Zweiteilige Bürgerbeteiligung

Erstellung eines Rad- und Fußverkehrskonzepts in Kaufbeuren – Zwei Bürgerworkshops sind dazu geplant

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Das Ziel ist, ein flächendeckendes, durchgängiges, dabei aber sicheres, bedarfs- und funktionsgerechtes Wegenetz für Radfahrer und den Fußverkehr zu schaffen.

Kaufbeuren – Mit dem Beschluss des Bauausschusses vom März dieses Jahres gab die Stadt ein gesamtstädtisches Rad- und Fußverkehrskonzept in Auftrag. Das Ziel ist, ein flächendeckendes, möglichst durchgängiges, dabei aber sicheres, bedarfs- und funktionsgerechtes Wegenetz zu schaffen.

Das BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier (BSV) aus Aachen erarbeitet mit diesem Auftrag ein Konzept. Bevor ein Entwurf jedoch konkrete Maßnahmen beschreibt, sollen die Bürger in die Planung miteinbezogen werden. Zu diesem Zweck findet am Montag, 25. November, um 19 Uhr im Stadtsaal ein erster Bürgerworkshop statt.

„Wir wollen die Meinungen, Wünsche und aktuellen Herausforderungen in Bezug auf die Fuß- und Radwege in Kaufbeuren hören, denn gerade die Nutzer der Wege wissen, wo nachgebessert werden sollte“, sagte Oberbürgermeister Stefan Bosse. Dann können die Planer und Ingenieure des BSV beginnen, ein Handlungskonzept zu erarbeiten und ein Umsetzungsprogramm zu erstellen. Ein zweiter Bürgerworkshop soll daraufhin im Frühjahr 2020 folgen, um konkrete Maßnahmen zu diskutieren.

Lösungen vorstellen

Die Stadt setzt bei dem Konzept auf eine zweiteilige Bürgerbeteiligung, wie Bau- und Umweltreferent Helge Carl sagte. „Im ersten Schritt sollen die Bürger über das Projekt informiert werden und erfahren, welche Ergebnisse erste Analysen gebracht haben. Natürlich werden die Ergebnisse des Workshops in das Konzept einfließen“, so der Bau- und Umweltreferent. Der erste Workshop sei vor allem zur Information, um „eine Varianz von Lösungen“ vorzustellen. Ihm sei klar, dass es verschiedene Vorstellungen von Radwegen gebe. Bei der Umsetzung müssten jedoch verschiedene Normen Berücksichtigung finden. Bei der zweiten Bürgerveranstaltung können die Bürger über das bis dahin erstellte Handlungskonzept diskutieren. Die Projektleiterin von BSV, Angelika Reinartz, findet es sehr wichtig, die „Bedürfnisse der Menschen hier in den Fokus zu nehmen“ und abzuarbeiten. Allem voran stehe bei der Planung das „oberste Gebot: Verkehrssicherheit“, so Reinartz. Auch die soziale Sicherheit spiele dabei eine Rolle. Nur wer zum Beispiel bei Dunkelheit unterwegs sei, könne darauf hinweisen, wo es an Beleuchtung mangele. Für Fußgänger sollen sinnvolle Erweiterungen des Wegenetzes durch sichere, durchgängige und ausreichend große Wege vorgeschlagen werden.

Experten unterstützen

Auch die Polizei sei bei der Erstellung des Konzepts miteinbezogen, erklärte die Projektleiterin. Die Detailanalysen seien sehr vielfältig, so Reinartz. Ebenfalls werden die städtischen Fachabteilungen aus den Bereichen Mobilität, Stadtplanung, dem städtischen Bauhof und der Tiefbauabteilung das BSV mit ihrer Expertise unterstützen.

Das BSV ist dieselbe Planungsfirma, die der Stadt bereits für eine Analyse von Unfallhäufungsstellen beratend zur Seite stand. Jedoch seien mehrere Büros angefragt worden, wie Carl versicherte. „Das wirtschaftlichste Angebot“ wurde ausgewählt, sagte er.

