Ein Hort der Sicherheit

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Hort der Sicherheit: Die beiden Gebäude an der Neugablonzer Straße sind für insgesamt rund 200 Flüchtlinge vorgesehen. Das rechte Haus ist bereits belegt, das Linke folgt voraussichtlich im Januar.

Kaufbeuren – Rund 100 Flüchtlinge sind in dem Haus an der Neugablonzer Straße untergebracht, größtenteils Familien aus Syrien und Afghanistan. Aber auch Männer aus Pakistan und Eritrea sind dort eingezogen. Ein zweites Gebäude daneben steht unmittelbar vor der Fertigstellung.

Die beiden Häuser wurden komplett saniert und von der Regierung von Schwaben (RgvSchw) langfristig angemietet. Über den Stand der Dinge informierte sich MdL und Stadtrat Bernhard Pohl (FW) in einem Gespräch mit Günther Kamleiter vom Arbeitskreis Asyl vor Ort.

Wie Kamleiter berichtet, sind in dem nach jetzigem Standard sanierten Haus sieben Familien aus Syrien und drei aus Afghanistan mit jeweils bis zu acht Personen sowie insgesamt 26 Männer aus Eritrea und Pakistan untergebracht. Ursprünglich seien für beide Gebäude zusammen etwa 150 Personen geplant gewesen, die nunmehr dichtere Belegung im jetzigen Gebäude resultiere aus der überwiegenden Belegung mit Familien. „Eine abgeschlossene Wohnung ist trotz Enge besser“, so der Leiter vom Arbeitskreis Asyl, „bei der dezentralen Unterbringung mit vielen kleine Einheiten ist auch die persönliche und soziale Ebene besser erreichbar.“ Allerdings müssten die Nachbarn mit einbezogen werden.

Lücken in Betreuung 

Im Erdgeschoss ist eine Wohnung als Ansprechstelle für die fachliche Beratung durch die Caritas und die bisher rein ehrenamtliche Betreuung durch den Arbeitskreis Asyl reserviert. „Es gibt“, so Kamleiter, „in den von der RgvSchw angemieteten Unterkünften große Lücken in der Betreuung.“ Ein Mitarbeiter sei für alle Unterkünfte in mehreren Städten zuständig.

„Bei den städtischen Unterkünften dagegen läuft es sowohl bei der Sozialarbeit als auch im Hausmeisterbereich gut“, berichtete der Arbeitskreisleiter. Pohl informierte darüber, dass durch den Freistaat ein Gesetz auf dem Weg gebracht worden sei, das zukünftig einen hauptamtlichen Betreuer für 75 Flüchtlinge vorsehe.

Bei den Kaufbeurer Bürgern ist nach den Worten Kamleiters „eine wahnsinnig gute Stimmung vorhanden“. Die Bereitschaft zur Hilfe sei hoch. Er bittet jedoch, die Sachspenden nicht an den Unterkünften vor Ort, sondern an den bekannten zentralen Sammelstellen abzugeben, da so eine sinnvolle Verteilung erfolgen könne. Ein weiterer Wunsch ist ein Zaun zur Neugablonzer Straße, der das abschüssige Gelände gerade bei Ballspielen von Kindern absichern würde.

Die angekommenen Flüchtlinge seien laut Kamleiter, nach deren Schilderungen bis zu zwei Monaten auf der Flucht gewesen. Die Anhörung im Asylverfahren durch das Bundesamt für Migration ist aber erst zwischen Juni und Dezember 2016 möglich. Bis dahin gelte die Aufenthaltsgestattung. Doch ein Teil der Ankömmlinge sieht den Aufenthalt zeitlich begrenzt. „Wir wollen Demokratie kennenlernen und irgendwann wieder zurück in unsere Heimat, um einen neuen Staat aufzubauen“, so die Aussage von Syrern, wie sie Kamleiter selbst gehört hat.

„Der Staat muss dringend mit bezahlbarem Wohnraum aktiv werden“, lautet eine laut Pohl schon lange formulierte Forderung. Dazu gehöre auch das Aussetzen der kostentreibenden Energieeinsparverordnung 2016 nicht nur für die Sanierung von Flüchtlingsheimen, sondern ebenso für den sozialen Wohnungsbau, auf dessen Feld er sich ein stärkeres Engagement der Stadt Kaufbeuren wünscht. Leider seien dahin gehende Initiativen im bayerischen Landtag bisher gescheitert. „Wir dürfen Flüchtlinge nicht gegen sozial Schwache ausspielen“, so die eindringliche Botschaft Pohls.

von Wolfgang Becker

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