Herausforderung Landwirtschaft

Erntepressefahrt im Ostallgäu – „Wir können im Großen und Ganzen zufrieden sein“

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Auch in diesem Jahr gab es anlässlich der Presseerntefahrt viel an Information und einen interessanten Querschnitt über die verschiedenen Anbaumethoden in unserer Region. Landwirt Andreas Schmid (v. li.) und die Experten Daniel Dörfler, Michael Kistler sowie Josef Nadler sprechen auch über die zu erwartende Ernte.

Jengen-Weicht – Wie waren die bisherigen Voraussetzungen und Bedingungen für die hiesigen Landwirte? Wie waren überhaupt die Witterungsverhältnisse in der Region? Wie ist die augenblickliche Lage auf den Ostallgäuer Feldern?

Fragen über Fragen, die den Vertretern des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Ostallgäu und den Experten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bei der Erntepressefahrt durch heimische Fluren gestellt wurden.

Sie vermittelte den Teilnehmern viele Informationen und einen interessanten Querschnitt über die verschiedenen Anbaumethoden in der Region.

Treffpunkt war der Landwirtschaftliche Betrieb von Andreas Schmid im Jengener Ortsteil Weicht. Zusammen mit seiner Ehefrau Beate und den beiden Töchtern Yvonne und Anna führt Schmid hier einen konventionellen Milchviehbetrieb mit rund 50 Prozent Ackerbau. Nach einer kurzen Einführung und den mittlerweile schon irgendwie dazu gehörenden Ermahnungen hinsichtlich Corona-bedingten Abstandsregeln, ging es auf Exkursion. Zunächst besuchten die Teilnehmer – unter ihnen Dr. Paul Dosch vom AELF, Kreisbäuerin Carina Fischer und Kreisobmann Josef Nadler – eine Anbaufläche auf der die „Durchwachsene Silphie“, ein aus Nordamerika stammender Korbblütler, kultiviert wird. Wie Experte Daniel Dörfler vom

Michael Kistler und Daniel Dörfler (v. li.) bei der Auswertung einer Bodenprobe. Interessierter Beobachter dabei ist BBV-Kreisobmann Josef Nadler.

AELF erklärte, sei sie eine hochinteressante Pflanze für die heimische Landwirtschaft, die als Biogassubstrat genutzt wird. Die Aussaat erfolgt in der Regel Ende Mai. Geerntet wird von Ende August bis Anfang September zum Ende der Hauptblütezeit, wobei diese Pflanze aufgrund der langen Blühdauer ab Juli auch eine wertvolle Bienenweide darstellt.

Vor allem Mais hat es heuer schwer

Wie sich bei dieser Rundfahrt zeigte, ist der Mais – auch hier im nördlichen Ostallgäu – die bedeutendste Kulturpflanze im Ackerbau. Pflanzenbeauftragter Michael Kistler wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in unserer Region auf circa 5.540 Hektar Fläche Mais angebaut wird, der zu 98 Prozent als Silomais genutzt wird. Heuer habe der Mais nach übereinstimmender Aussage der beiden Experten vom AELF und Landwirt Andreas Schmid ziemlich unter den Wetterbedingungen gelitten. So habe das Jahr 2020 verhältnismäßig trocken und warm begonnen. Gleichzeitig fehlte aufgrund der sehr trockenen Vorjahre die notwendige Grundfeuchtigkeit im Erdreich. Dann folgten vor allem ab Ende April bis weit in den Mai hinein ungewöhnlich kühle und ab Juni äußerst nasse Tage. Dies habe dazu geführt, dass der Mais langsamer als üblich gewachsen ist. Hinsichtlich der Sonnenscheindauer, die beim Wachstum der Pflanzen ebenfalls eine große Rolle spiele, könne man zufriedener sein und das gebe berechtigte Hoffnung, dass die Ernte doch noch zufriedenstellend ausfallen wird.

Landwirtschaft ist vielfältiger geworden

Auf der Weiterfahrt durch die Felder war klar zu erkennen, dass auch im Ostallgäu die Biodiversität mittlerweile angekommen ist. Das Angebot an Futterpflanzen ist vielfältiger geworden. So ist beispielsweise der Hafer, der einige Zeit nahezu völlig von den Feldern verschwunden war, wieder „im Angebot“. Schmid zeigte vor Ort eine weitere interessante Futterpflanze: die Luzerne. Eine ideale Bienen- und Insektenweide und dazu sehr tolerant gegenüber der immer stärker in Erscheinung tretenden Trockenheit. Schmid bezeichnete die Luzerne wegen ihrer vielen Mineral- und Nährstoffe als die „Königin der heimischen Futterpflanzen“. Dreimal pro Jahr könne er sie mähen.

Immer wieder waren während der Fahrt sogenannte Blühstreifen entlang der Feldwege zu entdecken. Diese schmalen bunten „Blumenteppiche“ sind nicht nur wohltuend fürs Auge sondern auch eine willkommene Nahrungsquelle für die Vielzahl einheimischer Insekten.

Winterweizen erholt sich

Abschließend ging es noch zu einem Winterweizen-Feld. Wie Landwirt Schmid dazu erklärte, habe es im Frühjahr hier verhältnismäßig schlecht ausgesehen. Mittlerweile habe sich das Ganze gebessert und so werde der Ertrag nur knapp unter dem Durchschnitt liegen. Im Gegensatz zu den Kollegen im Osten Deutschlands hätten die hiesigen Landwirte noch wesentlich bessere Bedingungen, allein schon was die Bodentrockenheit betreffe, erklärte Schmid.

Der Anbau von sogenannten Zwischenfrüchten sei für den Ackerbau, nach Meinung von Daniel Dörfler, enorm wichtig. Zusammen mit Michael Kistler entnahm er eine Bodenprobe und demonstrierte dabei, dass recht einfach und unkompliziert die entsprechenden Werte mittels Indikatorlösung und pH-Streifen ermittelt werden können. So ließe sich in kürzester Zeit ablesen, ob der pH-Wert im sauren Bereich liege. Und dagegen helfe Kalk, wodurch mehr Luft und somit auch mehr Wasser in den Boden kommen, so der Hinweis von Michael Kistler.

Landwirtschaft ist auch Umweltschutz

Neben extremen Witterungseinflüssen, sauren Böden und Umweltproblemen müsse der Landwirt zusätzlich vermehrt mit oftmals unverständlich erscheinenden Verordnungen aus der Politik klar kommen, betonte BBV-Obmann Nadler. So bereite beispielsweise die neue Düngeordnung zusätzlichen Gesprächsstoff. Die komplette Landwirtschaft werde dadurch immer aufwendiger und sei in vielen Punkten zu einer regelrechten Wissenschaft geworden, so Nadler. Nur durch laufende Fortbildungsmaßnahmen und viel Eigeninitiative sei es möglich in heutiger Zeit einen landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich zu führen und den Überblick zu behalten. Der Spagat zwischen Landwirtschaft, Schutz der Umwelt und ausreichender Ernährung der Bevölkerung werde immer schwieriger. Dabei trage aber gerade die Landwirtschaft viel zum Umweltschutz bei, erklärte der Kreisobmann.

Auf die Abschlussfrage, wie der augenblickliche Eindruck hinsichtlich der Ernteaussichten in diesem Jahr sei, entgegnete Schmid: „Zufriedenstellend – aber nicht spitze! Wir hatten im Großen und Ganzen Glück und können zufrieden sein. Die Landwirtschaft ist und bleibt eine Herausforderung, mit der wir ganz einfach fertig werden müssen“.

Klaus-Dieter Körber

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