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Fledermaus-Stammtisch in Ruderatshofen geehrt – Ortstermin in der Kirche

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Von: Michael Dürr

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Menschenim Dachstuhl mit Taschenlampen
Ortstermin im Dachstuhl über dem Kirchenschiff: Bürgermeister Johann Stich und Brigitte Kraft (ganz links) inspizieren zusammen mit den Mitgliedern des Fledermaus-Stammtisches und Vertretern des LfU das „Wohnzimmer“ der Fledermäuse.Foto: Dürr © Dürr

Ruderatshofen – Sie leben im Verborgenen und gehen auf die Jagd nach Insekten und Käfern, wenn wir Menschen schlafen. Auch wenn ihre Hinterlassenschaften aggressiv sind und Probleme machen, sind die Säugetiere extrem nützlich und stehen entsprechend unter strengem Schutz. Die Rede ist von Fledermäusen, deren größte Ostallgäuer Kolonie in Ruderatshofen wohnt.

Knapp 400 der kleinen Jäger sind während der wärmeren Jahreszeit in der dortigen Kirche zu finden. Ihr Zuhause ist der Dachstuhl, und der ist sanierungsbedürftig. Gut, dass es in Ruderatshofen einen Fledermaus-Stammtisch gibt.

Gegründet wurde der Stammtisch von Brigitte Kraft, die beim Landesamt für Umwelt (LfU) die Ansprechpartnerin für das Allgäu in Sachen Fledermäuse ist. Beim Stammtisch kümmert man sich ehrenamtlich um die Maus­ohrkolonie, macht Zählungen, berät und schult und hat nicht zuletzt einen Fledermaus-Notruf ins Leben gerufen.

Unter der heutigen Leitung von Herbert Gottstein traf sich der Stammtisch jetzt mit Vertretern des LfU und der Regierung von Schwaben zu einem Ortstermin in der Kirche St. Jakobus maj. Mit dabei waren außerdem Bürgermeister Johann Stich und Kirchenpfleger Siegfried Martin. Letzterer bestätigte dem Kreisbote, dass die Ausschreibung für die umfangreiche Sanierung des Dachstuhls der Kirche bereits läuft und dass mit Kosten von bis zu einer Million Euro zu rechnen sei. Regierungsvertreterin Susanne Kuffer, die zu dem Abend eingeladen hatte, räumte ein, dass die Anwesenheit von Fledermäusen tatsächlich zu „Mehraufwand und Mehrkosten bei der Sanierung“ führte. Den stirnrunzelnden Blick von Kirchenpfleger Martin („die Fledermäuse sind halt da, man muss sich kümmern“) beantwortete die Diplom-Geographin mit dem Hinweis auf durchaus existierende Fördermittel für Artenschutzmaßnahmen. Die gebe es, man müsse allerdings schon „danach suchen“.

Der Mehraufwand bei der Sanierung des Gotteshauses, das aus dem 15. Jahrhundert stammt, bestehe im Wesentlichen darin, die kleinen Säugetiere während der Arbeiten möglichst wenig zu stören. Dazu müssten vertikale Trennvorrichtungen installiert werden: In der einen Hälfte könne gearbeitet werden, in der anderen hätten die Fledermäuse ihre Ruhe. Die Alternative ist laut Kuffer, die Sanierung als Winterbaustelle zu realisieren, wenn die Fledermäuse im Winterquartier ihren Winterschlaf halten.

Wie auch immer, bei dem Orts­termin wurde deutlich, dass es in dieser Sache noch reichlich Redebedarf zwischen den Tierschützern und der katholischen Kirche gibt. Auch Bürgermeister Johann Stich sagte zu, das Thema Fledermäuse über das örtliche Gemeindeblatt verstärkt ins Bewusstsein der knapp 1.800 Einwohner zu bringen. Beim Bau der fünf Kilometer langen Ortsumfahrung, der seit Mai 2021 läuft, habe es etwa Beschwerden darüber gegeben, dass zwar eine Schutzwand für Fledermäuse errichtet werde, es aber keinen Lärmschutz für Anwohner gebe. Hintergrund des Aufwands für die Mausohren: Die Tiere können per Ultraschall Geschwindigkeiten bis maximal 60 Stundenkilometer verarbeiten, ohne Schutzwand würden sie mit schnelleren Autos und Lastwagen kollidieren.

Urkunden für die Fledermaus-Akteure

Dem Ortstermin in der Kirche, der weitgehend im Wohnzimmer der Fledermäuse stattfand, also direkt unter dem Dachstuhl über dem Kirchenschiff, folgte ein Treffen im benachbarten Gasthaus Walburg. Dort wurden „für den langjährigen gemeinsamen Einsatz zum Erhalt der Mausohrkolonien im Ostallgäu“ die Akteure des Fledermaus-Stammtisches und die Katholische Kirchenstiftung als Natura 2.000-Partnerschaften durch die Regierung von Schwaben und die Gemeinde Ruderatshofen ausdrücklich gewürdigt und mit Urkunden bedacht. Susanne Kuffer: „Es ist etwas Tolles, wenn sich Menschen nach der Arbeit ehrenamtlich um die Fledermäuse kümmern – dafür wollen wir ein ganz großes Dankeschön sagen“.

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