Gibt es bald günstige ÖPNV-Jahrestickets?

100 Euro für Bus und Bahn? Die Grünen bringen das Thema im Kreistag auf den Tisch

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Für das 100-Euro-Ticket für Bus und Bahn gibt es im Ostallgäu noch keine konkrete Zusage. Zunächst soll dessen Finanzierbarkeit geprüft werden.

Ostallgäu/Marktoberdorf – Der Kreistag Ostallgäu hat in seiner vergangenen Sitzung die Weichen für eine zukünftige Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gestellt. Er beschloss unter anderem einstimmig, die Machbarkeit eines günstigen ÖPNV-Ganzjahrestickets zu klären.

Dem Beschluss war eine lange Diskussion vorangegangen, zu deren Beginn ein Antrag von Kreisrat Hubert Endhardt (Bündnis 90/Die Grünen) gestanden hatte. Endhardt hatte im Namen der Grünen die Einführung eines 100-Euro-Jahrestickets für die Nutzung des ÖPNV gefordert. Zur Finanzierung dieses Tickets sollte die Kreisumlage – also der Anteil, den die 45 Kommunen an den Landkreis abführen – beim bisherigen Hebesatz von 44,9 Prozent belassen werden. Dabei geht es um insgesamt rund zwei Millionen Euro weniger, die die Gemeinden mit der empfohlenen Senkung der Kreisumlage auf 43,8 Prozent an den Landkreis zahlen müssen.

Der Antrag Endhardts fand daher vor allem aufgrund seiner finanziellen Kopplung mit der Kreisumlage keine Zustimmung im Gremium. „Wir sind uns alle einig, dass der ÖPNV eine Daueraufgabe ist“, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker vermittelnd. „Aber wir benötigen konkrete Zahlen zur Finanzierung eines Ganzjahrestickets, da wir dies über die Kreisumlage mitfinanzieren müssen.“ Endhardt hatte in seiner Vorstellung des Antrags, den Landkreis Oberallgäu hervorgehoben, der erst jüngst einen mutigen Schritt gewagt und das 100-Euro-Ticket für Bus und Bahn eingeführt habe.

Der Kostenrahmen sei derzeit nicht überschaubar, bemängelten mehrere Kreisräte an der Grünen-Initiative. Landrätin Zinnecker erläuterte, dass die Stadt Kempten einen Aufwand für ein solches Ticket von 2,5 Millionen Euro berechnet habe, der Landkreis Lindau, mit 75.000 Einwohnern, Kosten um rund fünf Millionen Euro. Mit Klimaversprechen wollte sich Endhardt jedoch nicht zufrieden geben, als er von mehreren Seiten gebeten worden war, seinen Antrag zu modifizieren. Auch wenn parteiübergreifend die Meinung herrschte, dass in Sachen ÖPNV zugunsten von Mobilität und Umweltschutz mehr getan werden müsse.

Der Kreistag erarbeitete also folglich eine konsensfähige Version, einen Appell für mehr öffentlichen Nahverkehr. Darin heißt es, dass im Rahmen des aktuell projektierten Nahverkehrsplans Ostallgäu, der laufenden Tarifharmonisierung und dem Allgäu-Verbund die Realisierbarkeit eines Ganzjahrestickets geprüft werde. Darüber hinaus soll auch die Umsetzung alternativer Beförderungssysteme, wie zum Beispiel das Rufbus-System, näher beleuchtet werden. Die Verwaltung soll hierfür schnellstmöglichst belastbare Zahlen liefern. „Damit wir bald wissen, welche Angebote für die Nutzer des ­ÖPNV, am besten allgäuweit, eingeführt werden können“, nannte Landrätin Zinnecker das ausgegebene Ziel.

Angelika Hirschberg

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