Regisseurin Banu Kepenek bei der offiziellen Preisübergabe der Kaufbeurer "filmzeit"

Der "Blasi" hat ein neues Zuhause

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Mit dem Spielfilm „Memo“ hat Regisseurin Banu Kepenek die Jury der Kaufbeurer Filmzeit überzeugt. Kürzlich fand nun die offizielle Übergabe der Filmzeit-Trophäe „Blasi“ und des Preisgeldes statt. Mit der Preisträgerin (links) freuten sich Festivalleiter Roman Harasymiw und Winfried Nusser vom Sponsor Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Die Regisseurin Banu Kepenek weilte kürzlich in Kaufbeuren, um den „Jurypreis“ der 6. filmzeit zusammen mit der Trophäe „Blasi“ in Empfang zu nehmen. Dafür reiste sie eigens aus Berlin an.

Im großen Sitzungssaal des Rathauses freuten sich Filmzeit-Chef Roman Harasymiw, Oberbürgermeister Stefan Bosse und zahlreiche Sponsoren, anlässlich der Preisverleihung zur filmzeit 2013, der Regisseurin Banu Kepenek und ihrem Sieger-Film "Memo" persönlich ihre Anerkennung auszusprechen. Denn obwohl von Jahr zu Jahr immer mehr Filmemacher zur filmzeit im Oktober kommen, konnte heuer keiner der Prämierten beim Festival selbst anwesend sein. Für den Gewinner des Innovationspreises, Regisseur Dietrich Brüggemann, galt das leider auch hinsichtlich der kürzlichen Preisübergabe: Er steckte zu diesem Zeitpunkt mitten in der Produktion zu seinem ersten langen Spielfilm, schickte aber eine Videobotschaft nach Kaufbeuren. 

Der „Blasi“, die Siegertrophäe der Kaufbeurer Filmzeit, ist nicht der erste Preis den die Nachwuchsregisseurin Banu Kepenek mit ihrem Spielfilm „Memo“ bei einem Filmfestival gewonnen hat. Über die Kaufbeurer Auszeichnung freute sie sich allerdings aus einem Grund ganz besonders: „,Memo’ wurde beim 18. Filmfestival Türkei/ Deutschland in Nürnberg als bester Kurzfilm gewürdigt. Dabei hat natürlich eine Rolle gespielt, dass der Film von türkischen Traditionen handelt, die in Deutschland weiter gepflegt werden“, erzählt Kepenek: „Bei der Filmzeit aber hatte die Jury keinen Fokus auf diesen speziellen Aspekt – trotzdem hat ,Memo’ als Gesamtwerk überzeugt“. Dies zeige ihr als Filmemacherin, dass ihr Werk eine „gewisse Allgemeingültigkeit“ ausstrahle, die über die Integrationsthematik hinausgehe und Menschen berühren könne. 

Türkische Familienkrise 

„Memo“ spielt am ersten Tag des islamischen Opferfestes. Die Brüder Memo und Harun sitzen mit ihren betagten Vater im Auto: Die Fahrt geht ins ländliche Brandenburg, wo ein Schaf geschlachtet werden soll. Es gibt dabei nur ein Problem: Keiner der beiden Söhne sieht sich in der Lage, dem Schaf die Kehle durchzuschneiden. Als dann auch noch unerwartet Memos Freundin auftaucht, wird das Chaos perfekt… Besonders beeindruckt hatte die Jury bei der Bekanntgabe der Gewinner im Oktober die „gelungene Symbiose aus klassischem und modernem Erzählkino“. Kepenek erzähle die türkische „Vater-Sohn- Krise“ um ein Opferlamm so universal, dass „Memo“ zu einer „modernen filmischen Fabel über Kommunikation und Schweigen wird“. Zusammen mit dem „Blasi“ und einer Urkunde nahm Banu Kepenek ein Preisgeld von 1.000 Euro entgegen. 

 „Reiner Zufall“ ist es laut Roman Harasymiw, dass auch der mit dem Innovationspreis der filmzeit gewürdigte Beitrag „One Shot“ das Thema Integration behandelt. Allerdings auf eine ganz eigene Art und Weise: Es ist ein „Film im Film“ über einen Werbespot gegen Rassismus, der sich mit besten Ab- sichten verschiedener Klischees bedient und sich – für den Zuschauer äußerst unterhaltsam – darin verheddert. Besonders beeindruckend habe die Jury hier gefunden, das das Werk praktisch spontan und ohne Budget in einer Kameraeinstellung auf einer Rollbahn des Flughafens Berlin-Tempelhof entstanden ist. Auch behandle „One Shot“ ein eigentlich ernstes Thema auf ungewöhnliche und humorvolle Weise. Der Innovationspreis ist mit 750 Euro dotiert. 

Sowohl Banu Kepenek als auch Dietrich Brüggemann sind Absolventen der HFF Konrad Wolf Potsdam-Babelsberg, der ältesten und größten Filmhochschule Deutschlands. „Das ist genauso zufällig wie der gleiche thematische Kontext der beiden Fil- me“, betonte filmzeit-Organisator Harasymiw: „Wir legen Wert auf eine professionelle Jury, die ihre Auswahl unabhängig von Themen, Genres, Längen oder bestimmten Hochschulen trifft und auch nicht danach geht, welche Filmemacher beim Festival dabei sind“. 

Harasymiw, der die Anwesenden der Preisverleihung nochmals daran erinnerte, wie schwer es der diesjährigen Jury gefallen war, den Jurypreisträger zu bestimmen, resümierte: „Ein Dank geht an alle Beteiligten der filmzeit und auch an die Sponsoren, die nicht nur Geld gegeben, sondern auch großes Interesse an den Filmen gezeigt haben“. Von deren Qualität konnte das Publikum in Alten Sitzungssaal sich dann höchstpersönlich überzeugen: Das Licht ging aus und die prämierten Filme wurden noch einmal gezeigt. von Michaela Frisch

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