Letzter Kreistag in alter Zusammensetzung – Landrat zieht deutliche Bilanz

"Abschied ist die Tür zur Zukunft"

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Im Jahr 1967 begann Manfred Huber (re.) seine Berufslaufbahn bei der Verwaltung in Marktoberdorf. „Wenn man bedenkt, was sich seit damals alles verändert hat!“ bemerkte Landrat Johann Fleschhut (li.) im Rahmen der feierlichen Verabschiedung.

Landkreis/Marktoberdorf – Ein Abschied fällt oft schwer – vor allem wenn Wichtiges bis dahin ungesagt geblieben ist. Und so nutzte Landrat Johann Fleschhut (FW) die letzte Sitzung des Kreistags in alter Zusammensetzung auch dazu, die Gründe für das Ende seiner Amtstätigkeit kritisch zu beleuchten.

Was zwölf Jahre lang Routine war, geht jetzt zu Ende: Nicht nur für 27 teilweise langgediente Mitglieder des Kreistags, sondern auch für den „Chef“ selbst. Denn für Landrat Johann Fleschhut war die Sitzung des Kreistags am Montag zugleich die letzte. Den meisten Scheidenden waren das sprichwörtliche „lachende und das weinende Auge“ anzusehen, nur Fleschhut selbst schien seinen Frieden mit dem Ergebnis der jüngsten Wahl noch nicht gemacht zu haben. Mit viel Lob und Ehrbekundungen verabschiedete er seine Weggefährten, mit denen er teils Jahre, teils Jahrzehnte zusammengearbeitet hat. Am Ende nahm er sich die Zeit, um seine Amtszeit ausführlichst Revue passieren zu lassen, aber auch für klare Worte zur Krankenhausthematik – diese sieht Fleschhut als den Grund für seine Niederlage. 

Harsche Kritik äußerte er dann auch gegenüber dem Verhalten einiger seiner Gegner. Es sei ihm selbst „und uns“ immer um die Menschen gegangen, begann der Landrat seine Ansprache. Man habe durch „Fleiß, Teamarbeit und Innovationen“ einen Stand erreicht, um den „uns viele beneiden“. Mehrfach betonte Fleschhut, dass das Ostallgäu bei der sozialen Sicherheit und dem Wohlstand unter den ersten sieben Prozent in ganz Deutschland liege, die Menschen fühlten sich „wohl“ im Ostallgäu. Spürbar war der Stolz auf das Buchloer Gymnasium: Dies sei ein „herausragender Leuchtturm“, für jeden Kommunalpolitiker sei es „das Höchste“, eine neue Schule bauen zu können. Auch im Bereich Wirtschaft sei der Standort Ostallgäu „International und national top“. 

Immer wieder verwies der scheidende Landrat aber auch darauf, dass man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen dürfe: „Dies zu halten wäre zu wenig. Wie in den letzten zehn Jahren müsse es gelingen, auf der Erfolgsleiter sukzessive nach oben zu steigen“, die „Früchte der Arbeit der letzten Jahre“ dürfe unter keinen Umständen gefähr- det werden. 

An „alle Kollegen und Kolleginnen vom Abteilungsleiter bis zum einzelnen Mitarbeiter“ richtete Fleschhut seinen Dank und bat darauf zu achten, „dass unsere Mitarbeiter fair und richtig eingesetzt bleiben und in ihrer Entwicklung gefördert werden!“ In diesem Satz schwang bereits etwas von dem Gedanken mit, dass die vorgestellte gute Bilanz nicht ohne weiteres zu halten sein könnte. „Wer nur fragt, was andere wollen – frei nach Günther Jauch und dem Publikumsjoker – hat keine eigene Meinung, wird manipuliert und erreicht nichts“, verlieh Fleschhut diesem Gefühl – mit noch deutlicheren Worten Ausdruck. „Natürlich gehe ich mit Wehmut“, gab er zu, und erklärte auch: „Mit manchen Vorgängen werde ich mich nie abfinden“, warf er einen sehr persönlichen Blick gerade auf die jüngste Periode seiner Amtszeit. 

Nach der Aufzählung der Erfolge des Ostallgäus in den vergangenen zwölf Jahren, die sechs Seiten von Fleschhuts Rede füllte, wollte er nicht nur seiner Nachfolgerin Maria-Rita Zinnecker, sondern vor allem seinen Gegnern in der Bürgerschaft noch etwas mit auf den Weg geben. Tenor: die Krankenhausschließungen, die in den vergangenen Jahren so viel Unmut ausgelöst hatten, seien unvermeidbar gewesen, Fleschhut habe, „was mir auch von vielen Seiten attestiert wird“, die „geerbte Drecksarbeit“ ausführen müssen, die „frühere und heutige Mitverantwortliche eigentlich hätten erledigen müssen“. Auch das geplante Ärztezentrum und das Nachnutzungskonzept hätten die Wähler „kalt gelassen“, es sei im Gegenteil zu einer „Art Volkssport seit längerem geworden, den Landrat ans Kreuz zu nageln, ihn zu beschimpfen, zu beleidigen, zu bedrohen“. Was im Modeon im Jahr 2012 abgelaufen sei, sei zu einer „unmenschlichen Ausschreitung“ geworden. Er habe solches in einer ländlichen Kleinstadt wie Marktoberdorf nicht für möglich gehalten. 

