Noch keine neuen Erkenntnisse

Explosion TSV Oberbeuren: Welle der Hilfsbereitschaft – LKA ermittelt weiter

Aufräumarbeiten TSV Oberbeuren nach Explosion
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TSV-Geschäftsführerin Susanne Zoller (links) und Stefan Hantke mitten im Trümmerfeld des explodierten Vereinsheims.

Kaufbeuren – Nach der Explosion des Vereinsheims im Stadtteil Oberbeuren gibt es nach wie vor keine neuen Erkenntnisse. Noch immer suchen Sachverständige des Landeskriminalamts (LKA) aus München nach wichtigen Details, warum das Gebäude vor einer Woche in die Luft ging. Derweil erlebt der TSV Oberbeuren nach dem Vorfall eine Welle der Hilfsbereitschaft. Der Verein kann sich bereits über erste finanzielle Spenden freuen.

„Die Ermittlungen dauern weiterhin an. Es kann mehrere Wochen und Monate dauern“, berichtete Pressesprecher Dominic Geißler vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. Staatsanwaltschaft und LKA haben den Bereich noch nicht freigegeben. Es gebe es aber keinen Hinweis, das auf ein Fremdverschulden bei dem Unglück hindeute. „Es gibt ein großes Schadensbild. Umso mehr beschädigt wurde, desto komplexer gestalten sich auch die Ermittlungen“, begründete Geißler. So müssen Gasleitungen genau untersucht, und wenn möglich auch im Kriminallabor feinmikroskopisch untersucht werden.

Unterdessen haben Experten der Versicherungskammer Bayern vor wenigen Tagen die Unglücksstelle besucht. Ein Gutachten aus der Luft soll die Dimension des Schadens dokumentieren. Mittels einer Drohne wurden viele einzelne Bilder erfasst. „Das gesamte Ausmaß kann aus der Luft besser abgeschätzt werden“, sagte Drohnenführer Markus Stiegler. Maximal bis zu 50 Meter hoch durfte er seine beiden Drohnen fliegen lassen.

Freiwillige Helferinnen und Helfer stehen vor leider nicht mehr brauchbaren Trikotsätzen des TSV Oberbeuren.

Während Stiegler das gesamte Ausmaß aus der Luft dokumentierte, stand Tobias Rentz von der Firma Höbel zeitgleich mit seinem Bagger mitten im Trümmerfeld. Der Aitranger war bereits im Mai 2019 bei den Aufräumarbeiten nach der Explosion eines Wohnhauses in Rettenbach am Auerberg dabei. Mit Leichtigkeit steuerte er den tonnenschweren Bagger. In filigraner Arbeit legte er Unmengen von Holz, Metall und Beton frei. Dabei hatte Tobias Rentz stets mit den Beamten des LKA Sichtkontakt. Zeitgleich suchten Mitglieder und ehrenamtliche Helfer des TSV Oberbeuren noch nach Überresten im verschütteten Vereinsheim. „Wir haben schon viel Holz weggefahren, weil der Platz einfach zu eng ist“, zeigte auch Susanne Zoller vollen Körpereinsatz. Täglich steht sie in den Trümmern. Mittlerweile sei die Bodenplatte fast freigeräumt, sagte die TSV-Geschäftsführerin am Donnerstagvormittag. Während die Olympia-Fackel noch immer nicht aufgetaucht ist, fanden die freiwilligen Helferinnen und Helfer aber einige Erinnerungsstücke, wie alte Bilder der Tennisabteilung. Etwas Hoffnung keimte auf, als viele Trikots unter dem Berg von Schutt und Geröll hervorkamen. „Leider sind viele Trikotsätze unvollständig und doch beschädigt“, bedauerte Zoller. Alleine die Fußballabteilung hat 45 Sätze Trikots für Mannschaften sämtlicher Altersgruppen verloren. Der Wert liegt im mittleren fünfstelligen Bereich.

In der kommenden Woche kommen Vereinsvorstand und die Stadt Kaufbeuren zu einem gemeinsamen Termin zusammen. „Wir stecken dann ab, wie es weitergeht. Bedingt durch Corona haben wir noch keinen Startschuss für einen Trainingsbetrieb“, so Zoller. Sie hofft, dass als Überbrückung Container zur Verfügung gestellt werden, die dann unweit des Fußballplatzes in der Nähe des Kiosks platziert werden können. Der Verein braucht für den Neustart ein komplettes Inventar. Mittlerweile haben die Oberbeurer Bühne und der BSK Olympia Neugablonz bereits gespendet. Die Fußballer aus dem nördlichen Stadtteil gaben 1000 Euro. Der Verein, die AH sowie beide Herrenmannschaften haben zusammengelegt. „Es ist ein enormer Schicksalsschlag. Wir wollen einen kleinen Beitrag dazu leisten und helfen gerne“, so Vereinsvorsitzender Peter Seidel.

„Wir halten zusammen“

Viele weitere Spenden haben den TSV schon erreicht. „Das ist großartig. Wir brauchen die finanzielle Unterstützung und sind sehr dankbar dafür“, so Zoller. „Wir sind tief erschüttert was dem TSV Oberbeuren am Wochenende passiert ist,“ so Thomas Neumann, Vorstand der Spielvereinigung Kaufbeuren. „Uns war sofort klar, dass wir helfen werden. Auch wenn wir auf dem Platz Rivalen sind, im Herzen sind wir Fußballer Eins! Wir halten zusammen! “ „Wir sind überwältigt, welch große Solidarität uns entgegengebracht wird,“ ergänzt Uwe Seidel, 1. Vorstand des TSV Oberbeuren. „Gerade in der aktuellen Zeit ist es nicht selbstverständlich. 1.000 Euro ist eine enorme Summe, umso dankbarer sind wir, Freunde zu haben!“

Uwe Seidel, 1. Vorstand des TSV Oberbeuren (links) und Thomas Neumann, Vorstand der Spielvereinigung Kaufbeuren.

Derweil dürfte die Nachricht von Stefan Liebl, stellvertretender Pressesprecher der Versicherungskammer Bayern, den TSV Oberbeuren freuen: „Der Totalschaden muss noch durchkalkuliert werden. Sobald der Schaden aber weggeräumt ist, entsprechende Pläne vorhanden sind, wird wieder aufgebaut.“

von Stefan Günter

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