Flüchtlingshilfe Rieden unterstützt Schließung der Gemeinschaftsunterkunft

"Es gibt nur eins: Schließung!"

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In Rieden gibt es derzeit starke Forderungen nach einer Schließung der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge.

Rieden – Auch die Flüchtlingshilfe Rieden unterstützt die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft in der Gemeinde. In der jüngsten Gemeinderatssitzung verlas Riedens Zweiter Bürgermeister Johann Echter eine entsprechende Stellungnahme der Organisation.

Um in der Diskussion über die mögliche Schließung der Gemeinschaftsunterkunft in Rieden ihre Sicht der Dinge darzustellen, hatte die Flüchtlingshilfe Rieden eine Stellungnahme zu der Resolution des Gemeinderates vom 4. September abgegeben (wir berichteten). Darin hatten die Gemeinderäte die Bayerische Staatsregierung aufgefordert, die Gemeinschaftsunterkunft zum Ende dieses Jahres zu schließen. An eben jene Adresse ging jetzt auch die Stellungnahme der Flüchtlingshilfe. Zur Überraschung für viele befürwortet die Flüchtlingshilfe Rieden die Schließung der seit 37 Jahren bestehenden Gemeinschaftsunterkunft. Die Gründe lägen aber nicht nur im Zustand des Gebäudes, sondern „ausdrücklich auch an den Rahmenbedingungen am Standort“.

Riedens zweiter Bürgermeister Echter verlas in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Wortlaut der Stellungnahme, in der die Flüchtlingshilfe Rieden ihre Forderung begründete: Nach heutigen Maßstäben sei es demnach nicht mehr zumutbar, Menschen monate- und jahrelang in viel zu kleinen Unterkünften „einzupferchen“. In der Unterkunft gebe es keine Ausweich-, keine Gemeinschaftsräume, kein Spielzimmer. Der bauliche Zustand des Gebäudes sei „miserabel“. Die Waschräume und Toiletten seien unzureichend und nicht nach Geschlechtern getrennt.

Das Fachpersonal vor Ort sei zu gering für eine Einrichtung mit 60 bis 70 Personen. Reparaturen würden zu lange oder gar nicht ausgeführt. Es gebe niemanden, der ständig auf Ordnung und Sauberkeit achten würde, der Hausmeister sei auch nur an bestimmten Tagen stundenweise vor Ort.

Die Asylberatung durch die Caritas sei mit drei Stunden wöchentlich viel zu wenig und es gebe bei Urlaub oder Krankheit keine Vertretung. Asylberaterin Eva Nowak von der Caritas bestätigte auf Nachfrage des Kreisbote die starke Nutzung des Angebotes vor Ort: „Die stehen regelmäßig Schlange“. Und manchmal sei sie auch fünf Stunden vor Ort, weil so viel Fragen anstünden. Es gebe auch niemanden, der ihnen das Leben in Deutschland erkläre, so die Flüchtlingshilfe weiter.

Besonders wichtig seien aber die mangelhaften Rahmenbedingungen des Standortes Rieden, was eher zu einer „Desintegration“ führe, heißt es in der Stellungnahme der Flüchtlingshilfe: Die Infrastruktur im Ort habe sich über die Jahre verschlechtert. Inzwischen sei kein Arzt, keine Apotheke, keine Bank, keine Schule, und keinerlei Einkaufsmöglichkeiten mehr in Rieden oder im nahen Zellerberg gegeben. Die Busanbindung nach Kaufbeuren sei mehr als unzureichend. Der Bus gehe alle zwei Stunden bis zur letzten Rückfahrt aus Kaufbeuren um 17.25 Uhr und koste hin- und zurück 7,70 Euro. Die Ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe Rieden schlossen sich daher der Forderung der Gemeinde Rieden an: Die Gemeinschaftsunterkunft Rieden soll schnellstmöglich geschlossen werden.

Runder Tisch angeregt

Auf Nachfrage durch den Kreisbote unternehme die Regierung von Schwaben allerdings erhebliche Aufwendungen zum Erhalt der Gemeinschaftsunterkunft. Details wollte die Behörde jedoch nicht nennen.

Als Antwort auf die Resolution vom 4. September war bisher lediglich ein Schreiben der Bayerischen Staatskanzlei eingegangen, in dem auf die Weiterleitung an das zuständige Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration verwiesen wurde.

In einem Schreiben vor einer Woche wurde von der Regierung von Schwaben, die beim Gebäude selbst keine baulichen Mängel sieht (wir berichteten), ein Runder Tisch unter Leitung des Regierungspräsidenten angeregt. Die Gemeinde wolle nun Vorschläge zu den Teilnehmern und Terminen übermitteln.

Dabei stellte Echter die Sinnhaftigkeit eines solchen Runden Tisches in Frage, denn: „Es gibt nur eins: Schließung!“ Abschließend appellierte er an den Mieter (Regierung von Schwaben) und den Vermieter der Gemeinschaftsunterkunft: „Verlängern Sie den Mietvertrag nicht!“

von Wolfgang Krusche

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