Im Guten wie im Schlechten

Oberdorf – global vernetzt

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Zahlreiche Besucher wohnten der Ausstellungseröffnung „Europäische Spuren in Marktoberdorf“ im Rathaussaal bei. Mit dem ausgestellten Leiterwagen beispielsweise kam die Hohenelber Flüchtlingsfamilie Schulz nach Marktoberdorf. Sie wie viele andere brachten die Sage vom Rübezahl ins Ostallgäu.

Marktoberdorf – Wer geglaubt haben mag, modischer Schick aus Paris und Allgäuer Turmuhren in Südafrika hätten mit Marktoberdorf so wenig zu tun wie ein Kamel mit einem Nadelöhr, der irrt sich gewaltig. Die diesjährige Sonderausstellung der Stadt „Europäische Spuren in Marktoberdorf“ macht deutlich, dass die heutige Kreisstadt schon seit hunderten von Jahren in den Kontext der europäischen Geschichte eingebettet ist.

Im Guten wie im Schlechten. Abgeschiedenheit der Provinz? Insel der Glücksseligen? Von wegen! 

Da sind französische Modezeitschriften im Depot der Stadt aufgetaucht, die davon zeugen, wie sie die Oberdorfer Damen schon vor hundert Jahren inspirierten. Und das Beispiel der Firma Theodor Fendt, die Bleizugmaschinen und Turmuhren herstellte, zeigt, dass sich Handelsbeziehungen von Markt­oberdorf aus nach ganz Europa, sogar bis nach Südafrika erstreckten. 

Stadtarchivarin Josephine Heddergott erklärte zur Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Freitag, dass sich europäische Einflüsse in allen Bereichen des Marktoberdorfer Lebens gefunden hätten – nicht erst seit der viel zitierten Globalisierung. Spuren sind in Religion, Kunst und Mode, im Krieg und bei Vertreibung, im Handel und Reisen erkennbar und anhand vieler regionaler Exponate nachzuweisen. Kriege wie Krankheiten hätten auch Marktoberdorf nicht unberührt gelassen, denke man an den Pestfriedhof in der Nähe von Kohlhunden oder die Kriegstagebücher des einfachen Oberdorfer Soldaten Paul Kustermann (gestorben 1915 in der Nähe von Verdun), die im Original der Ausstellung beiwohnen. 

Die außergewöhnliche Ausstellung entstand im Rahmen des Museumsentwicklungsprojektes „Euro-Visions – Museums Exhibiting Europe“ (EMEE). Koordiniert wird das EU-Projekt vom Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte der Universität Augsburg. Dort lehrt Miriam Hannig, die den Kontakt zwischen Stadt und Projekt herstellte, die Ausstellung in ihrer Geburtsstadt möglich machte und weiter begleitet. „Wir wollen wieder mehr Menschen in die Museen locken und inbesondere Lösungen für kleine Häuser auf den Weg bringen“, beschreibt Vermittlungswissenschaftlerin Hannig das Ziel des europäisch vernetzten Projekts. 

Programm 

Begleitend zur Ausstellung findet ein Begleitprogramm statt. Am 31. März wird die ehemalige Stadtarchivarin Ursula Thamm aus ihrem Buch „Das Zentrum des Grauens“ lesen, in dessen Mittelpunkt die Kriegserlebnisse des Soldaten Kustermann stehen (19 Uhr, Rathaussaal). „Mit Rübezahl durchs Riesengebirge“ heißt es für Kinder von sechs bis zehn Jahre am 14. April im Stadtmuseum (17 Uhr). Am 21. April lädt Herbert Eigler zu einer Stadtführung auf europäischen Spuren ein (ab 18 Uhr, Rathaussaal). 

Die Sonderausstellung „Europäische Spuren in Marktoberdorf“ im Rathaussaal ist noch bis zum 24. April jeweils donnerstags von 14 Uhr bis 16 Uhr und sonntags von 10 Uhr bis 12 Uhr und von 14 Uhr bis 16 Uhr geöffnet, Ostersonntag geschlossen.

von Angelika Hirschberg

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