Fehlende Zahlen müssen auf den Tisch

Rund sechs Millionen Euro Defizit produzieren jährlich die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren. Ein Zustand, den der Kliniken-Verwaltungsrat, an dessen Spitze Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse steht, so nicht mehr hinnehmen will und kann. In seiner Sitzung am Freitagabend forderte das Gremium hinter verschlossenen Türen Klinikmanagerin Dr. Susanne Schlichtner auf, den bereits im März fälligen Jahresabschluss nun endgültig bis zum 22. September vorzulegen, um darauf aufbauend ein zusätzliches Gutachten zum Ostallgäuer Klinikkonzept, in Auftrag zu geben. Mit dessen Hilfe soll der Klinikverbund „ganzheitlich saniert“ werden.

Vor allem der Umstand, dass dem Verwaltungsrat der Jahresabschluss erneut nicht vorgelegt werden konnte, stieß vielen Ratsmitgliedern sauer auf. Daher erteilten sie der Klinikchefin eine klaren Auftrag, die Bilanz bis September auf den Tisch zu legen, um belastbare Zahlen zur wirtschaftlichen Situation des Krankenhausverbundes zu haben. Laut Bosse hätten die Zahlen bereits im Juni dem Gremium vorgelegt werden müssen. Da aber noch Zahlen fehlten, hatte man eigens noch vor der Sommerpause die Sitzung am Freitag anberaumt, mit dem Ergebnis, dass die Ratsmitglieder erneut enttäuscht wurden. Bis Mitte August muss das Zahlenwerk nun stehen, dann geht es zum Wirtschaftsprüfer, damit in der Sitzung am 22. September der Verwaltungsrat einen geprüften Bericht vorliegen hat. Ungeachtet dessen rechnet Bosse mit einem Defizit in einer Größenordnung von rund 7,5 Millionen Euro. Im Wirtschaftsplan waren allerdings nur rund 5,44 Millionen Euro vorgesehen. Der aktuelle Schuldenstand beträgt 2009 rund neun Millionen Euro. Allein die Stadt Kaufbeuren muss als Teilhaber der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren für die Hälfte aufkommen. „Das alles bezahlen die Steuerzahler“, so Verwaltungsratsvorsitzende Bosse. Um so wichtiger sei es jetzt ein „ganzheitliches Sanierungskonzept“ auf die Beine zu stellen. Daher soll zum bereits bestehenden Gutachten zum Ostallgäuer Klinikkonzept, das von Professor Ulrich Vetter erstellt wurde, eine neue Expertise in Auftrag gegeben werden, die das „Vetterl-Gutachten“ in gewisser Weise ergänzt und damit weitere Ansätze für die Sanierung des Kliniken-Verbundes aufzeigt. Soll heißen, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, um das Defizit zu minimieren. Laut Bosse greife das „Vetterl-Gutachten“ zu kurz und zeige nicht, wie das Schuldendebakel in den Griff zu bekommen sei. Es gehe vielmehr von Fallzahlen aus, statt von strukturellen Veränderungen. Demnach würde die Zahl der Patienten um rund 20 Prozent gesteigert werden können, so Bosse. So richtig glauben wollen er und seine Ratskollegen daran aber nicht. „Das verbietet der gesunde Menschenverstand.“ Rückendeckung bekommt Bosse diesbezüglich vor allem von den Krankenkassen, die diesen Zuwachs ebenfalls als nicht realistisch erachten und bereits jetzt schon auf überdurchschnittlich hohe Kosten hinweisen. Das neue Gutachten soll laut Bosse europaweit ausgeschrieben werden und Anfang 2011 vorliegen. Die Kosten hierfür beziffert er auf einen sechsstelligen Betrag. Aber egal wo die Stellschrauben angezogen werden, eine Schließung einer der fünf Kliniken muss nicht befürchtet werden. „Die haben eine Standortgarantie“, so Bosse. Dass etwas in den Kliniken passieren muss, steht außer Frage. Was es letztlich sein wird, ist noch offen. Der Verwaltungsratsvorsitzende machte deutlich, dass es keine Tabus geben dürfe. Klar ist, dass mit der von Professor Vetterl vorgeschlagenen Spezialisierung und umstrittenen Steigerungen der Fallzahlen das eigentliche Problem einer Schuldenminderung sicher nicht gelöst werden kann.

Auch interessant

Meistgelesen

Festzug mit Hindernissen
Festzug mit Hindernissen
Stadt in festlichem Gewand
Stadt in festlichem Gewand
Silikon entzündet sich
Silikon entzündet sich
Behinderungen auf der B12
Behinderungen auf der B12

Kommentare