Fliegerhorst Kaufbeuren wird ausgemustert

Betroffene Gesichter nach der Standortentscheidung: OB Stefan Bosse (li) und Oberst Harald Burghardt erläutern die Folgen für die Stadt Kaufbeuren und den Fliegerhorst. Becker

Lange und auf allen politischen Ebenen hatte man sich für den Erhalt des Fliegerhorstes in Kaufbeuren eingesetzt. Doch bereits in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sickerten aus Berlin die ersten Informationen durch, dass der Standort in der Wertachstadt für immer geschlossen wird. Oberbürgermeister Stefan Bosse reagiert in einer ersten Stellungnahme entsetzt auf die angekündigte Schließung: „Das ist ein katastrophaler Einschnitt für unsere Stadt und die gesamte Region. Wir sind schon strukturschwach und verlieren jetzt auch noch den mit Abstand größten Arbeitgeber und einen maßgeblichen Identitätsfaktor.“ Immerhin liegt die Kaufkraft des Fliegerhorstes zwischen 35 und 40 Millionen Euro. Für rund zwei Millionen Euro jährlich vergibt der Standort Aufträge an die heimische Wirtschaft, so Bosse.

Als Gründe für die Standortschließung werden unter anderem ein Sanierungsbedarf beim Fliegerhorst in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe angeführt. Aber auch die Frage nach der Effizienz im Zuge der tiefgreifenden Veränderung in der Luftwaffe. So wurden laut MdB Stephan Stracke (CSU) unter anderem deutlich weniger Eurofighter in den Dienst gestellt, als ursprünglich geplant. Darüber hinaus bestehe für den Flugplatz keine wirklich sinnvolle militärische Nutzung mehr, so Stracke. Bosse selbst überraschte die Entscheidung zur Schließung nicht, nur passe sie aus seiner Sicht „so gar nicht ins Muster“. Denn eigentlich sollten strukturschwache Regionen wie etwa Kaufbeuren nicht zusätzlich geschwächt werden. Andere Beispiele würden dies belegen, „nur Kaufbeuren sticht als Ausnahme hervor“. Daher seien nun sowohl der Bund als auch der Freistaat gefordert, um Kaufbeuren nicht „zur Absteigerstadt Nummer eins in Deutschland zu machen“, so der Rathauschef. Als Ausgleich forderte er unter anderem eine eigene Fachhochschule sowie „die Stärkung der staatlichen Behördenstruktur“. Ein weiteres Ziel sei es, das rund zwei Quadratkilometer große Areal schnellstmöglich in kommunale Hoheit zu überführen „und das zu einem fairen Preis unabhängig davon, dass es aktuell noch keinen Zeitplan für die Schließung gibt“, betont Bosse. Was aus den Flächen wird, darüber soll eine bereits eingesetzte Arbeitsgruppe (AG) unter der Leitung des Städtischen Wirtschaftsreferenten Siegfried Knaak beraten. Unterstützt werden soll die AG von einem externen Unternehmen, das sich beim Thema Konversionsmittel bereits bewährt hat. Laut Bosse zählt jeder Tag, und so fanden bereits am Donnerstag erste Gespräche mit einem „Großinvestor Fotovoltaik“ statt. Eile sei aus Bosses Sicht auch deshalb geboten, um „unsinnige Entwicklungen auf dem Fliegerhorst zu verhindern“. Große Herausforderung Ideen, wie das Areal des Fliegerhorstes zukünftig genutzt werden kann, hat Bosse viele. Dazu zählen unter anderem die Entstehung von Gewerbe- und Wohnflächen oder die Ansiedlung großflächiger Industrie. Mittelfristig könnten aus der Stadt zum Beispiel der Tänzelfestplatz, Bauhof, Eis- und Fußballstadion auf den Fliegerhorst verlegt werden. „Damit würden wir in der Stadt Platz für neue Entwicklungen schaffen“, so Bosse. Als langfristiges Ziel könnte sich Bosse auch eine Landesgartenschau auf dem Fliegerhorst vorstellen. Wichtig für all diese Entwicklungen sei jedoch der Ausbau der Infrastruktur. „Wir sehen den Bund in der Pflicht, umgehend, eventuell mit Konversionsmitteln, für eine vierspurige Anbindung (B12) Kaufbeurens an das Autobahnnetz (A96) zu sorgen. Nur so sind wir in der Lage, freigewordene Flächen zu aktivieren und den Arbeitsplatz- und Kaufkraftverlust ansatzweise zu kompensieren“, so Bosse. Auch MdB Stracke forderte, dass noch im November erste Entscheidungen mit Blick auf die Konversionsfragen getroffen werden müssen. Dafür wolle er sich zusammen mit seinen Kollegen stark machen. KL

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