Faire Milch zu fairen Preisen

Die Schwaben galten in Deutschland bisher als sparsam. Doch mittlerweile entwickelt sich ganz Deutschland zu einem „Geiz ist geil“-Volk. Es wird gespart an allen Ecken und Enden - besonders gern bei Lebensmitteln. 500 Gramm Reis gibt es schon für 49 Cent, den Liter H-Milch für unter 50 Cent. Doch was für den Verbraucher als Schnäppchen erscheint, bringt den Produzenten oft in die Bredouille. Faire Preise fordern seit langem die Landwirte für ihre Milch. Einen neuen Weg sind jetzt der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Milchvermarktung Süddeutschland (MVS) gegangen. Seit 20. Januar gibt es „Die faire Milch“ im Handel. Vergangene Woche stellten Vertreter des BDM und der MVS das Produkt in Hausen für das Ostallgäu vor.

Anstatt weiter zu jammern, seien sie einfach einen anderen Weg gegangen, „denn bei uns ist die Molkerei der Dienstleis-ter“, sagt Karl Karrer, Beirat bei der MVS. Es wird so gerechnet, dass auf jeden Fall 40 Cent beim Landwirt ankommen müssen. Dazu kommen noch die Kosten für die Verpackung und den Transport. So liegt der Verkaufspreis bei 89 Cent pro Liter fettarme Milch (1,8 %) und 99 Cent für den Liter Milch mit drei Prozent Fett. Verkauft wird die Milch derzeit allerdings nur bei Rewe und Tegut (Hessen). Doch Verhandlungen laufen schon mit anderen Supermärkten. Auch in Hof- und Dorfläden, Getränkemärkten oder Bäckereien soll die Milch bald stehen, wenn es nach Karrer geht. „Die Verbraucher sollen einfach in den Märkten nach der Milch fragen“, fordert Michael Endraß, BDM Kreisvorstand, auf. Bereits nach den ersten Tagen könne man sagen, dass „die Milch sensationell gut ankommt“, freut sich Karrer. „Milch, die in Bayern gemolken wird, wird auch in Bayern verkauft“, gleiches gelte auch für Hessen und Baden-Württemberg. Einziger Wehrmutstropfen: Derzeit gibt es weder eine Molkerei in Bayern noch in Baden-Württemberg, die die Produktion übernimmt. So wird die Milch bis nach Schlüchtern bei Fulda (Hessen) gefahren, wo sie verarbeitet wird. „Es liegt nicht an uns, dass wir keine Molkerei vor Ort haben“, betont Karrer und ergänzt, dass sie aber die Hoffnung nicht einschlafen lassen wollen. Die Milch ist nicht nur fair zu den Landwirten, sondern auch fair zu den Verbrauchern. Denn sie ist besonders reich an Omega-3-Fettsäuren. Die durchschnittliche Milch weise Omega-3-Fettsäuren zwischen 0,3 und 0,6 Prozent (%) auf. Der Anteil bei „Die faire Milch“ liege derzeit bei 0,9 %. Es wird absolut genfreies Futter, das auf der Milchverpackung auch mit dem neuesten Siegel sichtbar wird, gefüttert. „Es wird ganz auf Exportfutter und Soja verzichtet“, berichtet Bauer Hansjörg Fichtl, auf dessen Hof die Milch vorgestellt wurde. Hauptsächlich werde Grünfutter und Selage gefüttert. Vielleicht gebe die Kuh dadurch etwas weniger Milch, aber „wir wollen keine Turbo-Kuh in unseren Ställen“, betont Karrer. Wenn „Die faire Milch“ weiter so gut läuft, dann sollen Butter, Joghurt und Käse folgen. 120 Milchbauern aus Bayern, Hessen und Baden-Württemberg stehen hinter der „fairen Milch“, zirka 20 kommen davon aus dem Ostallgäu. Nähere Informationen auf www.die-faire-milch.de. Spontan verkündigte Landrat Johann Fleschhut, dass es „in den Sitzungen ab sofort 'Die faire Milch' geben wird“. Die Lieferung an Kliniken und Altenheime im Landkreis müsse allerdings erst auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Gerade im Punkt gentechnikfreies Futter gebe es eine große Schnittmenge zwischen dem BDM und dem Bauernverband (BBV), so Fleschhut. Er hofft deshalb, dass bei einem baldigen Treffen im Landratsamt dieser Schnittpunkt beide Verbände wieder näher zusammen bringen werde.

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