Unsicherheit bleibt hoch

Erste Bilanz der AllgäuTopHotels: Guter Start der Urlaubshotellerie

Hotel Allgäu Bett Suite
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Die Bundes-Notbremse sorgt für große Unsicherheit.

Allgäu – Am 21. Mai sind in vielen AllgäuTopHotels und AllgäuHotels die Lichter wieder angegangen. Nach einer aufreibenden Zitterpartie zum Finale des fast siebenmonatigen Lockdowns konnten in drei Allgäuer Landkreisen die Türen wieder geöffnet werden. „Davor stand ein unglaublicher Kraftakt und eine hohe Nervenanspannung bei allen Beteiligten. Die Hotels konnten erst wenige Tage davor den Gästen final bestätigen, dass sie wirklich anreisen dürfen“, berichtet Sybille Wiedenmann, Geschäftsführerin der AllgäuTopHotels.

Viele Gäste hatten ihre Reisen bereits verschoben oder wieder abgesagt, da es für die meisten Länder in Europa bereits ab dem 14. Mai durch den Beschluss des Bundestags die „Reisefreiheit“ auch für Risikogebiete bis zu einer Inzidenz von 200 gab, währenddessen im Inland die Bundesnotbremse die Gäste im wahrsten Sinne ausgebremst hat. Es ist eine stabile Inzidenz von unter 100 an fünf Tagen erforderlich, um eine Genehmigung für die Beherbergung von Urlaubsgästen zu erhalten. Diesen Lichtstrahl gab es dann im Allgäu am 21. Mai. Trotz dieser Unsicherheit haben auch viele Stammgäste bis zuletzt mit ihren Gastgebern gehofft, dass es in den Pfingstferien zu ihren Lieblingshäusern gehen kann.

Hohe Sicherheit durch hohe Zahl der Testungen

„Die Menschen sind glücklich, die strahlen, die Gäste wie die Mitarbeiter“, fasst erleichtert Hans-Jörg-Lingg, Hotelchef des Bergkristall in Oberstaufen und Beirat der AllgäuTopHotels, die aktuelle Lage zusammen. Der Großteil der Gäste ist mit dem erforderlichen negativen Corona-Test angereist. Nur wenige mussten vor Ort den Eingangstest machen. Alle 48 Stunden ist ein erneuter Test aller Gäste erforderlich. Die Hotels haben vielfach eigene Teststraßen und dürfen den Gästen eine Bestätigung ausstellen, die 24 Stunden Gültigkeit besitzt und mit der Gastronomie – und Freizeiteinrichtungen genutzt werden dürfen. Dies bedeutet für die Gastgeber einen hohen zusätzlichen Aufwand, aber bringt für die Gäste und Einheimische eine hohe Sicherheit. Die Inzidenzzahlen sind in den Landkreisen – trotz der Urlaubsgäste – stetig gesunken. Im Landkreis Oberallgäu von 71 am 21. Mai auf 50 am 1. Juni und im Landkreis Ostallgäu von 71 auf 36.

Dazu kommen mindestens zwei Tests pro Woche für alle Mitarbeiter. Damit leisten die Hotels einen großen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie, da die Gäste zuhause vielfach keine regelmäßigen Tests durchführen.

Im Bergkristall wurden am ersten Wochenende bereits 240 Gäste-Tests und in der Sonnenalp 650 Gäste-Tests durchgeführt – alle negativ. Dazu kamen in der Sonnenalp 1000 Tests für Mitarbeiter. Auch im Bergkristall müssen alle Mitarbeiter zwei Tests pro Woche nachweisen, sonst darf nicht gearbeitet werden.

Existenzielle Unsicherheit bleibt

Die erste Testphase ist damit erfolgreich gelaufen, aber die Unsicherheit bleibt. Was passiert mit den Inzidenzzahlen, wenn die Einheimischen von ihren Urlaubszielen im Ausland wieder zurückkommen? In Österreich und Italien braucht es beispielsweise nur einen Test zur Anreise und einen Test für das „Freitesten“ hinterher. Die Konsequenz steigender Zahlen ist ganz klar: Die Schließung der Beherbergungsbetriebe für Urlaubsgäste in Kempten am Mittwoch, den 26. Mai, hat die Härte der Notbremse sehr realistisch vor Augen geführt. Nach drei Tagen über 100 greift die Notbremse und muss durch die Oberbürgermeister beziehungsweise Landräte vollzogen werden – völlig unabhängig, wer für die Steigerung der Inzidenzzahlen verantwortlich ist.

Die Unternehmen haben in den Restart hohe sechsstellige-Summen investiert, da die Mitarbeiter auf eigenes finanzielles Risiko bereits zehn Tage zuvor zurückgeholt und die Lager gefüllt werden mussten. „Der Sonnenalp hat der Restart rund eine Million Euro gekostet. Wir können die Hotels nur mit sehr hohen finanziellen Verlusten rauf- und runterfahren. Die Überbrückungshilfen sind eine Überlebenshilfe, aber keine wirtschaftliche Entschädigung. Die Konten sind leer. Es braucht jetzt eine Sicherheit für unternehmerisches Handeln von Bayern und vom Bund. Die Bundenotbremse muss umgehend ausgesetzt werden“, forderte Dr. Anna-Maria Fäßler, die Chefin der Sonnenalp und Beiratsvorsitzende der AllgäuTopHotels mit großer Entschlossenheit. (Die Bundesregierung erwägt, die sogenannte Corona-Notbremse bereits Ende Juni auslaufen zu lassen, Anm. d. Red.) „Wir brauchen eine inzidenzunabhängige Öffnungsstrategie, wie in den europäischen Nachbarländern. Die Politik muss jetzt die Rahmenbedingungen schaffen, damit wir offen bleiben können. Das ist existenziell wichtig jetzt und für die Zukunft.“

kb

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