Im Einsatz für die Bäume

Erster deutscher Baumkönig Nikolaus Fröhlich kommt aus dem Ostallgäu

Deutscher-Baumkoenig-Nikolaus Fröhlich
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Erster deutscher Baumkönig Nikolaus Fröhlich aus Neuenried auf der Insel Mainau inmitten der Stechpalme als Baum des Jahres 2021.

Ronsberg – Am 25. April wird der Tag des Baumes gefeiert. Bäume sind Schattenspender, Nahrungsgeber, Sauerstoffproduzenten und vieles mehr. Heute wird ihnen dennoch meist erst Beachtung geschenkt, wenn es um die Fällung geht. Seit inzwischen 32 Jahren hat es sich die Stiftung „Baum des Jahres“ deshalb zur Aufgabe gemacht, hierfür ein Bewusstsein zu schaffen. Jedes Jahr wird deshalb ein Baum ins Zentrum gerückt. In diesem Jahr ist es die Stechpalme. Vertreten wird sie durch Baumkönig Nikolaus Fröhlich aus Neuenried, einem Ortsteil von Ronsberg.

Aufgewachsen ist Fröhlich dort auf einem Bio-Milchviehbetrieb, inklusive Obstbäumen und Wald. Hinzu kommt sein Studium der Landschaftsarchitektur, zurzeit absolviert er den Master in Naturschutz und Landschaftsplanung. Beste Grundlagen also, um Verantwortung in der grünen Branche zu übernehmen. Seit zwei Jahren können sich auch Männer um die Königswürde bei der Baum-des-Jahres-Stiftung bewerben. Eine Kommilitonin machte Fröhlich auf die Ausschreibung aufmerksam, er versuchte kurzerhand sein Glück und schickte seinen Lebenslauf ein. Und es hat geklappt: Die Jury entschied sich für ihn und so darf er sich seit November 2020 offiziell „Deutscher Baumkönig“ nennen. Seine Hauptaufgabe ist es dabei, den Baum des Jahres nach außen hin zu repräsentieren.

Stechpalme aus dem Schatten herausgeholt

In diesem Jahr ist es ein Baum, der im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten seiner weitaus prominenteren Vorgänger steht, wie etwa die Stiel-Eiche, die Linde oder auch die Fichte. 2021 hat sich das Kuratorium, das sich aus fachkundigen Personen, Verbänden, Institutionen und Betrieben zusammensetzt, nun also für die Europäische Stechpalme, botanisch Ilex aquifolium, entschieden. In unserer Region findet man den Baum mit den dunkelgrün glänzenden, gezackten Blättern aufgrund seiner Frostempfindlichkeit häufig vor allem im Halbschatten anderer Bäume. Seine Besonderheit als einziger immergrüner Laubbaum macht ihn zu einem beliebten Weihnachtsschmuck. Seine Bezeichnung als Palme, mit der der Ilex aus botanischer Sicht überhaupt nichts zu tun hat, hängt damit zusammen, dass seine Äste oft für die Palmboschen am Palmsonntag verwendet werden.

„Wenn die Stechpalme etwas kann, dann die Hecke aufmischen“, beschreibt der amtierende Baumkönig Fröhlich den Mehrwert des Baumes des Jahres. Er bedaure es, dass sich die Gartenkultur bei uns meist auf wenige Arten beschränke, ganz vorne mit dabei die Thuja, die nicht einmal ästhetisch besonders wertvoll sei. Die Stechpalme kann aber auch anders. Die über 400 Arten werden durchaus auch sechs bis acht Meter hoch, was übrigens eine Voraussetzung ist, um überhaupt als Baum deklariert zu werden. Neben der Aufgabe der Repräsentation oder dem Pflanzen von Bäumen, nimmt Fröhlich als Baumkönig auch an verschiedenen Veranstaltungen teil. So wird jedes Jahr ein „Champion Tree“ gekürt, in diesem Jahr ist dies eine Stechpalme in Hessen mit einem Stammumfang von 2,93 Metern.

Auch in Zukunft will Fröhlich den Bäumen treu bleiben. Seine Projektarbeit befasst sich mit dem Thema „Baumpflege in der Stadt“. Große Zukunft sieht er auch für die Agroforstwirtschaft, in der die positiven Effekte der Forstwirtschaft mit denen aus der Landwirtschaft verknüpft werden. Gedacht sei dabei an die Viehhaltung oder auch den Bereich des Ackerbaus. „Diese Dinge haben riesengroßes Potenzial, die Landschaft aufzuwerten“, so Fröhlich. Er bedauere es, wenn beim Baum nur die Optik beachtet werde. „Wir müssen die Vielfalt, die wir haben, im Blick behalten, sie schätzen und nutzen“, appelliert er. In anderen Kulturen gelinge dies oft besser als in Deutschland. Dabei ist für ihn eines aber sicher: „Nur wer Achtung vor dem Leben hat, hat auch Achtung vor sich selbst.“

Hoffnung auf Erfolg seiner Ambitionen macht neben der Tatsache, dass Fröhlich großes Wissen und Begeisterung für diesen Fachbereich mitbringt, vielleicht auch eine ganz andere Begebenheit: Auch Harry Potters Zauberstab ist aus Stechpalmenholz. Genauso wie das Zepter des Baumkönigs 2021.

von Agnes Reißner

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