Museumspädagogik im Kaufbeurer Feuerwehrmuseum

Keineswegs "bloß Ramsch"

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Christoph Heider und Helmut Winkler vor einem der von Mike Gerum gefertigten Modelle: „Feuerwehreinsatz um 1911“ mit einer „bespannten Handdruckspritze“ von 1756.

Kaufbeuren – Klein, aber fein, das ist das Kaufbeurer Feuerwehrmuseum. Auf rein ehrenamtlicher Basis haben es die Mitglieder des Museumsvereins geschafft, eine Ausstellung anzubieten, die vom Bundesverband Museumspädagogik e. V. schon mit einem Preis gekrönt wurde. Auf einem eigenen Kinderpfad werden die Gefahren eines Brandes altersgerecht erklärt.

Ein wenig muffig riecht es ja schon, und eng ist es auch, wenn man den Ausstellungsraum im Erdgeschoss der alten Spittelmühle betritt, wo der Verein „Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu e. V.“ etwa die Hälfte seiner rund 1000 Sammelstücke auf knapp 250 Quadratmetern präsentiert. 

„Die düstere Atmosphäre mit den nackten Stahlträgern an der Decke ist ein bisschen gewollt. Die Feuchtigkeit kommt vom Mühlbach“, erklärt Christoph Heider, der im Verein für die Betreuung und Konzeption der Ausstellung zuständig ist, „aber es erspart uns andererseits eine Klimaanlage mit Luftbefeuchtung, und die hölzernen Exponate werden nicht rissig.“ Und Holz gibt es eine Menge in dem kleinen Museum, welches Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehrmuseen in Deutschland“ ist und das zu den nichtstaatlichen Museen in Bayern zählt: Im Rahmen eines ABM-Projekts hat Michael (Mike) Gerum neben liebevoll gestalteten kleinen Modellen und einer großen geschnitzten Plakette mit dem Relief von Carl Metz (1818-1877, Initiator der Freiwilligen Feuerwehren) allerhand lebensgroße Feuerwehrmänner in unterschiedlichsten Uniformen und Brandbekämpfungssituationen zurechtgesägt und – trotz Farbenblindheit – bunt bemalt. Diese beleben nun, zusammen mit Schaufensterpuppen in Original-Uniformen, seit 2011 den „Kinderpfad“. Neben dem Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda ist das Kaufbeurer Museum das einzige mit einem eigenen Kinderpfad, der auch gerne von Schulklassen zur Brandschutzaufklärung besucht wird. 

Über acht Stationen, an einem roten Schlauch entlang, wird hier die Feuerwehr, ihre Geschichte und Technik auf gut beschrifteten Tafeln kindgerecht begreifbar. Bescheiden in einer Vitrine im Depot im 1. OG steht der Preis, den das Feuerwehrmuseum bereits 2006 vom Bundesverband Museumspädagogik e. V. erhielt: Zusammen mit dem Jakob-Brucker-Gymnasium (JBG) wurden in zweijähriger Arbeit die Beschriftungen für den Kinderpfad, ein 50-seitiges Schülerbuch „Die Kaufbeurer Feuerwehr im zweiten Weltkrieg“ mit allgemeinen und historischen Informationen sowie Aufgaben zu Mathematik und Physik, ein Projekt- buch für Lehrkräfte und eine CD erstellt. Damit konnte sich neben 14 weiteren Schulen das JBG zusammen mit seinem Kooperationspartner, dem Kaufbeurer Feuerwehrmuseum, in einer landesweiten Ausschreibung für das Projekt „Schule@Museum“ qualifizieren, für das sich etwa 100 bayerische Schulen beworben hatten. Die teilnehmenden Museen reichten von Kunstmuseen über Heimatmuseen bis hin zum Deutschen Museum in München. Gefragt waren vor allem museumspädagogische Ansätze. 

Entstanden war das Kaufbeurer Feuerwehrmuseum, als sich 1986 einige Mitglieder der Feuerwehr, die privat Feuerwehrgegenstände sammelten, zusammenschlossen, um eine Feuerwehrsammlung in Kaufbeuren aufzubauen. Die Sammelstücke wurden zunächst ungeordnet in der Spittelmühle deponiert. Gleichzeitig wurden ausgemusterte Löschfahrzeuge angeschafft und in aufwändiger Eigenarbeit restauriert. Diese Sammlung umfasst derzeit sieben fahrbereite Fahrzeuge von 1942 bis hin zum Mercedes Kurzhauber der 1960er Jahre und ist in einem separaten Depot untergebracht. 

Als 1995 durch einen Molotow-Cocktail einer der kleinen Nebenräume in der Spittelmühle samt Inventar ausbrannte, muss- te das komplette Depot geräumt und gesäubert werden. Dabei entstand die heutige Ausstellung, die 1996 eröffnet wurde. Seitdem konnten rund 11.600 Besucher gezählt werden, zwischen 600 und 800 pro Jahr. Zum Vergleich: Ins deutlich größere Stadtmuseum kamen vor dem Umbau cirka 1700 Besucher pro Jahr. Zwar hat das Feuerwehrmuseum nur von April bis Dezember und auch dann nur jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 12.30 Uhr geöffnet. „Aber es ist immer der Endpunkt der Erlebnisstadtführung „Feuer und Flamme“ und mehr als zwei Drittel unserer Besucher vereinbaren ohnehin Führungen außerhalb der Öffnungszeiten – so vermeiden wir für unsere ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter Leerlauf“ erläutert Helmut Winkler, der Vorsitzende des Vereins, dem weitere Mitglieder mehr als willkommen sind. von Ingrid Zasche

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