Europan12: Drei Konzepte zum Fliegerhorst prämiert

Die Sieger stehen fest

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Das Entwurfskonzept des Preisträgers „Fasten your seat belt!“ ist laut Jury „hervorragend in die Allgäuer Voralpenlandschaft und die baulichen Strukturen der Umgebung eingebettet“.

Kaufbeuren/Berlin –  "Innovationsreiche architektonische und urbanistische Lösungen" zu finden – das ist eines der Hauptziele des Architektenwettbewerbs "Europan 12". Solche Lösungen sind genau das, was die Stadt Kaufbeuren für das Fliegerhorst-Areal braucht, dachte sich der damalige Baureferatsleiter Ralf Baur und meldete das Projekt beim Wettbewerb an. Und tatsächlich hat die Auswertung der Jury nun eine Menge toller Anregungen gebracht.

Es sind Visionen, die dem Betrachter auf Anhieb erahnen lassen, welches Potenzial in der Erschließung des Fliegerhorstes steckt. Urheber sind junge Architekten im Wettbewerb „Europan 12“ (wir berichteten). Drei der Konzepte für ein zivile Nutzung des Kaufbeurer Fliegerhorstes machten jetzt das Rennen. Die Jury entschied sich für eine Preisvergabe, einen Ankauf sowie eine Anerkennung für insgesamt drei Architektenteams aus Italien und Spanien. 

Der Wettbewerb Europan 12 war im März 2013 unter dem Thema „Stadt im Wandel“ in 51 Städten in 16 europäischen Ländern ausgeschrieben worden. Wie berichtet, wurde dabei ein robustes und langfristiges flexibles städtebauliches Konzept gesucht, das unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht wird und eine phasenweise Entwicklung ermöglicht sowie die herausragenden Rolle der Landschaft würdigt. Wie Baureferatsleiter Helge Carl in einem früheren Gespräch mit dem Kreisboten erklärte, sei eine unmittelbare Umsetzung der Ideen nicht geplant – dennoch könnten einzelne Ansätze in Form von Impulsen in den Koversionsprozess mit einfließen. 

Speziell für den Fliegerhorst Kaufbeuren wurden insgesamt 24 Arbeiten aus neun verschiedenen europäischen Ländern eingereicht. Zwei Jurys beurteilten die Arbeiten und wählten die besten Entwürfe aus. 

Der Preisträger 

Der Preis der Jury ging an ein Team aus spanischen und italienischen Architekten sowie Landschaftsingenieuren. Das Kon- zeptmotto lautete: „Fasten your seat belt!“ (zu deutsch: „Legen Sie Ihren Sitzgurt an!“, siehe unten). Die Jury bewertete das Konzept wie folgt: „Das Entwurfskonzept ist hervorragend in die Allgäuer Voralpenlandschaft und die baulichen Strukturen der Umgebung eingebettet. Die Ausformulierung der zentralen Grünbereiche und deren Vernetzung mit der Umgebung ist sehr effektiv. Auf intelligente Weise unterscheidet das Projekt in einen klar definierten städtischen Park, zum Stadtzentrum hin orientiert, und einen offen konzipierten extensiven Landschaftspark für den größeren Teil des Areals. Die Start- und Landebahn wird als gestalterisches Element bewahrt und ist als zentrale Sichtachse in die Landschaft eine besondere Attraktion“. 

Das Entwicklungskonzept baue zudem auf bestehenden Verbindungen auf und garantiert so eine einfache und gute Erschließung des Areals. Dadurch werde auch sichergestellt, dass neue Entwicklungen in verschiedenen Phasen erfolgen können. Die Gliederung des Areals biete laut Jury „einen robusten Rahmen für flexible Entwicklungen in der Zukunft. Das Projekt wählt wirtschaftlich vernünftige Mittel und bietet eine zusammenhängende Gesamtkonzeption“. 

Der Ankauf 

Der Entwurf des rein italienischen Teams trägt das Motto „Long-Lasting Landing Landscaping“ (sinngemäß: „nachhaltiges Konzept mit Landebahn und Landschaftsgestaltung“, siehe oben) und wurde angekauft. Die Jury entschied sich dafür, weil: „Das Konzept stellt die Start- und Landebahn in besonderem Maße als verbindendes Element zwischen dem Stadtzentrum und dem fernen Blick in die offene Landschaft der Alpen heraus. Ein robustes und flexibles Entwicklungskonzept ermöglicht es, auf langfristige Einflüsse zu reagieren. Folgerichtig beginnt der Entwicklungsprozess im Norden mit einer Nachverdichtung der bestehenden Baustrukturen. Neue Nutzungen sollen gefunden werden und für strukturelle Nachverdichtungen wird ein langsamer Entwicklungsprozess vorgeschlagen, der ein breites Spektrum an Nutzungen wie Wohnen, Hotels, kleine Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe sowie öffentliche Einrichtungen berücksichtigt. Die bauliche Entwicklung definierte eine klare Kante zur offenen Landschaft im Süden. Die Weite der attraktiven Landschaft wird durch parkähnliche Baumcluster akzentuiert, während der Blick auf das Alpenpanorama freigestellt wird“.

Insgesamt liefere das Projekt einen flexiblen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Stadt Kaufbeuren, der die Besonderheit des Ortes und den südlichen Blick in die offene Land- schaft effektiv inszeniere, so die Jury. 

Anerkennung 

„Air Sharing“ (Luftaustausch) ist das Motto der Arbeit einiger italienischer Architekten, denen die Jury eine Anerkennung aussprach. Das sagte die Jury: „Air Sharing ist ein auf den Ort bezogener und gleichzeitig visionärer Beitrag. Der Fliegerhorst – bislang unzugängliches Gebiet, durch die Topografie von der Stadt abgetrennt und Niemandsland für die Bewohner Kaufbeurens – wird zum Katalysator für die lokale und regionale Ökonomie. Die Jury begrüßt die Nutzung vorhandener Ressourcen, wie Gebäudebestand und Infrastrukturen, behutsam ergänzt mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Die Konzentration von überschaubaren Entwicklungsmaßnahmen im westlichen Bereich wird positiv gesehen, da sie gleichzeitig Spielräume für visionäre Ideen eröffnen: Energiedrachen, Windtunnel, produktive Landschaften im Osten und eine Magnetschwebebahn mit Anbindung an den Bahnhof“. 

Trotz der Gefahr der Übertreibung – dieses Projekt würde den Fliegerhorst laut Jury „zu einer regionalen Attraktion machen“. 

Präsentation 

Die Stadt Kaufbeuren präsentiert alle 24 Wettbewerbsbeiträge in einer Ausstellung im Rathaus (Neubau, 2. Stock). OB Stefan Bosse wird diese am 8. Januar 2014 um 16.30 Uhr im Foyer des Bau- und Umweltreferates eröffnen. Eine Infoveranstaltung für interessierte Bürger zur Bekanntgabe der Europan-12-Gewinner und zum Stand des Konversionsprojekts Fliegerhorst Kaufbeuren folgt dann am 21. Januar 2014 um 19 Uhr im Foyer des neuen Sitzungssaals im Rathaus (Neubau). von KAI LORENZ

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