Eisstadion: Fans monieren Stehplatz-Situation – KU sagt: "Alles entspricht der Norm"

Getrübte Sicht aufs Spielfeld

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Die Stufen der Stehplätze sind so angelegt, dass man hinterein­ander stehen muss.

Kaufbeuren – Noch ist Sommerpause. Aber am kommenden Freitag beginnt mit dem ersten öffentlichen Eistraining offiziell die Vorbereitungsphase des ESV Kaufbeuren. Doch die Vorfreude auf die im September beginnende Saison wird wieder einmal durch eine große Diskussionswelle um die getrübte Sicht auf die Eisfläche angekurbelt.

In verschiedenen Internetforen machen Fans und Zuschauer ihrem Ärger wieder Luft. Auch der Kreisbote wurde von einigen Fans direkt angeschrieben.

Schon vor zwei Jahren, während der Bauphase, sorgte dieses Thema bereits für hitzige Diskussionen. Teilbereiche der Eisfläche seien gar nicht beziehungsweise nur eingeschränkt sichtbar, machten viele Fans darauf aufmerksam. Schnell war von „Baupfusch“ die Rede. Der Kreisbote hakte damals nach, konfrontierte hier Markus Pferner, Vorstandsvorsitzender des Kommunalunternehmens Eisstadion (KU) damit. Pferner wiederum machte damals deutlich, dass eine hundertprozentige Sicht im Stadion baulich nicht möglich sei. Er verwies auf die sogenannte DIN-Norm, die hier erfüllt sei.

Doch die ESVK-Fans wollen sich nicht so einfach abspeisen lassen. Dieses Dauerthema kocht schon wieder hoch. Simon Wißmiller aus Apfeltrach (Unterallgäu) ist einer von vielen, die unsere Zeitung angeschrieben haben. „Viele Fans, mich eingeschlossen, schauen sich live kein Spiel mehr an, weil es trotz der erfolgreichen Mannschaft keinen Spaß macht, sich für 16 Euro den Hinterkopf des Vordermannes anzuschauen“, kritisiert er und verweist dabei auf die „unsinnigen Doppelstufen“.

„Laut DEL-Norm müsste von jedem als Sichtlinienpunkte die Bandenoberkante und die hintere Torkante sichtbar sein. Das tut es aber überhaupt nicht. Das entspricht sicherlich keinerlei Norm. Das ist Murks!“, schimpft Wißmiller, der schon von einem eigentlichen Skandal spricht. Viele Fans monieren, dass wenn das Stadion voll ist, könne man von der Stehplatzseite hinter dem Tor nur die obere Torhälfte komplett frei und ohne Störung einsehen. Für viele sei das nicht zumutbar, machen sie ihrem Ärger Luft.

Während Wißmiller bereits die Lust vergangen ist, die Heimspiele weiterhin unter diesen Umständen anzuschauen, greifen andere tiefer in die Tasche, um ihrem ESVK von der Sitzplatztribüne aus zujubeln zu können. Einer von ihnen ist Edgar Langenbach aus Kauf­beuren. Der 55-Jährige war jahrzehntelang ein treuer und begeisterter Stehplatz-Fan. Doch auch ihm sind die schlechten Sichtverhältnisse ein Dorn im Auge, geschweige denn fühle er sich auf diesen Zwei-Mann-Stufen sehr unwohl, wie er im Gespräch mit dem Kreisboten erzählte. „Durch das Sitzen sind wir nun zu passiven Fans geworden. Ich bin total angefressen, was die Stadt hier angestellt hat. Ducken sich die Verantwortlichen weg?“, hofft auch er wie viele User, die im Forum des ESVK ihrem Ärger Luft machen, auf eine Verbesserung der Sichtqualität im Stadion.

Stadt kennt Problematik

„Natürlich nehmen wir die Kritik der Fans ernst und setzen uns damit auseinander“, betont auf Anfrage Markus Pferner. Zuletzt sei dies in den Wirtschaftsplanberatungen des Kommunalunternehmens für das Jahr 2019 geschehen. Die Sichtverhältnisse wurden bei laufendem Betrieb getestet. „Ob bei einem Einbau von Zwischenstufen ein angemessenes Kosten-/Nutzenverhältnis erreicht wird, ist nach unserer Meinung nicht eindeutig“, zieht der KU-Chef sein Resümee.

