Erstes Kaufbeurer Turmfest ein Riesenerfolg

Nageln, was das Zeug hält

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Blick über Kaufbeuren aus dem Ostfenster des künftigen Trauzimmers. Rechts im Bild die Feuerglocke. Nur wenig widerstanden der Versuchung, sie einmal anzuschlagen...
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Geduldige Schlangen für das Nageln und die Turmbesteigung und...
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...fröhliches, buntes Gewusel zu Füßen des Fünfknopfturms, links die Stadtkapelle
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Klaus Müller, Vorsitzender des Fünfknopfturm-Vereins: „Leute, nagelt auf Teufel komm raus!“...
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...und Fünfknopfturm-Fans jeglichen Alters nagelten mit höchster Konzentration.
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Feierliche Schlüsselübergabe von der Stadt an den Fünfknopfturm-Verein.
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Kunstprojekt der Sophie-LaRoche-Realschule zum Thema Fünfknopfturm.
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Kaufbeuren – „Leute, nagelt auf Teufel komm ‘raus!“, hatte Klaus Müller, der Vorsitzende des Fünfknopfturmvereins, die Besucher des ersten Kaufbeurer Turmfests am vergangenen Samstag in seiner Begrüßung aufgefordert. Und das taten nicht nur die Kaufbeurer, sondern auch Gäste von außerhalb: Rund 600 weitere Nägel wurden verkauft und von Fünfknopfturm-Fans jeglichen Alters in den von Dieter Schaurich gestalteten neuen Wappenschild mit dem ‚gemeinschaftsstiftenden Motiv des Kaufbeurer Stadtwappens‘ gehämmert.

Durch den Eintrag ins „Nagelbuch“ sind sie alle namentlich in die Geschichte der Stadt eingegangen. Bei den Einträgen befinden sich auch etliche größere Spenden und nachahmenswerte Ideen: Eine Besucherin erzählte, sie habe ihrem Mann, der sich nichts zum Geburtstag wünschen wollte, einen ganzen Beutel voller Wappennägel geschenkt. „Da hatte er was zu tun!“ Insgesamt ist jetzt etwa die Hälfte der 5.396 Nagelplätze belegt. 

Auch das Angebot der Turmbesteigung wurde begeistert angenommen. Im Viertelstundentakt wurden am Samstag 420 und am Sonntag noch einmal 225 Gäste in Gruppen zu je 15 Personen durch den Turm geführt. 

Dort waren im 2. Stock die phantasievollen Werke eines Kunstprojekts der Sophie-LaRoche-Realschule zum Thema Fünfknopfturm zu bewundern. Im 4. Obergeschoß hängen in zwei ehemaligen Schlafzimmern die Infotafeln über „das Leben im Turm“ von 4 Generationen der Familien Häutle, Köbler und Kunstmann, die zwischen 1930 und 2014 im Turm gewohnt hatten, sowie höchst interessante Dokumente über den Türmerdienst aus der Familie von Friedrich Hermann Höntze (1867-1946). Er versah seinen Dienst als Türmer von Januar 1900 bis März 1920. Das ehemalige Türmerzimmer im 5. OG ist mit neuem Holzfußboden und neuer Balkendecke bereit für den geplanten Einsatz als Trauzimmer. Mit seinem Blick über die Dächer der Kaufbeurer Altstadt aus dem Ostfenster und dem sensationellen, unverbaubaren Alpenblick aus dem Südfenster wird es künftigen Hochzeitsgesellschaften einen stimmungsvollen Rahmen bieten. Die ehemalige Feuerglocke mutiert dann möglicherweise zur Hochzeitsglocke, denn schon jetzt konnten nur wenige Gäste der Versuchung widerstehen, sie mindestens einmal anzuschlagen. 

Begonnen hatte das Fest pünktlich um 10 Uhr mit der ökumenischen Turmweihe durch Pfarrer Bernhard Waltner von der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin und Pfarrerin Britta Gamrath von der evangelischen Dreifaltigkeitskirche. Oberbürgermeister und Schirmherr Stefan Bosse überreichte im Namen der Stadt Kaufbeuren feierlich einen großen Schlüsselbund an Klaus Müller und übergab damit symbolisch die Zuständigkeit für den Turm an den Fünfknopfturm-Förderverein. MdB Stefan Stracke verlieh in seinem Grußwort der Hoffnung Ausdruck, dass die Zeiten von Mauern endgültig vorüber sind, „sowohl in der Realität als auch in den Köpfen“. Und im Grußwort von MdL Bernhard Pohl wurden die „in der Region unverwechselbaren“ fünf Knöpfe des Turms als Symbol sowohl „für Vielfalt und viele Stärken“ der Stadt als auch für die fünf Stadtteile gesehen. 

Neben der musikalischen Umrahmung durch die Musikkapellen aus diesen fünf Stadtteilen sorgten Walkacts der Kulturwerkstatt mit Kaufbeurer Sagengestalten, eine Autogrammstunde mit zwei ESVK-Spielern, die "Buronia Dreamboys" von Aufbruch-Umbruch und das SPOT Theater Kaufbeuren mit „Schandflecken“ (Kaufbeuren im 15. Jahrhundert) für Unterhaltung. Kunsthandwerkerstände, ein Büchertisch und Kinderschminken im Stadel sowie Kinder-Armbrustschiessen und Geschicklichkeitsspiele mit den Edlen von Buron rundeten das Angebot ab. Speisen und Getränke gab es im Café am Fünfknopfturm und im Wurstwagen. Kurz vor 18 Uhr ließen die Böllerschützen Baisweil mit der Druckwelle ihrer ‚Feuerblumen‘ „den Apfelbaum wackeln“. Selbst der Himmel trug mit schönstem Herbstwetter zum Fest bei und hielt sich mit dem für abends angekündigten Regen bis nach dem Turmblasen der Stadtteilkapellen und dem abschließenden Feuerwerk zurück. Kurz: Es war ein unvergessliches Fest.

von Ingrid Zasche

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