Ausbildungswerkstatt verabschiedet letzte Azubis und schließt ihre Pforten

Doppelter Abschied

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Starfighter am Haken: Im Rahmen des Umzugs 2003 wurden die Ausbildungsluftfahrzeuge mit einem Hubschrauber vom Typ CH-53 nach Kaufbeuren gebracht.

Kaufbeuren – Es war ein zweifacher Abschied am Fliegerhorst Kaufbeuren in der letzten Woche.

Die letzten zehn Auszubildenden der Ausbildungswerkstatt Kaufbeuren bekamen im Rahmen einer Freisprechungsfeier ihre Facharbeiterbriefe überreicht und dürfen sich fortan als Gesellen bezeichnen. Doch auch für die Ausbilder hieß es Abschied nehmen, denn die Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr wird geschlossen. Damit endet eine 52-jährige Ära, in der die Ausbildungseinrichtung insgesamt 1124 Azubis aus der Region ausgebildet hat.

In seiner Ansprache verteilte Oberstleutnant Peter Gocht als stellvertretender Kommandeur der Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums mehrfach Lob: an die Auszubildenden für Ihre erbrachte Leistung, an das Ausbildungspersonal und nicht zuletzt an die Eltern bezüglich der Unterstützung ihrer Söhne und Töchter. „Wir durften teilhaben, wie aus Jugendlichen Erwachsene wurden. Wie aus Schülern Fachkräfte und teilweise ‚Überflieger‘ wurden, nachdem Sie ihre Bestimmung im Berufsleben gefunden hatten“, sagte Gocht vor den zahlreich erschienenen Gästen, darunter Bürgermeister Gerhard Bucher, Lehrern der Berufsschulen Augsburg und Memmingen, Vertreter des Bundeswehrdienstleistungszentrums (BwDLZ) und Führungspersonal der Ausbildungsgruppen, Angehörige der Azubis sowie ehemalige Mitarbeiter der Ausbildungswerkstatt.

Er sprach von einem möglichen Start „für viele Karrieren in der Bundeswehr und auch in der freien Wirtschaft“. „Man kann die tiefe Verbundenheit zur Ausbildungswerkstatt erahnen, da uns viele ehemalige Auszubildende regelmäßig besuchen. Mit der Schließung der Ausbildungswerkstatt fällt dieser Anlaufpunkt der temporären Heimat weg“, sagte der stellvertretende Kommandeur. „Für mich schließt sich der Kreis“ stellte Peter Bradler, stellvertretender Leiter des BwDLZ Kaufbeuren, fest. „Im Jahr 2003 durfte ich schon die erste Freisprechungsfeier durchführen und heute darf ich die letzte Freisprechungsfeier in Kaufbeuren begleiten“, so Bradler und führte anschließend die förmliche Freisprechung mit der „Erhebung in den Stand eines Gesellen“ durch.

Auch bei Thorsten Horny schwang in seiner Rede eine gewisse Wehmut mit. Er war 2008 als Ausbilder in Kaufbeuren gestartet und hatte über die Qualifikation zum Meister vor fünf Jahren die Leitung der Ausbildungswerkstatt übernommen. Er bedauerte die Schließung und sprach von einer „tollen Zeit“ in Kaufbeuren. Seine Zukunft liegt nun auf dem Lechfeld, wo er seit 2016 ebenfalls schon die Leitung der dort bestehenden Ausbildungswerkstatt innehat, welche Fluggerätemechaniker und IT-Systemelektroniker ausbildet. Im Rahmen eines sich anschließenden Empfangs konnten Ausbilder und frischgebackene Gesellen bei vielen Gesprächen noch lange ihre Erinnerungen an gemeinsame Tage in der Ausbildungswerkstatt austauschen. Die Feierstunde wurde von der Fliegerhorstkapelle unter Leitung von Klaus Reggel umrahmt.

Ein Blick in das ehemalige Lehrdock F 104 G der Ausbildungswerkstatt in Memmingen.

„Ausbildungsjuwel“

Die Ausbildungswerkstatt (AWS) war 1966 beim damaligen Jagdbombergeschwader 36 in Memmingen seitens der Bundeswehr als eine von vielen derartigen Ausbildungseinrichtungen in der Bundeswehr eingerichtet worden (siehe Infokasten). Sie stellten eine besondere Form dar, da die Streitkräfte hier praktisch wie ein Industrie­unternehmen agierte, jedoch mit einem Unterschied: Die Auszubildenden waren in keinen Produktionsprozess eingebunden, egal in welcher Ausbildungsrichtung. Durch die ausschließliche Konzentration auf die fachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten erreichten die Absolventen in der Regel eine hohe Qualifizierung und wurden am Ende gerne von der Industrie übernommen. Nachdem 2001 die damalige Technische Schule der Luftwaffe 1 erfuhr, dass die Ausbildungswerkstatt nach Laage verlegt werden sollte, begannen zähe Verhandlungen mit dem einstigen Führungsstab der Luftwaffe und dem Ziel der Verlegung nach Kaufbeuren. Dies gelang 2003. Im Zuge der Bundeswehrreform 2011 wurde auch die Auflösung der AWS beschlossen und 2014 die letzten Azubis eingestellt, die nunmehr ihre Ausbildung abschlossen.

Ausbildungswerkstatt der Luftwaffe (AWS)

•1966 bis 2003 JaBoG 36 in Memmingen

•2003 bis 2018 (Schließung) Fliegerhorst Kaufbeuren

Bilanz 1966 – 2018:

Insgesamt 1124 Azubis ausgebildet

davon 688 Fluggerätemechaniker sowie 436 Elektroniker

2014: Bekanntgabe der Auflösung der AWS Kaufbeuren

Februar 2018: Die letzten Auszubildenden haben erfolgreich Ihre Prüfungen zum Facharbeiter abgelegt und die AWS schließt.

Von Wolfgang Becker

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