Fendt präsentiert so viele Neuheiten wie noch nie - 2017 zieht auch Umsatz wieder an

Mehr Arbeitsplätze in Marktoberdorf

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Auch einen Raupenschlepper wird es künftig geben: Fendt präsentierte im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz so viele neue Modelle und Maschinen wie noch nie.

Marktoberdorf – Mit guten Zahlen und vielen neuen Maschinen im Fendt-Portfolio konnte ein aufgeräumter AGCO-Chef Martin Richenhagen am Freitag zur alljährlichen internationalen Pressekonferenz aufwarten.

Vom Mäh­rescher bis zur Rundballenpresse, vom mächtigen Raupenschlepper bis zum ersten rein elektrisch betriebenen Traktor: Landmaschinenhersteller Fendt präsentierte anlässlich seiner Jahrespressekonferenz so viele neue Maschinen und Modelle wie noch nie. Mit ein Grund, warum über 250 Journalisten aus aller Welt der Einladung ins Fendt Forum gefolgt waren und den Worten der Geschäftsleitung per Online-Konferenz, simultan übersetzt und mit gespitzten Bleistiften folgten. Neben den Neuheiten aus „Stahl und Eisen“ konnten AGCO-Präsident Martin Richenhagen und Fendt-Geschäftsführer Peter-Josef Paffen endlich wieder einmal gute Zahlen für den zuletzt rückläufigen Traktorenmarkt vorlegen.

Vollgas dank Full-Line

Mit 16 neuen Maschinenplattformen und zahlreichen technischen Neuerungen manifestierte Fendt sein jüngst verkündetes Ziel, als Full-Line-Anbieter jedem Landwirt das Komplettprogramm zu bieten. Egal ob Futtererntetechnik, Bodenbearbeitung oder Pflanzenschutz, von Schleppern jeder Größenordnung ganz zu schweigen – Kein Fendt-Kunde brauche mehr fremdgehen, drückte es Peter-Josef Paffen, Vorsitzender der AGCO/Fendt-Geschäftsleitung lapidar aus. Full-Line ist das Zauberwort, mit dem Fendt Landwirte und Unternehmer begeistern, den Vertrieb an sich binden und auf dem weltweiten Markt wachsen will.

Dass sich ein derartiges Maschinen-Portfolio nicht innerhalb von wenigen Jahren allein durch Eigenentwicklungen aus dem Boden stampfen lässt, liegt auf der Hand. AGCO-Präsident Martin Richenhagen machte deutlich, dass er daher mit Vorliebe bei den jeweiligen Marktführern auf Einkaufstour gehe. Der niederländische Landtechnikhersteller Lely ist dafür ein gutes Beispiel. Anfang des Jahres hatte Fendt-Mutterkonzern AGCO die Grünfuttersparte von Lely übernommen, zu der Ladewagen und Ballenpressen gehören. Diese leuchteten nun bereits in Fendt-Grün vom Rundkurs aus den Journalisten entgegen.

Der Prototyp des E-Schleppers, der Fendt e100 Vario allerdings – auch zum ersten Mal auf dem Fendt-Gelände ausgestellt – ist eine ureigene Fendt-Entwicklung. Er soll, so will es Konzernchef Richenhagen, in drei Jahren auf den Markt kommen und sich beispielsweise im Kommunaleinsatz bewähren. Denn auch die Elektrifizierung der Landwirtschaft hat sich Fendt auf die Fahnen geschrieben.

Wer mit so vielen neuen Produkten den Markt erobern will, der kommt wohl nicht umhin, auch sein Vertriebsnetz völlig umzukrempeln. Das gab Rob Smith, AGCO-Generalmanager für Europa und den Mittleren Osten, den Zuhörern gut gelaunt zu verstehen. Fendt exklusiv heißt es aktuell für rund 800 Händler, die spätestens ab 2020 das komplette Fendt-Full-Line Angebot vertreiben und an ihrem jeweiligen Standort einen klaren, differenzierten Markenauftritt zelebrieren sollen. Mithilfe dieses neu aufgestellten Fendt-Vertriebskanals soll der Umsatz in der EU bis zum Jahr 2020 von aktuell rund 8,4 Prozent auf zehn Prozent gesteigert werden.

Fendt-Strategie 2020

Ein durchaus realistisches Ziel, wie Fendt-Chef Peter-Josef Paffen meint. Seine Losung für das Jahr 2020, nämlich 20.000 Traktoren zu bauen, hat er schon einmal auf einen Bierdeckel drucken lassen. Momentan scheint das Unternehmen auf einem guten Weg. Für das Jahr 2017 peilt Fendt den Verkauf von 15001 Traktoren an. Im Vergleich zu den Vorjahren (rund 13670 Traktoren jeweils) wäre das ein Plus von zwölf Prozent und ein deutliches Signal. „Das für 2017 gesteckte Ziel werden wir definitiv erreichen“, ist sich Paffen sicher. Vor allem mit der Entwicklung der Baureihe Fendt 1000 Vario zeigte sich Paffen sehr zufrieden. Er erwarte, bis zum Jahresende den tausendsten Fendt 1000er auszuliefern. „Damit erreichen wir die erste große Stückzahlmarke deutlich schneller als geplant“, so der Fendt-Chef. Erst im September 2016 war mit der Serienproduktion des Traktor-Riesen begonnen worden. Bestärkt wird Paffen auch durch die Bilanz im Inland: Von Januar bis Juli 2017 wurden in Deutschland 3.912 neue Fendt-Traktoren zugelassen. Das ist mit Abstand Platz 1 unter den Herstellermarken und 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Verhaltener Optimismus

Wie Peter-Josef Paffen hatte sich auch Konzernchef Martin Richenhagen vorab verhalten optimistisch gegeben. Er sprach von einem „ganz vernünftigen Geschäftsjahr“ mit ersten Erholungserscheinungen. Obwohl der europäische Markt insgesamt noch leicht rückläufig wäre, verbuche das AGCO-Europageschäft bereits ein Plus von sechs Prozent.

Mehr Mitarbeiter in MOD

All die guten Zahlen haben Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl. Aktuell sind 4375 Menschen bei AGCO in Deutschland beschäftigt, das sind 144 Mitarbeiter mehr als Ende 2016. Laut den Worten des Fendt-Chefs Paffen habe vor allem die Steigerung der Traktorenproduktion mehr Mitarbeiter in Marktoberdorf erfordert. 3009 Menschen arbeiten aktuell in der Ostallgäuer Kreisstadt für AGCO, die übrigen an den Fendt-Standorten in Feucht, Bäumenheim und Hohenmölsen. Paffen erklärte, dass AGCO Ende 2017 mit dem Kauf der Lely-Futtererntetechnik zwei zusätzliche Produktionsstandorte in Deutschland, in Waldstetten und Wolfenbüttel, mit rund 300 Beschäftigten übernehmen werde. Und auch für Marktoberdorf gibt es weitere Pläne. AGCO werde weltweit seine Digitalisierungsprojekte ausbauen, so der Fendt-Chef. Und er erklärte stolz: „Das Herzstück dieser Initiative konnten wir nach Marktoberdorf holen.“ Ein Kernteam Digitalisierung mit zunächst rund 100 neuen Arbeitsplätzen werde aktuell in Marktoberdorf aufgebaut. Man sah es Peter-Josef Paffen an, dass ihn neben der Verkündung aller Neuheiten gerade diese Meldung besonders freute.

Von Angelika Hirschberg

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