Fest in weiblicher Hand

„Nicht nur einzelne geniale Würfe, sondern das ganze Oeuvre“ eines Künstlers spielen, laut Oberbürgermeister Stefan Bosse, bei der Vergabe des Kunst- und Förderpreises für zeitgenössische Bildende Kunst der Stadt Kaufbeuren eine Rolle. Dieses Jahr blieben die beiden Preise fest in weiblicher Hand. Karin Bergdolt erhielt den Kunstpreis, der mit 2500 Euro dotiert ist. Die 27-jährige Clea Stracke hingegen wird mit dem Förderpreis (1000 Euro) ausgezeichnet, der junge Künstler bis 30 Jahre unterstützen soll.

Die künstlerische Sprache von Stracke und Bergdolt, die sich beide der Konzept- und Installationskunst widmen, seien sehr unterschiedlich, wie die Laudatorin Dr. Elisabeth Hartung vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München betonte. Zwar seien ihr die Arbeiten beider Künstlerinnen „sehr, sehr vertraut“, doch der Bezug beider zu Kaufbeuren sei ihr bis jetzt neu gewesen. „Es scheint in Kaufbeuren ein besonderes Pflaster zu sein“, sagte Dr. Hartung schmunzelnd. „Das Sehen, das Entdecken, das Transformieren und das Akzentuieren zeichnen Karin Bergdolt in besonderer Weise als Künstlerin aus“, heißt es in der Begründung der fünfköpfigen Jury, die ihre Entscheidung im Sommer dieses Jahres traf (wir berichteten). Eng mit dem Alltag seien die Arbeiten Bergdolts verquickt und würden sich stets auch aus diesem Speisen. „Deine Arbeiten haben mich persönlich sehr weit gebracht“, gestand die Laudatorin. Bergdolt frage sich in ihren Arbeiten welchen Beitrag die Kunst leisten könne, um ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken, ohne jedoch dabei „pathetisch zu wirken“, erläutert Dr. Hartung. Beteiligt war die 41-jährige Künstlerin erst an den kürzlich zu Ende gegangenen Bücherplätzen in Kaufbeuren, die Hans Magnus Enzensberger zu seinem 80. Geburtstag gewidmet waren (wir berichteten). „Zu einem zweiten Blick auf die Welt“ laden Strackes Arbeiten ein. Sie schaffe es, dass das Vertraute fremd erscheine, „so dass es zu etwas Neuem kommt“, unterstrich Dr. Hartung die Besonderheit Strackes Kunst. Die 27-Jährige, die in Kaufbeuren zur Schule ging und erst kürzlich ihr Studium an der Münchner Akademie der Bildenden Künste abschloss, erschaffe immer wieder utopische Räume, wodurch sie das Sehen schärfe. „Ihre Werke zeichnen sich einerseits durch eine minimalistische Haltung sowie andererseits durch einen klaren Blick für die Situation und deren oft humorvolle Interpretation aus“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Während sich Bergdolt bei der Übergabe des Preises bei all ihren Begleitern bedankte, zeigte sich Stracke gerührt, dass sich „meine Heimatstadt meiner derart erinnert“. Die Jury Die fünfköpfige Jury, die im Sommer die Gewinner bestimmte: Professor Stefan Buffler, Hochschule Augsburg, Dr. Thomas Elsen, H2-Zentrum für Gegenwartskunst in Augsburg, Dr. Michael Meuer, Museums-Pädagogisches Zentrum in München, Thomas Riedmiller, Kulturamt der Stadt Füssen und Richard Mayr, Feulletonist.

Meistgelesen

Eiskalt durch den Dreck
Eiskalt durch den Dreck
Pkw überschlägt sich
Pkw überschlägt sich
Wohnhaus in Pforzen in Brand
Wohnhaus in Pforzen in Brand
Kinotipp: "Die versunkene Stadt Z"
Kinotipp: "Die versunkene Stadt Z"

Kommentare