Wenn das Handlungskonzept Rad- und Fußverkehr erstellt ist und mit dem zweiten Bürgerworkshop konkrete Maßnahmen priorisiert werden können, wird alles in einem Bericht zusammengefasst. „Der muss/soll dann vom Stadtrat als Gesamtkonzept beschlossen werden“, sagte Reinartz. Genauer gesagt der Ausschuss für Mobilität und Umwelt, wie die Stadtverwaltung mitteilte. „Da stehen Finanzen dahinter, da steht politischer Wille dahinter“, sagte die Projektleiterin. Denn eine Maßnahme könnte sein, den Radverkehr auf die Fahrbahn zu verlegen. Dazu müssten Parkplätze weichen. Beschilderungen müssten ebenfalls erfolgen. Auch der ruhende Radverkehr benötige Raum und Mittel, so Carl. Es gilt herauszufinden wo und wie es Fördergelder gibt, fügte er hinzu. Doch bis dahin sei es noch ein längerer Weg. OB Bosse lenkte ein: „Das kann man nicht in einem Jahr machen. Der Realisierungshorizont? – Ich sag mal fünf Jahre.“

„Ein riesen Paket“

Projektleiterin Reinartz erläuterte bei einem Pressetermin am vergangenen Mittwoch, wie sie und ihre Kollegen sich bisher eingearbeitet haben und gab einen Einblick in die laufende Bestandsanalyse und -bewertung. „Unsere Bestandsaufnahme ist ein riesen Paket“, sagte Reinartz über die Arbeit der Planungsfirma. Es werden thematische Karten erstellt, Mängel erkannt, um dann Handlungsnotwendigkeiten abzuleiten. Daraus entstehen die Handlungskonzepte, aus denen ein Umsetzungsprogramm erstellt und ein Bericht verfasst werden kann, fasste sie die Arbeitsschritte zusammen.

Was sie zu den bestehenden Wegen sagen kann, ist nicht positiv: Die Verbindungen und das System seien „nicht anwenderfreundlich“ und „nicht leicht zu verstehen“. Die laufende Analyse basiere auf persönlichen Begehungen und Befahrungen. Dabei werden Bilder und Videoaufzeichnungen gemacht. Das sei wichtig für ein eigenes „Geoinformationssystem“. Sehr viele Daten würden Berücksichtigung finden. Zum Beispiel Unfallstatistiken der Polizei und Pendlerverflechtungen, sagte die Projektleiterin. Anhand eines Portfolios von 30 Leitlinien folge die Ausarbeitung eines Leitbilds. Die Leitlinien zielen daraufhin, ging die Projektleiterin etwas ins Detail, um ein kontinuierliches, dichtes „Schutzstraßennetz“ planen zu können. Eine Leitlinie sei zum Beispiel, für den Fußverkehr barrierefreie Querungshilfen ohne technische Vorrichtungen zu schaffen.

In zwei thematischen Karten werden die Nutzungsbereiche und Routennetze aufgezeichnet. Differenzierte Wegnetze werden auf der einen Karte zu sehen sein. Sie zeigt, wo Hauptrouten, Nebenrouten und hoch- bis mittelfrequentierte Schulrouten verlaufen, erklärte Reinartz.

Montag, 25. November, um 19 Uhr

Sogenannte Publikumsintensive Nutzungsbereiche werden herausgearbeitet, um Überschneidungen mit dem Hauptverkehr zu erkennen. Diese sind auf der zweiten Karte zu sehen. Denn die meisten Unfälle passieren, so Reinartz, „beim Überschreiten von Fahrwegen“. Dieses Gefahrenpotential gelte auch für den Radverkehr. Radfahrer müssen deshalb immer im Blickfeld der Autofahrer sein. Die beiden Karten werden beim ersten Bürgerworkshop am 25. November vorgestellt und erläutert.

sh

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