Explosion in Oberbeuren

Ein Bild der Verwüstung – Sachschaden wird auf bis zu 1,5 Millionen Euro beziffert

Trümmer nach Explosion
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Eine heftige Explosion hat in der Nacht von Freitag auf Samstag das Vereinsheim des TSV Oberbeuren völlig zerstört. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Kaufbeuren-Oberbeuren – Das Bild der Zerstörung war erst am Tag richtig sichtbar. Unzählige Fußgänger sahen am Samstag fassungslos auf das Trümmerfeld. In der Nacht gab es ersten Erkenntnissen nach eine Flüssiggasexplosion. Das 1989 erbaute Vereinsheim des TSV Oberbeuren liegt nun in Trümmern. Schnell werden Erinnerungen wach, als im Mai 2019 in Rettenbach am Auerberg ein ähnliches Szenario stattfand. Ein Haus wurde dort ebenfalls durch eine Gasexplosion komplett zerstört. Während es in Rettenbach damals zwei Tote zu beklagen gab, kam diesmal glücklicherweise niemand zu Schaden.

Auch Stefan Dietz ist mit dem Schrecken davongekommen. Er wohnt nicht weit weg vom Vereinsheim. Doch dieses Ereignis wird er nicht mehr so schnell vergessen. „Ich habe einen sehr lauten Knall vernommen. Das war jetzt nicht so dramatisch, sondern eher die Druckwelle“, berichtet er auf Nachfrage des Kreisbote. Er sei regelrecht im Bett an die Wand gedrückt worden. Bilder flogen von der Wand, der Wäscheständer kippte. Nichts stand mehr an seinem Platz. Dietz ging nach draußen und sah das Unheil. Für ihn sei es ein beklemmendes Gefühl gewesen, auch als er sich in Sicherheit wog. „Gott sei Dank hat es keine Toten oder Verletzte gegeben“, verweist er im gleichen Atemzug auf einen schweren Eisenzaun, der durch die Explosion etwa zehn Meter an seiner Terrasse vorbeigeschleudert wurde.

Susanne Zoller ist noch immer geschockt. Seit Stunden ist sie auf den Beinen. Auch sie wurde durch den Knall wach. Um 2.30 Uhr erhielt sie einen Anruf, dass das Vereinsheim explodiert ist. „Ich hatte Panik und konnte mir dieses Ausmaß erst einmal nicht vorstellen. Ich wusste ja nicht, was genau passiert war.“ Für die Geschäftsführerin des TSV Oberbeuren sei der Weg zum Unglücksort entsetzlich lang gewesen. Auf dem Rasen habe sie schon die ersten Trümmer gesehen. Die Druckwelle reichte sogar bis zum Kiosk, der nicht weit vom Fußballplatz entfernt liegt.

THW und Feuerwehr vor Ort

Selbst um die Mittagszeit standen Kräfte von THW und Feuerwehr immer noch am Einsatzort parat. Unter ihnen war auch Stefan Waldner, Einsatzleiter und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Oberbeuren, der in der Nacht ein Bild der Verwüstung vorfand. Steine, Fensterteile und Glasscherben lagen herum. „Wir stellten schnell fest, dass keine Personen in Gefahr waren. Die angrenzende Ferienhaussiedlung wurde geräumt, alle Bewohner konnten sich in Sicherheit bringen. Acht von insgesamt 14 Personen kamen im Oberbeurer Pfarrsaal unter und wurden durch die Schnelleinsatzgruppe betreut und versorgt“, so Waldner. Die Übrigen kamen bei Verwandten unter.

Um ganz sicher zu gehen, dass sich keine Personen unter den Trümmern des Sportheims befanden, wurde eine Hundestaffel angefordert. Auch das Technische Hilfswerk war vor Ort, leuchtete den Einsatzort aus. Im Gespräch mit dem Kreisbote sprach Stefan Waldner von mindestens zehn Häusern im Bereich der Ferienhaussiedlung, die durch die Druckwelle beschädigt wurden. Feuerwehr und THW halfen gemeinsam, Türen und Fenster mit Holzbrettern zu verbarrikadieren. Der Sachschaden wird nach ersten Schätzungen auf ein bis eineinhalb Millionen Euro beziffert.

