Erste Erkenntnisse über Unfallursachen

Siegfried Brockmann (links), Leiter der Unfallforschung des GDV, und OB Stefan Bosse präsentieren die ersten Erkenntnisse mit Blick auf die Unfallursachen. Foto: Lorenz

Die Informationslage ist noch zu dünn, um aktuell über konkrete Maßnahmen in Kaufbeuren laut nachdenken zu können. Zu dieser Erkenntnis könnte man gelangen, schaut man sich die neusten Ergebnisse zum Thema „teure Kfz-Versicherung“ in Kaufbeuren an. Vorgestellt wurde die erste Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vergangene Woche im Rathaus. Dabei zeichnet sich ab, dass vor allem ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Rad-, und Kradfahrer sowie Fußgänger überdurchschnittlich oft bei Unfällen mit Fahrzeugen mit KF-Kennzeichen verletzt werden. Diese Personenschäden kosten die Versicherungen viel Geld. Ergo steigt die Versicherungsprämie.

Klar ist aber auch, dass die Auswertung der Schadensfälle aus den zurückliegenden fünf Jahren durch den GDV noch lange Zeit dauern werde, so Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim GDV. Letztlich konnte er nur über 35 Unfälle aus den vergangenen fünf Jahren informieren, die eine Schadenssumme von über 50000 Euro pro Unfall aufweisen. Insgesamt hätten 58 Unfälle analysiert werden müssen, jedoch hatte der GDV von 23 Unfällen keine Daten von den Versicherungen bekommen, erklärte Brockmann. Überrascht zeigt sich Oberbürgermeister Stefan Bosse, der hartnäckig und engagiert bemüht ist, das Problem der teuren Versicherungsklassen in Kaufbeuren zu lösen, darüber, dass nicht die schweren Unfälle auf den Bundesstraßen, wie etwa der B12, für die schlechte Versicherungsklasse ausschlaggebend seien. Denn „die B12 hat ungefähr nur einen Anteil von 20 Prozent an den 35 analysierten Unfällen mit einer Schadenssumme von über 50000 Euro“, so der GDV-Experte. Insgesamt haben sich von den untersuchten Unfällen 19 außerorts ereignet, im Stadtgebiet selbst waren es 15 Fälle. „Wir reden also von über drei Unfällen pro Jahr in der Stadt und die sind verteilt auf das gesamte Stadtgebiet“, betonte OB Bosse. Davon passieren fünf Unfälle mit Fußgängern, vier mit Radlern sowie zehn zwischen Pkw und Krad. Häufig lag das Alter der Unfallbeteiligten bei über 65 Jahren. OB Bosse sieht darin eine „bislang extrem dünne Informationslage“, um konkrete Maßnahmen in der Stadt daraus ableiten zu können. Zumal in die Schadenstatistik auch ein schwerer Unfall – verursacht durch ein Fahrzeug mit KF-Kennzeichen – mit neun Toten aus dem Jahre 2006 voll zu Buche schlägt. Daher hält der Rathauschef eine vertiefte Analyse für zwingend notwendig, um den Ursachen genau auf den Grund zu gehen. Ein neutrales Fachbüro soll Kaufbeuren bei dieser Arbeit unterstützen. „Parallel werden wir intensiv mit der Unfallforschung des GDV, der Polizei und dem Straßenbauamt in Kempten zusammenarbeiten“, betonte Bosse. Wenn dann ein genauer Überblick über die Brennpunkte in Kaufbeuren vorliegt, will sich die Stadt „intensiv an die Beseitigung machen“. Da verstärkt ältere Fußgänger an den teuren Unfällen beteiligt sind, können zum Beispiel in einem ersten Schritt Verbesserungen von Überquerungshilfen geschaffen werden. Eine schnelle Senkung der Kfz-Prämien für Fahrzeuge mit KF-Kennzeichen ist jedoch nicht in Sicht. Laut GDV-Experten Brockmann liegen neuere Erkenntnisse der Studie erste 2012 vor. Wenn dann erfolgreich Maßnahmen durchgeführt wurden, wirkt sich dies wiederum erst zeitversetzt auf die Versicherungsprämie aus, denn für deren Berechnung werden Daten aus den zurückliegenden fünf Jahren herangezogen. „Ich rechne wenigstens mit drei bis vier Jahren, bis wir den schlechten Platz in der Statistik verlassen können. Dennoch, der Anfang wäre gemacht“, erklärte Bosse. Auch die Kaufbeurer Polizei will ihre Unfallerkenntnisse mit denen der Unfallforschung und des zukünftigen Fachbüros zusammenlegen, um genauere Erkenntnisse zu gewinnen, um daraus Maßnahmen ableiten zu können. KL

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