Fendt auf Wachstumskurs

Fendt-Chef Paffen zur Strategie 2020: „Wir laufen dem Plan leicht voraus.“

+
Im Redaktionsgespräch mit dem Kreisbote: der Vorsitzende der AGCO/Fendt Geschäftsführung Peter-Josef Paffen (2. v. re.), Fendt Pressesprecher Josef Nuscheler (re.), Kreisbote-Redakteurin Angelika Hirschberg und Redaktionsleiter des Kreisbote Kaufbeuren, Kai Lorenz.

Marktoberdorf – Von außen unscheinbar, empfängt den Besucher dann doch der rote Teppich auf dem Weg zum Büro von Traktorchef Peter-Josef Paffen im Fendt-Firmensitz in Marktoberdorf. Der Vorsitzende der AGCO/Fendt-Geschäftsführung und Sprecher des größten Ostallgäuer Unternehmens nimmt sich Zeit und erzählt im Interview mit dem Kreisbote von wohlverdienter Entspannung bei der Jagd, vom Stress des Erfolgs und seiner Sorge um die Folgen des Brexit.

16.806 – So viele Traktoren hat Fendt im Jahr 2018 abgesetzt. Mit einem Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr fahre Fendt damit genau nach Plan, wie Peter-Josef Paffen, im dem Kreisbote sagte. Das Ziel hat Paffen bereits vor zwei Jahren vorgegeben und der Belegschaft als Leitmotto auf Bierdeckel drucken lassen. Es heißt, im Jahr 2020 nicht weniger als 20.000 Traktoren zu bauen.

Herr Paffen, hat sich die Geschäftsführung mit ihrer Zielsetzung für 2020 etwas weit aus dem Fenster gelehnt? 2017 erreichten Sie einen Absatz von rund 15.200 Schleppern. Der Sprung von da auf 20.000 Traktoren in nur wenigen Jahren ist doch gewaltig.

Peter-Josef Paffen: Weit aus dem Fenster gelehnt? Ich denke nicht, auch wenn uns das anfangs keiner geglaubt hat. Wir haben bei der Strategieplanung für 2020 auch nicht etwa Glaskugeln und Kaffeesätze befragt, sondern über 20 Businesspläne aufgesetzt, etliche Marktanalysen betrieben, das Vertriebsnetz neu aufgestellt und die richtigen Voraussetzungen dafür geschaffen, sprich Produktionskapazitäten aufgebaut, dass bis zum Stichtag, dem 31. Dezember 2020 auch tatsächlich 20.000 Traktoren vom Band rollen können. Und das halten wir ein. Sie werden sehen.

Sie sind also im Plan, das selbst gesteckte und lautstark verkündete Ziel zu erfüllen? Es ist die Latte, an der Sie schließlich gemessen werden.

Peter-Josef Paffen: Die Zahlen sprechen für sich. Wir werden allein in diesem Jahr 18.000 Traktoren plus x bauen. Die Auftragsbücher sind voll und jeder weiß, bei Fendt wird kein Schlepper gebaut, der nicht auch verkauft ist. Wir laufen also dem Plan bereits voraus. Sehen Sie das Beispiel Nordamerika. Vor zwei Jahren haben wir dort rund 400 Traktoren verkauft, 2018 waren es schon über 600 und 2019 werden es mindestens 1.200 sein. Oder Europa mit den Kernmärkten Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Wir haben unseren Marktanteil in Europa auf knapp neun Prozent gesteigert und wir wollen logischerweise zweistellig werden. Mit unseren neuen Produkten, allen voran dem Fendt-Flagschiff 1000 Vario, sind wir auf dem Weltmarkt angekommen. Es gibt mit Fendt keine Kompromisse mehr und der Markt honoriert dies.

Fendt hat sich auch mit seiner Full-Line-Strategie ganz auf Wachstum eingestellt. Können Sie sich denn jetzt zurücklehnen und die Dinge ihren Lauf gehen lassen?

Peter-Josef Paffen: Wo denken Sie hin? Wachstum bedeutet immer auch Stress. Daher muss auch an der Struktur unseres Unternehmens ständig gefeilt werden. Wenn wir mehr Schlepper produzieren wollen, brauchen wir mehr Mitarbeiter und Fachkräfte, die das stemmen können. Wir müssen uns einstellen auf Engpässe bei den Zulieferern, die ihrerseits aufgrund gestiegener Nachfrage in Stress geraten. Der Materialfluss muss im Gang bleiben, und am Ende muss immer die Qualität stimmen. Da ist Flexibilität und Einsatz gefragt, so dass ich einen großen Respekt vor der Leistung eines jeden einzelnen unserer 5400 Mitarbeiter in Deutschland habe. Erfolg zu haben ist auch Stress, aber positiver Stress.

Das klingt nach optimistischer Aufbruchstimmung. Welche Auswirkungen haben demgegenüber die weltpolitischen Unwägbarkeiten? Denken wir an die America first-Politik des amerikanischen Präsidenten oder an den anstehenden, wie auch immer gearteten Brexit.

