Neuer Ostallgäuer Klinikchef stellt sich vor – "Beide Träger werden Federn lassen…"

"In fünf Jahren zur schwarzen Null"

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Er soll das defizitäre Klinikunternehmen Ostallgäu-Kaufbeuren wieder auf Kurs bringen: Dr. Philipp Ostwald (Mitte). Dabei setzt er auch auf den Kliniken-Verwaltungsratsvorsitzenden Johann Fleschhut (rechts) und seinen Stellvertreter Stefan Bosse.

Kaufbeuren/Ostallgäu – „Am Ende muss eine schwarze Null stehen“. Dieses Ziel gab der neue Vorstand des Kommunalunternehmens Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu, Dr. Philipp Ostwald, vergangene Woche im Rahmen eines Pressegesprächs im Klinikum Kaufbeuren aus. Erreichen will er dies in einem Zeitraum von fünf Jahren.

Sein Ziel ist ehrgeizig: In fünf Jahren soll das Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren (KU) eine schwarze Null schreiben. Das verkündete der neue Klinikenvorstand Dr. Philipp Ostwald bei einem Pressege- spräch vergangene Woche. Auf dem Weg dorthin müssten wenn nötig auch einschneidene Maßnahmen ergriffen werden. Zunächst gelte es aber, das Vertrauen im Unternehmen wieder herzustellen und die „Abwärtsspirale bei den Kliniken zu stoppen“, so Dr. Ostwald. „Sie brauchen mich. Ich erfülle mit meinen Erfahrungen und Fähigkeiten genau die Anforderungen, die hier benötigt werden“, erklärte der neue Klinikchef auf die Frage, warum er den Weg ins Ostallgäu gegangen sei. Dabei sieht sich Dr. Ostwald weniger als Sanierer, sondern eher als Bewahrer und Beschützer, „jedoch mit einer klaren Vision“. Und diese sei eben, das in schweres Fahrwasser geratene Schiff KU wieder auf Kurs zu bringen. „Wenn nötig müssen dafür auch unangenehme Entscheidungen getroffen werden, aber alles mit Augenmaß“, betonte der neue Klinikchef. Der bisherige kaufmännische Direktor der Münchner Uniklinik rechts der Isar will auf dem Weg zur Erfüllung seiner Vision ein sportliches Tempo vorlegen. So sollen in den nächsten sechs Monaten „richtungsweisende Entscheidungen“ getroffen und spätestens in zwei Jahren „deutliche Verbesserungen“ erreicht werden. Ob er dabei weiter auf die Fünfhäusigkeit setzt, ließ Ostwald offen: „Ich habe kein Versprechen gegeben, ob das so sein muss“. Er machte aber deutlich, dass der Entschluss, ein Kommunalunternehmen zu gründen, der richtige gewesen sei. Er schloss ferner nicht aus, dass der Erhalt des KU mit all seinen Häusern durch den auf den Weg gebrachten Spezialisierungsprozess gelingen könn- te. Ostwald machte aber auch klar, dass er insbesondere vom Kliniken-Verwaltungsrat und den Kommunen erwarte, „unternehmerisch zu denken“: „Partikular-interessen einzelner Gemeinden und Personengruppen sollten sich dem großen Ganzen unterordnen. Das Unternehmen muss im Vordergrund stehen“. Für die Umsetzung seiner Vision kann Ostwald auf ein großes Netzwerk zurückgreifen, von dem er sich positive Impulse für das KU erhofft. So will er durch seine Verbindungen zu den Münchner Kliniken und seinen Kontakten zu anderen Klinikmanagern auch dafür sorgen, dass weitere renommierte Mediziner in den Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren kommen. Vor allem das Kaufbeurer Krankenhaus hält er für ein „sehr leistungsfähiges Gesundheitszentrum mit hoch motiviertem, kompetentem Per- sonal“. Aber auch die kleineren Häuser seien sehr „individuell und von hoher Qualität“. Vordringliche Aufgabe sei es daher, zunächst zu „verstehen, wie das KU funktioniert, wie die einzelnen Kliniken im KU zusammenspielen, welche Interessenslage es bei den Kommunen gibt und wie die Stimmung der Mitarbeiter ist“. Vor allem müsse das Vertrauen ins Unternehmen wieder geschaffen werden, „um die Abwärtsspirale bei den Kliniken zu stoppen, um die guten Leute zu halten“. Er selbst sieht sich dabei als „Mittler zwischen den Mitarbeitern und dem Management“. Aktuell prüft der neue Klinikchef den Jahresplan für 2013, den er von seinen Vorgängern übernommen hat. Den Entwurf des Zahlenwerks will Ostwald voraussichtlich in der nächsten Klinikverwaltungsratssitzung im Februar vorlegen. Bereits jetzt scheint aber schon klar, dass nach den geschätzten rund zehn Millionen Euro Defizit für 2012 auch im Jahr 2013 mit einem Defizit „höher als 6,5 Millionen Euro“ zu rechnen sei. Klar ist für Ostwald: „Zum Jahresende muss das KU deutlich besser dastehen als 2012“. Mit der ersten „Hochrechnung“ liegt man allerdings immernoch deutlich über der von den Trägern (Stadt Kaufbeuren und Landkreis) angestrebten Defizitvereinbarung (wir berichteten). Diese ist aber immer noch nicht unterzeichnet worden, wie Landrat Johann Fleschhut und Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse auf Nachfrage des KREISBOTE im Rahmen des Pressegesprächs bejahten. Landrat Fleschhut hatte im Gespräch mit dem KREISBOTE im Dezember angekündigt, die Vereinbarung im Januar zum Abschluss bringen zu wollen. Sollte dies nicht gelingen, so kündigte OB Bosse unlängst an (wir berichteten), werde die Stadt den Austritt aus dem KU beantragen. Auch der neue Klinikchef Dr. Ostwald machte im Pressegespräch deutlich, dass für beide Träger „schwierige Zeiten“ bevorstünden, denn „beide werden Federn lassen“. „Dennoch erhoffe ich sie mir als Mitstreiter für die Sache“, betonte der 46-Jährige. von Kai Lorenz


Zur Person Dr. Philipp Ostwald

• 46 Jahre, geboren und wohnhaft in München, verheiratet, vier Kinder. 

• Nach dem Abitur Studium der Humanmedizin an der LMU München. Promotion mit einem Promotionstipendium der LMU München. 

• Von 1991 bis 2000 Tätigkeit als Arzt, zuletzt als Funktionsoberarzt der herzchirurgischen Intensivstation im Klinikum Großhadern, an der Klinik für Anästhesiologie der LMU München. Abgeschlossener Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. 

• Von 2000 bis 2002 Beraterausbildung sowie Beratertätigkeit bei der internationalen Strategieberatung Boston Consulting Group. 

• Fernstudium Betriebswirtschaft im Krankenhaus an der Universität Erlangen Nürnberg. 

• Seit 2002 Managementtätigkeit in verschiedenen Kliniken (u.a. von 2005 bis 2008 Geschäftsführer der Klinikum Freising GmbH, 2009 bis 2012 kaufmännischer Direktor des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München). 

• Seit 2010 Dozent für die Bayerischen Landesärztekammer sowie die TUM School of Management. • Ebenfalls seit 2010 Mitglied der Schiedsstelle Bayern und seit 2012 Mitglied des erweiterten Landesausschusses Bayern. 

• 1985 Buchpreis der Deutschen Chemischen Industrie sowie Buchpreis für beste Abitur-Jahrgangsleistung. 

• Von 1995 bis 2003 eine Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Buchbeiträgen zu medizinischen Themen.

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