Sie wollten Senior um 40.000 Euro betrügen – Fälle nehmen zu

Falsche Polizisten festgenommen

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Auf frischer Tat hat die Polizei jetzt zwei Männer festgenommen, die sich als falsche Beamte ausgegeben hatten, um einen Rentner um 40000 Euro zu erleichtern.

Kaufbeuren/Allgäu – Auf frischer Tat hat die Polizei in Kaufbeuren einen 25-jährigen Mann und seinen fünf Jahre älteren Komplizen festgenommen. Beide hatten versucht, einen 87 Jahre alten Senior um 40.000 Euro zu betrügen.

Die beiden hatten sich als Kriminalbeamte ausgegeben und den Rentner bereits dazu gebracht, die 40.000 Euro von seinem Konto abzuheben. Dabei soll es um eine Forderung der Staatsanwaltschaft gehandelt haben. Laut Polizei hätten die beiden Männer von einem Callcenter in der Türkei angerufen. Als sie das Geld abholen wollten, klickten die Handschellen der echten Polizisten. Die Kripo schließt nicht aus, dass noch weitere Senioren von den beiden Männern betrogen wurden und bittet um Hinweise.

Polizeipräsident Werner Strößner ist entsetzt über den enormen Anstieg der Delikte bei „Falschen Polizeibeamten“. In den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres waren diesbezüglich 107 Anzeigen aufgenommen worden. Im Vergleichszeitraum des aktuellen Jahres wurden bereits 322 Fälle zur Anzeige gebracht, was einer Steigerung von circa 200 Prozent entspricht. Der größte Teil dieser Taten entfällt dabei auf das Phänomen „Falsche Polizeibeamte“. Darunter sind auch Fälle, in denen sich Betrüger als Staatsanwälte oder als andere Beamte ausgeben. „Die teilweise immens hohen finanziellen Schäden (allein heuer entstand den Opfern im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West ein Schaden von rund einer halben Million Euro, Anm. d. Red.) sowie das dadurch entstehende Misstrauen gegenüber unseren eigenen Beamten ist besorgniserregend“ so Polizeipräsident Strößner.

Die Betrugsmaschen

Die Polizei hat die verschiedenen Betrugsmaschen analysiert und katalogisiert. Die äußerst professionellen und sehr sprachgewandten Anrufer stellen sich demnach als Polizeibeamte, oder auch andere behördliche Vertreter vor. Durch geschickte Manipulation und wiederholte, teils über Wochen dauernde Kontaktaufnahme gelingt es ihnen, ein starkes Vertrauensverhältnis zu ihren Opfern aufzubauen, berichtet die Polizei. Um sich zu legitimieren wird das Opfer teils aufgefordert bei der örtlichen Polizeidienststelle zurückzurufen. Der Täter täuscht dann durch das Einspielen eines Freizeichens vor, dass die Verbindung unterbrochen wurde, obwohl diese noch weiter besteht. Wenn das Opfer nun die Nummer der örtlichen Polizei oder die 110 wählt, wird keine neue Verbindung aufgebaut. Stattdessen täuscht derselbe Täter oder ein Komplize vor, den Anruf als „richtige Polizei“ wieder anzunehmen.

Die im Telefondisplay der Angerufenen angezeigte Rufnummer kann von den Tätern über eine Software manipuliert werden. Im Falle falscher Polizeibeamter wird teils die Rufnummer der örtlichen Polizeidienststelle oder die örtliche Vorwahl in der Verbindung mit der 110 angezeigt. Die Anzeige einer bekannten Rufnummer ist also kein Grund für falsches Vertrauen.

Die genaue Ausgestaltung der vorgetäuschten Geschichte ist laut Polizei aber beliebig wandelbar und oft erschreckend detailreich gestaltet.

So gibt es beispielsweise die Masche mit dem angeblich drohenden Einbruch. Hier werden die Opfer, vor allem Senioren, am Telefon dazu gebracht, Vermögenswerte an angebliche Polizisten zu übergeben oder irgendwo abzulegen.

Oder die Täter machen die Angerufenen glaubend, dass gegen sie ein Verfahren in einem anderen Land anhängig sei und eine Auslieferung in dieses Land drohen würde. Nur durch Zahlung einer Geldstrafe seien sie in der Lage, die Auslieferung in dieses Land zu verhindern.

Eine weitere Masche ist die, dass das Opfer gebeten wird zum Beispiel bei der Überführung eines betrügerischen Bankangestellten zu helfen. Hierzu soll das gesamte Ersparte abgebhoben und später von verschiedenen Scheinen die Seriennummern telefonisch durchgeben werden. Die erklären dann, dass es sich bei den Scheinen um Falschgeld handelt und der gesamte Geldbetrag zur Überprüfung eingezogen werden muss.

Vor allem auch immaterielle Schäden

Neben dem immensen finanziellen Einbußen haben die Opfer auch die immateriellen Schäden zu beklagen, weiß die Polizei. Oft schämen sie sich dafür, auf die Täter hereingefallen zu sein und haben daher, insbesondere bei weniger schadensträchtigen Taten, Hemmungen bei der Anzeigenerstattung. Weder Scham noch Hemmungen seien hier angebracht. „Es handelt sich um professionelle Betrüger und eine Anzeigenerstattung ist wichtig“, so die Polizei. Polizeipräsident Strößner: „Besonders erschreckend und zutiefst verwerflich ist, wie vor allem ältere Personen über Monate in Angst und Schrecken versetzt werden. Für sie bricht oft eine Welt zusammen.“

Das Phänomen der „Falschen Polizeibeamten“ erschüttert zudem das Vertrauen der Geschädigten in die Behörden nachhaltig. Neben den finanziellen Schäden und der Scham der Opfer ist auch der Vertrauensverlust der Bevölkerung in die echte Polizei ein nicht zu unterschätzendes Problem dieses Deliktsfeldes, so der Polizeipräsident.

Die Polizei rät zu folgenden Verhaltensweisen:

• Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Zeitdruck setzen - Hinterfragen Sie alles kritisch!

• Geben Sie am Telefon nie Auskunft über Vermögensverhältnisse!

• Behörden fordern nie auf solche Art und Weise Geld oder Vermögenswerte von Ihnen!

• Lassen Sie sich eine Rückrufnummer geben

• Trennen Sie die Verbindung durch Auflegen und wenden sie sich an die Notrufnummer 110, wenn möglich von einem anderen Telefon. Lassen Sie sich nicht verbinden!

• Setzen sie Familienangehörige über diese Vorgehensweisen in Kenntnis

• Informieren Sie über derartige Anrufe Ihre Angehörigen und:

• In Bayern erhalten Sie keine Anrufe von der Notrufnummer 110!

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