"Familientreffen"

Hinterglasbild-Tagung

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Zeitgenössische Hinterglasbilder von Hedi Scheck: Mit Orpheus unterwegs (Die Schatten/Die Furien/Die seligen Geister).

Kaufbeuren – Rund 90 Sammler, Kunsthistoriker, Museumsfachleute, Restauratoren und Künstler aus ganz Europa (Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz, Tschechien) trafen sich kürzlich im Stadtmuseum zu einem regen Austausch über Hinterglasbilder.

Für einige der Teilnehmer hatte die bereits zum 9. Mal veranstaltete Tagung, wie man der als Gastgeberin fungierenden Museumsleiterin Petra Weber anvertraut hatte, bereits den „Status eines Familientreffens”. 

Bürgermeister Gerhard Bucher überbrachte die Grüße der Stadt und freute sich über die Ehre, dass dieses Jahr Kaufbeuren die hochkarätige Fachtagung ausrichten durfte. Mit seiner eigenen außergewöhnlichen Sammlung protestantischer Hinterglasbilder aus dem 18. Jahrhundert bot das Stadtmuseum jedoch durchaus auch inhaltliche Anknüpfungspunkte für die Tagungsteilnehmer. 

Überdies hat das Kaufbeurer Stadtmuseum neben dem Bayerischen Museumspreis von 2013 in diesem Jahr auch eine höchst ehrenvolle Nominierung für den Europäischen Museumspreis erhalten. Es rangierte unter den 42 ersten aus mehreren hundert Bewerbern – und es sei, so Bürgermeister Bucher, für ein Museum in der Größenordnung des Kaufbeurer Stadtmuseums alles andere als eine Schande, schließlich einer Einrichtung wie dem Amsterdamer Rijksmuseum zu unterliegen. 

Gastgeberin Weber hatte für die Tagung ein interessantes Programm mit Fachvorträgen zur Hinterglaskunst zusammengestellt. Die einzelnen Vorträge waren zeitlich so streng getaktet, dass die Redner jeweils fünf Minuten vor dem Ende ihrer Redezeit durch einen Küchenwecker daran erinnert wurden, mit ihren Ausführungen langsam zum Schluss zu kommen. 

Die Referenten deckten ein breites Spektrum der Hinterglaskunst über mehrere Jahrhunderte und über diverse Entstehungszentren ab: den süddeutschen Raum mit den Zentren Augsburg, Murnau, Kaufbeuren, Oberösterreich, Schlesien und Böhmen sowie Frankreich und Neapel. 

In den Vorträgen wurden sowohl Techniken als auch die verschiedensten Themen der Hinterglasmalerei behandelt: Religiöse Motive und profane Hinterglaskunst wie Porträts, Trachten- und Uniformdarstellungen in volkstümlichen Sammlungen, mythologische oder biblische Szenen sowie Landschaften auf Bildern der höfischen Kunst, Glastafeln in Repräsentations-Möbelstücken und -Gegenständen wie Kabinettschränken, Klavieren oder Schreibtischen, oder gar auf Schnupftabakdosen, Schattenrisse in der Hinterglasmalerei oder die Werke eines nur als „Monogrammist VBL” bekannten Hinterglaskünstlers bis hin zu Wanddekoren aus den 40-er Jahren des 20. Jahrhunderts. 

Im Sonderausstellungsraum wurden die durch Spenden des Freundeskreises des Stadtmuseums ermöglichten jüngsten Neuerwerbungen für die Sammlung protestantischer Hinterglasbilder präsentiert. 

Ergänzend dazu waren zeitgenössische Arbeiten der Künstler Hedi Scheck, Fride Wirtl Walser und Roman Harasymiw zu sehen, die sich mit der Hinterglaskunst beziehungsweise mit dem Werkstoff Glas auseinandersetzen und unter anderem mit Spiegelglas oder einer speziellen Drucktechnik auf Plexiglas experimentieren.

von Ingrid Zasche

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