Hat der Standort Kaufbeuren eine Chance?

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Airbus A 400 M: Ein vielseitig einsetzbares Transportflugzeug, hier auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin.

Kaufbeuren – Das Interessenbekundungsverfahren der Bundeswehr (IBV) für die technische Ausbildung am Waffensystem Eurofighter durch zivile Firmen wurde Ende letzten Monats abgeschlossen. Das für die Bearbeitung zuständige „Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr“ (BAAINBw) ist nun mit der Sichtung der eingegangenen Unterlagen von interessierten Firmen befasst.

Nach dessen Auswertung erfolgt die nächste Stufe mit der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung. Auf Nachfrage des Kreisbote teilte das Amt mit, dass bis Ende 2017 eine endgültige ministerielle Entscheidung erwartet wird.

Laut Auskunft sind in der Angebotssammelstelle des BAAINBw die Interessenbekundungen von drei Unternehmen termingerecht eingegangen: von Firma Airbus DS, der Firma ESG und der Firma Reiser mit Aero Bildung. Die Frage, ob es nach einer ersten Einschätzung Hinweise auf ein ernst zu nehmendes mögliches Engagement eines Unternehmens gebe, beantwortete die Behörde wie folgt: „Aus dem Umfang der im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens eingegangenen Unterlagen kann geschlossen werden, dass alle drei Unternehmen ernsthaft an der Übernahme der technischen Ausbildung am Waffensystem Eurofighter interessiert sind. Eine Bewertung nach Güte der eingereichten Unterlagen ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich und kann im Hinblick auf ein mögliches, zukünftiges Vergabeverfahren auch nicht veröffentlicht werden.“

Ergebnis Ende 2017

Erst nach Sichtung und Auswertung der umfangreichen Unterlagen kann die nach Bundeshaushaltsordnung notwendige Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt werden. Mit dem Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wird Ende Juni 2017 gerechnet. Im Verlauf dieser Untersuchung werden die Angebote der Unternehmen mit dem „Optimierten Eigenmodell“ (OEM) der Bundeswehr verglichen. Das heißt, es wird geprüft, ob die Ausbildung des technischen Personals für den Eurofighter mit bundeswehreigenem Personal oder durch ein externes Unternehmen wirtschaftlicher ist. Dabei steht nach Diktion der Bundeswehr der Begriff „wirtschaftlich“ nicht für „günstiger“.

Im Anschluss ist vorgesehen, bis Ende 2017 eine ministerielle Entscheidung über einen Betrieb im „Optimierten Eigenmodell“ (OEM) oder die Fremdvergabe herbeizuführen. Für eine Beibehaltung der Ausbildung am Standort Kaufbeuren – ob unter militärischer oder zivil-militärischer Kooperation – hatten sich in der Vergangenheit sowohl Staatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) und MdL Bernhard Pohl (FW) als auch MdB Dr. Karl-Heinz Brunner (SPD, Mitglied im Verteidigungsausschuss) ausgesprochen.

Konversion im Wandel

Wie aus verschiedenen Medien in den letzten Tagen zu entnehmen war, gibt es mit Blick auf die Militärflugplätze an den Standorten Penzing und Lechfeld möglicherweise gravierende Veränderungen. Für den Fliegerhorst Penzing wurde bereits ein Stopp der Konversion durch das Bundesministerium der Verteidigung verfügt. Damit möchte sich die Bundeswehr offenbar „alle Optionen für die Zukunft offenhalten“, auch unter dem Aspekt des wachsenden Verteidigungshaushalts, wie die Landsberger Ausgabe des Kreisbote berichtet. Sowohl Landkreis (Landsberg am Lech) als auch Kommunen reagierten auf diese Entwicklung enttäuscht, da sie bereits Pläne für die Vermarktung des 270 Hektar großen Geländes hatten. Am Abzug des Lufttransportgeschwaders 61 ändere dies nach Auskunft der Geschwaderführung nichts. Was die Bundeswehr in Penzing plant und ob es überhaupt konkrete Pläne gibt, ist allerdings unklar.

Lechfeld im Fokus

Neue Nachrichten gibt es ebenfalls für die Nutzung des Fliegerhorstes Lagerlechfeld, einstige Heimat des dort bis 2013 stationierten Jagdbombergeschwaders 32. Dort könnten nach Informationen aus dem Verteidigungsministerium 13 Luftfahrzeuge (Lfz) des Typs Airbus A 400 M – dem Nachfolger der Transall – stationiert werden. Dabei handelt es sich um Lfz, deren Vermarktung durch die Bundeswehr für andere Partner aufgrund der verzögerten Einsatzreife fehlschlug. Denkbar wäre, dass die nicht benötigten Transportmaschinen für Deutschland und weitere Bündnispartner in einer multinationalen Einheit für Lufttransporte genutzt werden. Der Platz könnte somit als Drehkreuz für humanitäre und militärische Einsätze in der südlichen und östlichen Hemisphäre genutzt werden. Angeblich seien aber 505 Millionen Euro für die Flugplatzertüchtigung in Lechfeld oder an einem anderen Platz erforderlich, heißt es in einem Brief des BMVg an Mitglieder des Haushalts- und Verteidigungsausschusses.

Was dies für Kaufbeuren bedeuten könnte, erfahren Sie im Kommentar in der gedruckten Ausgabe.

von Wolfgang Becker

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