Sonderausstellung zum Zugunglück

Feuerwehrmuseum eröffnet mit einem „Kunstwerk“

Nachbildung des Rettungseinsatzes beim Eisenbahnunglück in Aitrang im Jahr 1971 Feuerwehrmuseum
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Nachbildung des Rettungseinsatzes beim Eisenbahnunglück in Aitrang im Jahr 1971.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Zur Erinnerung an das Eisenbahnunglück in Aitrang 1971 präsentiert das Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu, in Zusammenarbeit mit den Eisenbahnfreunden Kaufbeuren und der Gemeinde Aitrang, eine Sonderausstellung zum Gedenken der Opfer und zur Anerkennung der Leistung der vielen Helfer als Rückblick auf ein Stück Eisenbahngeschichte.

Vor 50 Jahren, genau am 9. Februar 1971, jagte der Trans-Europa-Express Bavaria auf seinem Weg von München über Kempten und Lindau nach Zürich in den dunklen Abendstunden durch das Ostallgäu. Mit 128 Stundenkilometern, statt der zugelassenen 80, raste er durch den Bahnhof von Aitrang und entgleiste um 18.46 Uhr in einer Kurve bei Kilometer 34,371. Nur eine Minute später prallte ein Schienenbus auf den verunglückten TEE-Maschinenwagen. Insgesamt waren 28 Tote und 42 Leicht- und Schwerverletzte zu beklagen. Innerhalb kürzester Zeit waren Feuerwehr, Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk und Bundeswehr vor Ort. Rund 90 Minuten später waren alle Verletzten in umliegende Krankenhäuser transportiert worden. Noch vor Mitternacht trafen der erste Eisenbahn-Kran und Gerätewagen aus Augsburg an der Unglücksstelle ein. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages kamen weitere dampfbetriebene Kräne aus Augsburg und Würzburg hinzu und unterstützten die Bergungsmaßnahmen. Die Strecke konnte noch am Abend des 10. Februar wieder freigegeben werden.

Eine originale Sitzgarnitur aus dem Unglückszug wurde für die Ausstellung von einem Zeitzeugen zur Verfügung gestellt.

Von diesem Rettungs- und Bergungseinsatz, der sich in diesem Jahr zum 50. Male jährte, erzählt die Sonderausstellung im Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu. Der Projektbeginn liegt zwei Jahre zurück und führte die Mitglieder des Feuerwehrmuseum, die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren und die Gemeinde Aitrang zusammen, um die Ausstellung auf die Beine zu stellen. In mehr als 1000 ehrenamtlichen Stunden war das Konzept für die Ausstellung erstellt, Zeitzeugen interviewt und als Kernstück das Diorama gebaut worden. In akribischer Detailarbeit trugen die Beteiligten Informationen und authentische Stücke zusammen. So wird unter anderem eine originale Sitzgarnitur aus dem Unglückszug gezeigt. Für das Diorama waren teilweise langwierige Gespräche mit mehreren Modelleisenbahnherstellern notwendig, um die authentischen Modelle überhaupt zu bekommen.

Bei einer Presseschau erzählte Stadtbrandrat Helmut Winkler am vergangenen Montag, dass er sich noch gut erinnern könne, wie er als 13-Jähriger den TEE oft gesehen habe, als dieser durch den Kaufbeurer Bahnhof fuhr. Christoph Heider vom Feuerwehrmuseum machte die besonderen Umstände in der Zeit um 1971 deutlich: Dampfbetriebene Rettungskräne, kein Licht an der Unglücksstelle und ein kaum ausgebautes Rettungswesen. Dennoch seien alle Verletzten innerhalb von 90 Minuten ins Krankenhaus transportiert worden. „Wir haben die Geschichte des Unglücks für die Nachwelt aufgeschrieben“, stellte er mit Blick auf die Interviews mit elf Zeitzeugen fest.

Markus Peschel, Vorstand der Eisenbahnfreunde Kaufbeuren, erläuterte: „Anhand von Originalfotos wurde für das Diorama jede einzelne Gleisschwelle deformiert und platziert. Für uns ist es ein Kunstwerk“. Michael Hailand, Bürgermeister von Aitrang, kündigte für den Sommer einen Gedenkgottesdienst an.

Die Sonderausstellung wird für die Öffentlichkeit erstmals dieses Wochenende, am Samstag, 5. Juni von 10 bis 14 Uhr und am Sonntag, 6. Juni von 13 bis 17 Uhr geöffnet sein. Gleichzeitig ist auch das Feuerwehrmuseum zu besichtigen. Es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln. Die niedrige 7-Tage-Inzidenz von unter 50 macht es möglich, dass das Feuerwehrmuseum ohne Anmeldung, ohne Kontaktdatenerfassung und ohne Test oder Impfnachweis besucht werden kann.

Alle weiteren Öffnungszeiten und aktuelle Infos sind auf der Internetseite www.fwm-kf-oal.de zu finden. Dort ist auch eine Anmeldung möglich. Sonderöffnungen können vereinbart werden per E-Mail an fuehrung@fwm-kf-oal.de.

Wolfgang G. Krusche

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