Antrag der Freien Wähler

Diesem Thema hat sich nun die Freie Wähler Stadtratsfraktion angenommen. In einem Antrag, der dem Kreisbote vorliegt, soll die Stadt Kaufbeuren prüfen, ob in der Arena Zwischenstufen eingebaut werden können. Dabei sei laut Stadtrat Volker Kollmeder erst einmal von einem ausgewählten Bereich, von zwei oder drei Stufen die Rede. „Zum Wohle der Fans muss jetzt eine Lösung her“, fordern Fraktionssprecher Bernhard Pohl und Kollmeder unisono. „Wir brauchen hier dringend eine Entlastung“, hoffen die Freie Wähler noch vor dem Saisonstart 2019/2020 auf eine schnelle Baumaßnahme. „Diese Zwischenstufen müssten dann im Wettbewerb, also bei den Heimspielen des ESVK, getestet werden“, so Kollmeder.

Bau entspricht den Normen

Viele Fans vermuten Pfusch am Bau. Doch davon könne laut Helge Carl, technischer Vorstand des KU, keine Rede sein. „Die Tribüne entspricht in Aufbau und Neigung den geltenden Normen für den Sportstättenbau.“ Bereits in der Planungs- und Bauphase habe man diesem Punkt große Aufmerksamkeit gewidmet und den normgerechten Aufbau der Tribüne nachweisen lassen. „Insofern kann von Fehlplanungen keine Rede sein“, so Carl.

Er räumt aber ein, dass eine steilere Tribüne naturgemäß eine bessere Sicht auf das Geschehen biete, allerdings auch das Gesamtvolumen des umbauten Raums deutlich erhöht hätte. „Mit einer solchen Erhöhung des Bauvolumens wäre eine signifikante Kostensteigerung verbunden, die im vorgesehenen Budget nicht darstellbar gewesen wäre“, resümiert Carl.

Daher habe man sich auf eine Lösung verständigt, „die normgerecht und wirtschaftlich ist“. Beim Referenzobjekt im Eisstadion Weißwasser, das wenige Jahre zuvor errichtet wurde, würde das bis heute ohne größere Beanstandungen funktionieren. Und in der Tat, bei einer Nachfrage unserer Zeitung in Weißwasser, wurde uns dies so bestätigt.

Kein Geld da

Die nun von den Fans und den Freien Wählern geforderten Zwischenstufen seien laut Pferner keine neue Idee, sondern bereits in den Vorentwurfsplanungen des Neubaus im Juli 2015 Thema gewesen. Hierfür wurden damals Kosten von 222.000 Euro (brutto) ermittelt. Dies habe der vorgegebene Budgetrahmen aber nicht hergegeben. Und daran hat sich auch nichts geändert. Denn im Wirtschaftsplan des Kommunalunternehmens Eisstadion Kaufbeuren sind laut Pferner für diese Maßnahme keine Mittel vorgesehen. „Eine bauliche Umsetzung ist aber grundsätzlich möglich“, so der KU-Vorstand. Das Verfahren würde mit Planung, Genehmigung, Ausschreibung und Ausführung einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten umfassen. Doch die Maßnahme würde aufgrund von Baupreissteigerungen deutlich teurer werden, als ursprünglich ermitteltet.

Bei der Verabschiedung der Wirtschaftspläne 2018 und 2019 hat der Verwaltungsrat laut Pferner jeweils über eine Mittelbereitstellung für den Einbau der Zwischenstufen diskutiert. „Diese Baumaßnahme könnte jedoch nur über eine Neuverschuldung finanziert werden und so steht einer Mittelbereitstellung neben dem wie bisher vorgegebenen Budgetrahmen für den Neubau des Eisstadions auch die allgemeine wirtschaftliche Situation des Kommunalunternehmens entgegen“, so der KU-Vorstand.

Gleichwohl verfolgt Pferner die Diskussion im ESVK-Forum, zudem werde er regelmäßig darauf angesprochen. In diesen Fällen bittet der KU-Chef „um ein rücksichtsvolles Miteinander. Bei einem sehr gut besuchten oder ausverkauften DEL 2 Spiel wäre es zum Beispiel toll, wenn kleinere Personen oder Kinder in der ersten Reihe stehen dürften“.

Von Stefan Günter und Kai Lorenz

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