Südlichstes Flößerdorf an der Wertach

Flößerei soll Immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden

Flößer Archivbild
+
Seit dem 13. Jahrhundert wurden, laut Aufzeichnungen, die Alpenflüsse Iller, Lech und Wertach von Flößern als kostengünstige Transportwege genutzt.

Pforzen – Die Flößerei ist Anwärter auf einen festen Platz in der Kulturerbe-Liste der UNESCO. Gemeinsam mit Lettland, Polen, Tschechien, Österreich und Spanien macht sich die Bundesrepublik Deutschland dafür stark, dass dieses traditionsreiche Handwerk als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt wird. Voraussichtlich Ende 2022 dürfte der dafür zuständige Ausschuss der UN-Organisation über die gestellten Anträge entscheiden.

Wie Josef Freuding vom Arbeitskreis „Heimtgeschichte“ dem Kreisbote in einem Gespräch erklärte, sei auch Pforzen daran interessiert, dieses Projekt zu verwirklichen. Schließlich könne sich die Gemeinde Pforzen in ihrer langen und bewegten Vergangenheit, auch „südlichstes Flößerdorf an der Wertach“ nennen. Das Wissen über altes Brauchtum und die Geschichte eines altehrwürdigen Handwerks im Gedächtnis nachfolgender Generationen zu verankern, sei von Anfang an das erklärte Ziel des Arbeitskreises „Heimatgeschichte“ gewesen. Wie Freuding ausführte, seien die Flößer für die Kultur und die Geschichte von Pforzen samt den umliegenden Gemeinden jahrhundertelang ein prägender Faktor gewesen und so bleibe speziell die Wertachflößerei in der Erinnerungskultur ein wichtiges Anliegen.

Reger Transportverkehr auf der Wertach

Zwar konnte sich die Wertach –was die Flößerei betrifft – nie mit dem benachbarten Lech messen, jedoch könne dieser Fluß, nach Meinung Freudings, trotzdem als viel genutzter und bedeutender Transportweg in Richtung Augsburg bezeichnet werden. Jahrhundertelang wurde mit Flößen das begehrte Holz in die holzarmen Gebiete des schwäbischen Flachlandes befördert. Dazu kamen im Laufe der Zeit noch weitere Güter, wie beispielsweise Baumaterial, Unmengen an Brennholz, Gemüse, in Fässer verpackter Käse und sogar Vieh zur Versorgung der Bevölkerung in den ständig größer werdenden Städten. Manche dieser Transporte gingen dann sogar donauabwärts in Richtung Wien.

Seit dem 13. Jahrhundert wurden, laut Aufzeichnungen, die Alpenflüsse Iller, Lech und Wertach als kostengünstige Transportwege genutzt. Nachdem Holz für die unterschiedlichsten Zwecke und Bedürfnisse in großen Mengen gebraucht wurde, waren über Jahrhunderte hinweg die ausgedehnten Wälder im Voralpenraum – im Ostallgäu vor allem die Wälder um die Reichsabtei Irsee – von großem Interesse. Die Nähe zur Wertach und damit die Möglichkeit, das geschlagene Holz ohne größere Probleme verhältnismäßig leicht transportieren zu können, sorgten für einen raschen Aufschwung. Und so entwickelte sich Pforzen in kürzester Zeit zum „Flößerdorf“, dem südlichsten an der Wertach. Holzhandel und Flößerei wurden so für lange Zeit zu zwei wichtigen Faktoren im Wirtschaftsleben der gesamten Region.

Wann das erste Floß auf der Wertach unterwegs war, lasse sich, wie Rudi Stiening vom Pforzener Arbeitskreis „Heimatgeschichte“ erklärt, nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Es dürfte etwa Ende des 13. Jahrhunderts gewesen sein. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren fortan Flöße auf der Wertach in Richtung Augsburg. Jedoch nahm der Umfang im Laufe der Zeit merklich ab. Mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Augsburg nach Kaufbeuren endete die Flößerei dann endgültig.

Der Floßnachbau erinnert an die Tradition der Flößerei auf der Wertach.

Als Erinnerungskultur weiter pflegen

Die Wertachflößerei in all ihren Facetten soll nun durch einen Infostand, der im Bereich des Pforzener Kreisverkehrs in Wertachnähe errichtet wird, allen heimatverbundenen Mitbürgerinnen und -bürgern nahe gebracht werden. Geplant ist auch, nach den derzeitigen Corona-Beschränkungen ein Treffen der Flößernachkommen und geschichtlich interessierter Heimatfreunde in Pforzen zu organisieren. Dabei soll auch ein Schmal­film gezeigt werden der Anfang der 1980er Jahre entstanden ist. Damals hatten unternehmungslustige Pforzener – unter anderem Willi Schmid, Martin Schafnitzel sen., Johann Neumayr, Ludwig Satl, Wendelin Barnsteiner und Georg Unsin – ein Floß nachgebaut und sich auf der Wertach bis zum Schlingener Stausee treiben lassen. Was für die Beteiligten und Zuschauer ein tolles Erlebnis war. Klaus Auger bewahrte dieses auf Zelluloid als ein Stück heimatliche Geschichte für die Nachwelt.

Klaus-Dieter Körber 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Angelika Laussers erhält Bundesverdienstkreuz
Angelika Laussers erhält Bundesverdienstkreuz
Überholmanöver missglückt – Unfallzeugin gesucht
Überholmanöver missglückt – Unfallzeugin gesucht
Nach EM-Spiel: 73-Jähriger will zwei Buben schlagen und treten
Nach EM-Spiel: 73-Jähriger will zwei Buben schlagen und treten

Kommentare