Peter-Josef Paffen: Der Vorteil eines weltweit agierenden Konzerns wie AGCO ist es doch, auf beiden Seiten des Zauns zu stehen. Wir sind Europäer und Amerikaner und finden relativ schnell Lösungen, um unsere Produkte trotz Zollschranken und Barrieren hier und da zu verkaufen. Das gilt beispielsweise für die amerikanische Handelspolitik. Was mir aber tatsächlich Sorge bereitet, ist ein unkontrollierter Brexit. Dies betrifft vorrangig nicht einmal den Absatz unserer rund 1.000 Traktoren auf dem englischen Markt. Sondern die Zulieferer aus Großbritannien, die zwar nicht viele, aber einige Teile für unsere Traktoren liefern. Wir können nicht ausschließen, dass der Materialfluss und damit auch die Produktion trotz voller Auftragsbücher ab und zu kurzfristig ins Stocken geraten könnte. Denn verfolgt man die Kette mancher mehrteiliger Komponenten, wird ersichtlich, dass sie nicht nur einmal die EU-Grenze zu Großbritannien überqueren müssten, bevor sie ihren endgültigen Platz in einem unserer Schlepper finden. Ich hoffe, dass die Politik da noch eine Regelung findet, auf die wir uns einstellen können.

Sich auf politische Rahmenbedingungen einzustellen, ist das eine. Die Zukunft der Landtechnik mitzugestalten, das andere. Für Forschung und Entwicklung hat Fendt im letzten Jahr über 70 Millionen Euro ausgegeben. Erscheint es dann als Affront vor der eigenen Haustür, wenn die Allgäuer Überland Werke (AÜW) den elektrisch angetriebenen Hybrid-Traktor eines Mitbewerbers im Oberallgäu auf Testfahrt schicken?

Peter-Josef Paffen: Tatsächlich wird bei uns Forschung und Entwicklung groß geschrieben. Was allerdings die Entwicklung eines elektrischen Traktors anbelangt, hätten wir aktuell dem AÜW nichts Vergleichbares anbieten können. Wir haben einen kleinen, kompakten batterieelektrischen-Traktor in der Entwicklung, der in diesem Jahr erste Erfahrungen in der Praxis sammelt. Er soll Aufgaben als Kommunalschlepper, als Hofschlepper, im Gemüse- oder Wein­anbau erfüllen können. In anderen Leistungsklassen kommt ein E-Traktor aufgrund des derzeit relativ geringen Speichervolumens jedoch rasch an seine Grenzen. Ich persönlich halte die Technologie der Brennstoffzelle in der Landtechnik für durchaus zukunftsfähiger. Auch wenn das noch fünf bis zehn Jahre dauern wird – auch da sind wir dran!

Technische Neuheiten und neue Geräte präsentiert Fendt gerne auf der Agritechnica in Hannover Ende 2019. Neue Partnerschaften jedoch auch schon Anfang des Jahres. Was hat Fendt bewogen, Premium Partner des Deutschen Jagdverbands zu werden? Hat da auch die eigene Passion fürs Jagen eine Rolle gespielt, Herr Paffen?

Peter-Josef Paffen: Es stimmt, ich bin selbst passionierter Jäger mit einem eigenen, 1000 Hektar großen Revier in Stötten am Auerberg. Der Grund für die Unterstützung des Deutschen Jagdverbands ist aber die Tatsache, dass Landwirte und Jäger seit jeher zusammenarbeiten, wenn es um den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft geht. In unserem Unternehmen sind viele Jäger. Vertriebs­partner und Kunden trifft man auf der Jagd. Ich kann Ihnen versichern, dass ein gemeinsames Jagderlebnis eine tiefe Verbundenheit schafft. Und auf dem Weg zum Hochsitz ist auch schon der eine oder andere Schlepper verkauft worden.

Das junge Jahr 2019 hat schon ordentlich Fahrt aufgenommen. Was plant das Unternehmen fürs laufende Jahr noch?

Peter-Josef Paffen: Zunächst einmal ist vieles schon im Gange und bestätigt unsere gute Arbeit in der Vergangenheit. Zum Beispiel wurde Fendt 2018 wieder Marktführer bei den Traktorenneuzulassungen ab 51 PS. Das Highlight in diesem Jahr wird die Weltleitmesse Agritechnica im November in Hannover sein. Die Vorbereitungen auf einen frischen und modernen Auftritt von Fendt in Hannover laufen bereits auf Hochtouren. Die Besucher auf dem Fendt Stand dürfen sich auf attraktive Fendt Neuheiten freuen. Wir sind also in einer sehr guten Startposition, gehen das Rennen allerdings mit Demut an.

Das Interview führten Angelika Hirschberg und Kai Lorenz

Auch interessant

Meistgelesen

Über 1800 Kinder nehmen am bunten Festumzug teil
Über 1800 Kinder nehmen am bunten Festumzug teil
Tänzelfest im Eisstadion eröffnet
Tänzelfest im Eisstadion eröffnet
Polizei Buchloe nimmt grapschenden Tourist fest
Polizei Buchloe nimmt grapschenden Tourist fest
Transporter verliert Glasplatten auf A96 bei Buchloe
Transporter verliert Glasplatten auf A96 bei Buchloe

Kommentare