Fische auf Wanderschaft

Große Natursteine, Baumstümpfe – sie sieht ein bisschen aus wie ein Wildbach. Die Rede ist von der neuen Fischtreppe beim Hirschzeller Wehr der Wertach. Seit gut einer Woche fließen die 135 Meter lange Abzweigung 600 Liter Wasser pro Sekunde vom Mühlbach in die Wertach hinunter. Reguliert wird die Wasserzufuhr über einen großen Schieber, den vergangene Woche Oberbürgermeister (OB) Stefan Bosse, Karl Schindele, Chef des Wasserwirtschaftsamtes und Peter Konrad, 1. Vorsitzender des Kreisfischereivereins Kaufbeuren, zum ersten Mal öffneten.

Mit Hilfe von 25 großen und drei kleinen Becken schaffen es die Fische ab sofort den Höhenunterschied von 5,5 Metern zwischen Wertach und Mühlbach zu überwinden. Aber nicht nur die Fische haben wohl allen Grund zur Freude über die neue Wanderhilfe, sondern auch „der Wertach geben wir was zurück“, freut sich OB Bosse und bedankt sich an dieser Stelle bei den Mühlbachbeteiligten, den Firmen Wilhelm Sturm & Co. KG, Schoder GrundstücksGbR, Dobler KG Baubetreuung, Holz-Espermüller und der Stadt Kaufbeuren, die ihre Wasserräder und Mühlen mit dem Wasser aus dem Mühlbach betreiben. Die Wirtschaftsunternehmen verzichten auf einen Teil des Wassers aus dem Mühlbach zugunsten der Fischtreppe, für die der Kreisfischereiverein Kaufbeuren die Patenschaft übernommen hat. Dessen 1. Vorsitzender, Peter Konrad, ist der Überzeugung, dass es aber bei der neuen Wanderhilfe „nicht nur um die Fische geht, sondern auch um das Stadtbild“. Und freut sich vor allem darüber, dass mit dem dreimonatigen Bau der Fischtreppe Bosse auch ein Wahlversprechen eingehalten habe. Anerkennung für das Projekt gab es auch von Lothar Nickel, Vizepräsident des Landesfischereiverbandes Schwaben, der davon ausgeht, dass die Fische die Wanderhilfe gut annehmen werden. Dass eine ökologische Verbesserung der Wertach, aber auch anderer Flüsse in Deutschland erfolgen müsse, ist nicht nur Ziel einer neuen Wasserrichtlinie, sondern darauf baut auch Dr. Oliver Born, Fischereifachberater des Bezirks Schwaben. Denn die „bedrohten Fischarten müssen auf stabilere Flossen“ gestellt werden. Allein die Wertach wird durch zirka 40 Querbauwerke immer wieder zwischengestaut, was unter anderem dazu führt, dass viele heimische Fischarten kaum noch vorhanden seien. Wanderhilfen seien dabei nur ein Faktor. Ein anderer wichtiger Faktor sei die Einbringung von Kies in die Wertach. Kies sei unter anderem deshalb so wichtig, da viele in der Wertach lebende Fische, wie die Esche, Kieslaicher seien, erklärt Konrad. Es müsse eine besondere Art von Kies sein, der „sehr locker ist“. Zusammen mit der Stadt Kaufbeuren wird der Fischereiverein, der mit 2000 Euro an dieser Maßnahme beteiligt ist, dies auch in diesem Jahr tun. Die Einbringung dürfe nicht einmalig sein, sondern müsse jedes Jahr erfolgen, betont Konrad. Das nächste Umgehungsgerinne soll bei Pforzen entstehen, wie Schindele berichtet. Die Maßnahme am Mühlbach, dessen Bauherr das Wasserwirtschaftsamt war, habe 88000 Euro gekostet, die die Mühlbachbeteiligten zahlen. Noch einmal ein Drittel der Summe muss das Wasserwirtschaftsamt drauflegen, um die Baukosten komplett zu deckeln.

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