Die Situation in Marktoberdorf sei wie in „hundert anderen Orten in Deutschland auch“. Dort sei jedoch „geschimpft, getrauert und dann aber an die Zukunft gedacht“ worden. „Hier“ regiere immer noch die Meinung der Generation der Gestrigen, denen die Zukunft egal zu sein scheint und die dies gebetsmühlenartig auch öffentlich wiederholen durften“. Vermutlich spitzen sie bereits wieder „ihre Leserbriefgriffel“ für das „Kapitel Nachtreten“. 

Eine sehr positive Bilanz für den Landkreis also, auch für die Arbeit des Landrats, die die Anwesenden im Saal Allgäu bei der Kreistagssitzung da zu hören bekamen – aber deutlich gemischt mit Fleschhuts Frust über die aus seiner Sicht von der breiten Öffentlichkeit missverstandener Politik in der Kranken- hausfrage. Er wird darüber hinwegkommen: „Ich war, bin und bleibe ein positiv denkender Mensch“, sagte er. Er wolle es so sehen: „Abschied ist die Tür zur Zukunft!" von Michaela Frisch

Verabschiedungen & Ehrungen zum Ende der Legislaturperiode

Neben dem Landrat verlassen mit dem Ende der Wahlperiode 2008-2014 auch eine Reihe von Kreisrät/innen das Gremium. In der nächsten Sitzung nicht mehr mit dabei sein werden: Gregor Bayrhof (CSU, 18 Jahre), Josef Demmler (FWO, zwölf Jahre), Dr. Anni Derday (FWO, 12 Jahre), Manfred Eigler (CSU, 12 Jahre), Dr. Irene Epple-Waigel (CSU, zwölf Jahre), Karl Fischer (CSU, 18 Jahre), Josef Fleschutz (SPD, zwölf Jahre), Eduard Gapp (CSU, sechs Jahre), Wolfgang Gerum (FWO, sechs Jahre), Maria Haußer (FWO, 24 Jahre), Werner Himmer (FW, 24 Jahre), Josef Köberle (CSU, sechs Jahre), Gerhard Kraus (FWO, sechs Jahre), Lorenz Kreuzer (CSU, sechs Jahre), Rudolf Leinweber (FDP, 30 Jahre), Alexander Müller (CSU, 18 Jahre), Tom Nieberle (parteilos, sechs Jahre), Richard Paul (CSU, sechs Jahre), Andreas Rösel (FDP, sechs Jahre), Bernd Singer (FWO, zwölf Jahre), Markus Singer (CSU, sechs Jahre), Andreas Ullrich (FWO, sechs Jahre), Alfred Wölfle (CSU, sechs Jahre), Josef Zeislmeier (SPD, 18 Jahre), Annelies Zink (FWO, 18 Jahre), Rudolf Zündt (CSU, 17 Jahre). 

Das Ehrenzeichen des Landkreises für Verdienste in der Kommunalpolitik haben erhalten: Dr. Christian Alex (CSU), Gregor Bayrhof (CSU), Benno Bönisch (Grüne), Karl Fischer (CSU), Alexander Müller (CSU), Hermann Seiderer (Bayernpartei), Josef Zeislmeier (SPD), Annelies Zink (FWO), Hubert Endhardt (Grüne). 

Den Ehrenring des Landkreises Ostallgäu haben erhalten: Hubert Endhardt (Fraktionsvorsitzender B90/Grüne, Kreistags-Mitglied seit 1990, stellvertretender Landrat, Gemeinderatsmitglied Rieden a. F., verschiedene Ausschüsse, Verwaltungsratsmitglied des KU Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu), Maria Haußer (Kreistags-Mitglied 1990 bis 2014, verschiedene Ausschüsse, Gemeinderatsmitglied Jengen), Werner Himmer (Kreistags-Mitglied 1990 bis 2014, verschiedene Ausschüsse, Erster Bürgermeister Marktoberdorf, FWO-Fraktionsvorsitzender), Paul Iacob (Kreistags-Mitglied seit 1990, Ausschuss für Umweltfragen, Abfallwirtschaft und Kreisentwicklung, Erster Bürgermeister Füssen), Reinhold Sontheimer (Kreistags-Mitglied seit 1990, verschiedene Ausschüsse, stellvertretender Landrat, Erster Bürgermeister Schwangau).

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