ESVK-Fan klaut in Garmisch die SCR-Fahne

Fahnendieb darf ein Jahr lang nicht mehr ins Eisstadion

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Darauf muss ein 18-jähriger Fanfahnen-Dieb aus dem Lechrain noch ein Jahr verzichten: Dem ESV Kaufbeuren im Fanblock zujubeln.

Landsberg/Kaufbeuren – Mit einem dummen Streich hat sich ein 18-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Landsberg ein ziemliches Eigentor geschossen. Der Eishockey-Fan hatte bei einem Spiel seiner Mannschaft (ESV Kaufbeuren) eine gegnerische Fanfahne (SC Riessersee) geklaut. Obwohl er damit nicht mal bis zum Ausgang kam, hatte die Aktion Konsequenzen – er erhielt ein Stadionverbot. Die komplette nächste Saison wird er nur im Internet verfolgen können. Und vor das Amtsgericht Landsberg brachte das Ganze ihn auch noch.

Der 18-Jährige ist Fan des ESV Kaufbeuren. Als sein Team im Dezember 2017 im Eisstadion Garmisch-Partenkirchen ein Spiel gegen den SC Riesser­see verlor, „sind mir die Sicherungen durchgebrannt“, räumte der Auszubildende vor Jugendrichter Alexander Kessler ein. Da sah er vor dem gegnerischen Fanblock die Fahne liegen und kam auf die Idee, sie zu verziehen. Denn: „Man sagt, wenn man die Fahne eines Fanclubs klaut, muss der sich auflösen.“ Er habe das drei mal vier Meter große Tuch nicht mit nach Hause nehmen wollen, beteuerte der 18-Jährige. „Ich wollte sie im Kaufbeurer Block präsentieren. Und aufhängen, damit die Garmischer sehen, dass wir die Fahne haben.“

Um zu den gegnerischen Fans zu gelangen, musste er das Stadion verlassen und durch einen anderen Eingang wieder hereinkommen. Als er mit der erbeuteten Fahne auf dem selben Weg wieder zurück wollte, wurde er von Ordnungskräften aufgehalten.

Natürlich war bei der Aktion reichlich Alkohol im Spiel, wie auf Nachfrage Kesslers deutlich wurde. In Kaufbeuren flossen bei dem 18-Jährigen und seinen Kumpels bereits mittags die ersten Biere, im Fanbus nach Garmisch ging es weiter, und im Stadion folgten zwei bis drei weitere Bier sowie Glühwein. Kurz gesagt: „Ich war gut dabei. Das gehört halt irgendwie dazu.“ Seine ebenfalls angetrunkenen Freunde hatten offenbar noch so viel Grips bei­nander, dass sie versuchten, ihn auf dem Weg zum gegnerischen Fanblock aufzuhalten. Das erfuhr der 18-Jährige erst am nächsten Tag, „als ich wieder nüchtern war“.

Die Konsequenz folgte kurze Zeit später. Der junge Mann erhielt zunächst ein Betretungsverbot für das Garmischer Eisstadion, dann für alle Eisstadien einschließlich des Kaufbeurers. Es gilt bis zum 30. April 2019. Sogar die Heimspiele seines Vereins darf der Auszubildende also noch eine ganze Saison lang nicht live miterleben. Das sei bitter, räumte er ein.

Vor Gericht hatte der Fahnendiebstahl keine dramatischen Folgen, zumal der Angeklagte keinerlei Vorstrafen mitbrachte. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt, auch im Führungszeugnis wird die Geschichte nie auftauchen. Der 18-Jährige muss lediglich 250 Euro an den Tierschutzverein Landsberg zahlen.

Es geht auch ohne Alkohol

Kessler nutzte jedoch die Gelegenheit, um dem Auszubildenden in Sachen Alkoholkonsum ins Gewissen zu reden. In nüchternem Zustand wäre der Diebstahl nie passiert, führte er ihm vor Augen. „Alkohol enthemmt. Man setzt sich über Regeln hinweg, und das führt nur zu Problemen.“ Und der Spaß am Eishockey-Spiel sei doch auch größer, „wenn man im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist“.

Bei dem 18-Jährigen hat offen­bar bereits ein Umdenkungsprozess begonnen. Bei den wenigen Spielen, die er vor dem Stadionverbot noch besuchen konnte, habe er für seine Kumpels „den Fahrer gemacht“, um einen Grund zu haben, nicht zu trinken, berichtete er. Auch auf Partys lasse er es mit dem Alko­hol seitdem langsamer angehen. Und habe festgestellt: „Das ist eigentlich genauso witzig.“

von Ulrike Osman

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