kennenlernen.

BBV-Geschäftsführer Thomas Kölbl hatte mit Corinna Weidinger und Daniel Dörfler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren zwei exzellente Fachleute mitgebracht, die mit ihrem Praxiswissen und ihren gesammelten Erfahrungen zum Gelingen dieser Infofahrt wesentlich beitrugen.

Landwirt Andreas Schmid, der zusammen mit seiner Ehefrau Beate und den beiden Töchtern Yvonne und Anna in Weicht seinen Holsteinzuchtbetrieb führt, stellte diesen zunächst kurz vor. Auf einer Gesamtfläche von 66 Hektar entfallen 18 Hektar auf Grünland und 48 Hektar auf Ackerflächen. Silomais beansprucht davon 22 Hektar, je zehn Hektar kommen auf Winterweizen beziehungsweise Wintergerste, vier Hektar auf Luzerne und zwei Hektar auf Ackergras. 80 Milchkühe, 80 Stück Jungvieh und 60 Mastbullen stehen in seinen Stallungen.

Nach diesen Hintergrundinformationen ging es anschließend auf „Exkursion“. Als erstes besuchten die Teilnehmer – unter ihnen auch Kreisobmann Josef Nadler und Kreisbäuerin Carina Fischer – eine Anbaufläche, die der Weichter Landwirt Johann Heiß probeweise mit der „Durchwachsenen Silphie“ kultiviert hat. Es handelt sich dabei um einen Korbblütler aus Nordamerika, der als Biogassubstrat genutzt wird und eine Nutzungsdauer von 15 bis 20 Jahren erreicht. Die Aussaat erfolgt laut Heiß Ende Mai bis Ende Juni. Geerntet wird von Ende August bis Anfang September zum Ende der Hauptblütezeit, wobei diese Pflanze aufgrund der langen Blühdauer ab Juli auch eine wertvolle Bienenweide darstellt.

Nächster Zwischenstopp war ein von Josef Huber bestelltes Sojabohnenfeld. Er verwendet diese ursprünglich aus Nordostchina stammenden Hülsenfrüchte in erster Linie als Silage. Da es hierzu noch kaum ergiebige Erfahrungswerte gibt, müsse die Wirtschaftlichkeit allerdings von den derzeitigen Anbaubetrieben noch geprüft und individuell berechnet werden.

Im weiteren Verlauf zeigte Andreas Schmid seine eigenen Anbauflächen und führte zunächst zu seinem vier Hektar großen Luzernenfeld. Den bisherigen Ertrag bezeichnete er als gut. Dreimal im Jahr könne geerntet werden. Zur Bodenverbesserung sei die Luzerne bestens geeignet und biete reichlich Eiweiß und Mineralien. Aus diesem Grunde verwende er diese Pflanze wegen ihrer Struktur zur Fütterung wesentlich lieber als Stroh.

Auch der Winterweizen stehe gut. In circa drei bis vier Wochen könne geerntet werden. Dabei rechnet Schmid mit ungefähr 90 Tonnen pro Hektar. Der rechtzeitig einsetzende Regen mache sich positiv bemerkbar und so seien die Ernteaussichten sehr gut. Die Wintergerste könne bereits in Kürze geerntet werden, ebenso der Raps. Obwohl man von einem „Spitzenjahr“ etwas entfernt sei, reiche es trotzdem zu einer recht guten Ernte. Der Mais, der als Biomasse abgeerntet werde, stehe in seiner augenblicklichen Entwicklungsstufe recht gut und so könne man im Großen und Ganzen von einem recht guten „Bauernjahr“ sprechen. Im Grünlandbereich mache sich allmählich die zwischenzeitliche Hitze und Trockenheit bemerkbar und in den Nutzwäldern bereite der Borkenkäfer gewisse Probleme.

Bei einer gemütlichen Brotzeit im Hof der Familie Schmid wurden abschließend noch einige weitere interessante Themen angesprochen und behandelt, wie beispielsweise das umstrittene Thema des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in der Landwirtschaft. Dabei erklärte GF Thomas Kölbl, dass Pflanzenschutzmittel für die Gesunderhaltung unserer Kulturpflanzen äußerst wichtig seien. So komme auch der ökologische Anbau nicht völlig ohne Pflanzenschutzmittel aus. Auch Nitrat im Trinkwasser und wie es überhaupt um die Entwicklung der Grundwasserqualität in Bayern stehe, wurde diskutiert und dabei festgestellt, dass die Mess­ergebnisse in Bayern konstant gut ausfielen und im langjährigen Vergleich sogar eine leichte Verbesserungstendenz erkennbar sei.

von Klaus-Dieter Körber

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