Gebühren für Kinderbetreuung steigen

Finanzausschuss empfiehlt Anpassung der Elternbeiträge

Kind
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Die Stadtverwaltung hat eine maßvolle Anpassung der Kinderbetreuungsgebühren vorgeschlagen. Der Finanzausschuss ist mitgegangen, nun muss noch der Stadtrat am 22. Februar über den Vorschlag bestimmen.

Marktoberdorf – Es schien die „Quadratur des Kreises“, wie es Wolfgang Wieder von der Stadtverwaltung nannte. Gemeint war die geplante Erhöhung bei den Kinderbetreuungsgebühren, die ab Januar 2022 in Kraft treten soll. Denn sie soll maßvoll sein, das Defizit der Stadt abmildern und gleichzeitig keine Mehrbelastung für die Eltern darstellen. Im Finanzausschuss stellte die Verwaltung erstmals die geplante Anpassung der Elternbeiträge vor, die vom Gremium letztendlich als Empfehlung an den Stadtrat weitergereicht wurde

Die Stadt Marktoberdorf ist mittlerweile Träger von 16 Kindertagesstätten, das sind zwei Kinderkrippen, elf Kindergärten und drei Kinderhorte. Aktuell werden dort 924 Kinder betreut, was einer Vollbelegung entspricht. Der Bedarf sei weiterhin hoch, wie Wieder ausführte. Außerdem seien von 425 städtischen Beschäftigten knapp die Hälfte als Erzieher und Kinderpfleger in den verschiedenen Betreuungsformen beschäftigt. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell erklärte nun die Motivation der Stadt, an der Beitragskurbel zu drehen: „Weil die Kommunalaufsicht des Landratsamts sowie der Bayerische Kommunale Prüfungsverband seit Jahren den steigenden Zuschussbedarf im Bereich der Kindestageseinrichtungen anmahnen, prüfte die Verwaltung ihre Kosten.“

Die Analyse zeigte, dass die Schere zwischen Ausgaben und Elternbeiträgen immer weiter aufklaffte. Das Gesamtdefizit im laufenden Betrieb der mittlerweile 16 städtischen Kindertageseinrichtungen ist im Zeitraum von 2009 bis 2019 von 1,29 Millionen Euro auf 2,94 Millionen Euro angestiegen. Hinzu kamen bauliche Maßnahmen, die Investitionen von jährlich rund 1,2 Millionen Euro erforderten. Der Anteil der Elternbeiträge an den laufenden Kosten sei jedoch im selben Zeitraum von 15 Prozent auf neun Prozent gesunken, so Martin Vogler von der Stadtverwaltung.

Qualität erhalten

Um die Qualität der Kinderbetreuung zu erhalten, sieht die Stadt Handlungsbedarf. Sie will die Eltern maßvoll an den Kosten beteiligen. Gerade im Corona-Jahr eine Herausforderung für viele Haushalte, wie einige Stadträte, insbesondere Walter Breiner (FW) anmahnte. Dennoch will die Stadt ernst machen. Aktuell lägen die Betreuungsgebühren in den städtischen Kindergärten und Horten unter dem Durchschnittswert vergleichbarer Kommunen. Die letzte grundlegende Anpassung war vor vier Jahren erfolgt. Weil es seit 2019 außerdem einen Beitragszuschuss vom Freistaat für 100 Euro pro Monat und Kindergartenkind gibt, ist für 60 Prozent der in Marktoberdorf betreuten Kinder der Kindergarten ohnehin beitragsfrei. Wer also bisher sein Kind bis zu sechs Stunden am Tag in einem der städtischen Kindergärten betreuen ließ, zahlte nichts. Diese Regelung galt jedoch nicht für Hort und Krippenkinder.

Im Bereich Kindergarten schlug die Stadtverwaltung daher eine Elternbeteiligung vor. So soll die Beteiligung je nach Buchungszeit zwischen zehn und 65 Euro monatlich (für bis zu 50 Stunden betreute Kindergartenzeit in der Woche) liegen.

Verschiedene Kategorien

Im Bereich Hort soll es die deutlichste Anhebung der Gebühren geben. Wer allerdings zusätzliche Ferienbetreuung benötigt, kann künftig zwischen verschiedenen Kategorien auswählen. Der Grundbetrag für eine Schulkindbetreuung von ein bis zwei Stunden pro Schultag kostet künftig 79 Euro Grundbetrag, bei einer Ferienbetreuung an 15 Betriebstagen erhöht sich der Betrag um fünf Euro pro Monat. Bisher zahlten Eltern für eine Hortbetreuung der gleichen Buchungskategorie 80 Euro inklusive Ferienbetreuung (die Betreuung für bis zu zwei Stunden ohne Ferienbetreuung kostet aktuell nur 44 Euro).

Im Bereich der Kinderkrippe, also bei den unter Dreijährigen, erhöht sich der Elternbeitrag nur leicht um wenige Euro, so kostet beispielsweise die Betreuung von bis zu 25 Wochenstunde künftig 199 Euro statt bisher 196 Euro.

Den Elternbeiräten der verschiedenen Kindertagesstätten wurden die Vorschläge der Stadtverwaltung bereits übermittelt. Wie Wolfgang Wieder erklärte, stießen sie auf ein geteiltes Echo von vertretbar bis unzumutbar. Auch die Ausschussmitglieder hielten sich mit ihrer Begeisterung zurück, befürworteten aber grundsätzlich eine Erhöhung, um das Angebot für Familien weiterhin attraktiv gestalten zu können. Thorsten Krebs (CSU) plädierte dafür, die Schere zwischen Ausgaben und Einnahmen zu schließen. Ursula Zwick (SPD) drängte jedoch darauf, die Erhöhung nicht wie von der Stadtverwaltung geplant zum 1. September einzuführen, sondern um ein Jahr zu verschieben. Das würde im Corona-Jahr die Last von den Schultern vieler Eltern nehmen. Letztendlich einigte sich der Ausschuss auf die vorgeschlagene Erhöhung zum 1. Januar 2022. Allerdings muss als nächstes der Stadtrat in seiner Sitzung am kommenden Montag der Gebührenanpassung noch zustimmen.

Angelika Hirschberg

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