Keine Verletzten

„Dass keine Menschen verletzt oder getötet wurden, gleicht an ein Wunder. Ich glaube, da hat wieder unsere Heilige Crescentia die Hand darüber gehalten“, will sich Stefan Waldner nicht ausmalen, wenn das Unglück untertags passiert wäre, Fußgänger entlang des Weges vorbeigelaufen wären, sich sogar Personen im Bereich der Gärten aufgehalten hätten.

Schon am Samstagvormittag gab es für die Eigentümer grünes Licht. Sie durften wieder zurück in ihre Häuser. Nur ein Gebäude, das sich im Rohbau befindet, hat erheblichen Schaden genommen. Rund 40 bis 50 Mann waren insgesamt im Einsatz.

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse wurde selbst von der Feuerwehr in der Nacht kontaktiert. Er hat sich persönlich ein Bild von der Unglücksstelle gemacht. Da das Sportheim der Stadt Kaufbeuren gehört, wird die Verwaltung den Schaden der Versicherung melden. „Wir müssen jetzt einmal die Ermittlungen abwarten“, will das Stadtoberhaupt den Verein nicht im Stich lassen. „Wir brauchen irgendeine Lösung.“ Nächster Schritt sei es, mit dem Verein das weitere Vorgehen zu besprechen.

Unterdessen hofft Susanne Zoller noch irgendetwas aus den Trümmern retten zu können, verweist sie besonders auf ein Souvenir und Erinnerungsstück: Die Olympiafackel von 1972, die neben dem Vereinswappen sichtbar an der Wand hing. Der langjährige Mannschaftsführer der Fußballer des TSV ­Oberbeuren, Rudolf Steiner, wurde bei den Olympischen Spielen in München als Staffettenläufer für das Olympische Feuer erwählt. Doch jetzt steht Zoller erst einmal vor den Trümmern. „Es ist keiner verletzt, alles andere ist ersetzbar.“

Welle der Hilfsbereitschaft

Noch am Samstag hat der schwäbische Bezirksvorsitzende des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), Johann Wagner, Kontakt mit TSV-Vorstand Uwe Seidel aufgenommen und Unterstützung durch den Verband zugesagt. Der Club nimmt mit zwei Herren-Teams sowie sieben Junioren- und einem Juniorinnen-Team am Spielbetrieb des BFV teil. Es sei ein buchstäblicher Trümmerhaufen, vor dem der TSV Oberbeuren plötzlich stehe. Wagner weiter: „Der BFV wird den Verein jetzt gewiss nicht mit seinen erst noch zutage tretenden Problemen und Herausforderungen alleine lassen, sondern dort nach Kräften unterstützen, wo es geht. Das beginnt schon beim etwaigen Abgleich der Mitglieder- oder Passdaten, denn noch ist Uwe Seidel nicht klar, inwieweit die elektronische Vereinsverwaltung überhaupt noch gerettet werden kann. Auch wenn es angesichts des immensen Schadens nicht die ganz große finanzielle Hilfe sein kann, so ist unsere BFV-Sozialstiftung dennoch in der Lage, Mitgliedern der bayerischen Fußball-Familie schnell und unbürokratisch mit einer Soforthilfe unter die Arme zu greifen“, heißt es in einer vom BFV veröffentlichen Pressemitteilung.

Solidarisch zeigt sich auch das Restaurant Kaufburger aus Neugablonz: „Um die Kinder, Jungs und Mädels des TSV Oberbeuren zu unterstützen, haben wir uns überlegt, einen Euro pro verkauftes Menü an den Verein zum Wiederaufbau zu spenden.“ Ende März wollen sie die zusammengekommene Summe dann überreichen.

Stefan Günter

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