Geothermie: Öffentlichkeitsbeteiligung für Forschungsvorhaben bei Mauerstetten

Mit hohem Druck durch das Gestein

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So wie hier in Unterföhring soll das heiße Tiefenwasser auch bald in Mauerstetten sprudeln. Vorausgesetzt, die neuen Versuche führen zum Erfolg.

Ostallgäu – Einst herrschte beim Wort Geothermie noch echte Goldgräberstimmung. Die Aussicht, dass man mit heißem Wasser aus der Tiefe auch genügend Geld in die Taschen sprudeln lassen kann, war und ist verlockend. So auch auf einem Areal bei Mauerstetten.

Große Erwartungen hegten die Experten, als man auf einem Gelände bei Mauerstetten von 2007 bis 2009 rund 4000 Meter in die Tiefe bohrte, um im Rahmen eines Geothermie-Projekts auf die „Goldader“ heißes Wasser zu stoßen. Doch schnell wich die anfängliche Euphorie der Ernüchterung. Denn statt der erhofften stark sprudelnden Quelle aus der Tiefe plätscherte es eher aus dem Rohr. Schnell war klar: Die entdeckte Fördermenge reichte nicht aus für eine wirtschaftliche Nutzung. Das ließ das damals federführende Unternehmen Exorka verlauten. Jetzt soll aber ein neuer Versuch unternommen werden, doch noch genügend Tiefenwasser zu finden. Dabei stellt das Bohrfeld bei Mauerstetten nunmehr ein Testobjekt dar. Im Rahmen eines Forschungsprojekts plant die Exorka GmbH in Zusammenarbeit mit der technischen Universität Bergakademie Freiberg, dem GeoForschungszentrum Potsdam und der Universität Stuttgart, an der bestehenden Bohrung zu untersuchen, ob es möglich ist, ein ehemals nicht fündiges Projekt in ein wirtschaftliches fündiges Geothermie-Projekt weiter zu entwickeln. Das Vorhaben wird vom Bundesumweltministerium gefördert. Die ursprünglichen Pläne sahen damals vor, mittels Geothermie die umliegenden Gemeinden mit Erdwärme zu versorgen sowie Strom zu produzieren. Die dafür benötige Fördermenge an heißem Wasser konnte aufgrund der dort gegebenen geologischen Verhältnisse jedoch nicht erreicht werden. Laut Curd Bems, Geschäftsführer von Geysir Europe, hoffe man nun, in Mauerstetten doch noch fündig zu werden. Seine Zuversicht zieht er aus neuen Messergebnissen. Während im Großraum München gut durchlässige sogenannte „Riffstrukturen“, die zu einer erhöhten Wasserdurchlässigkeit führen, im Malm weit verbreitet sind, ist die Wasserdurchlässigkeit unter Mauerstetten nicht so hoch. Die Wegsamkeiten (Risse), die ursprünglich vorhanden waren, wurden im Laufe der Erdgeschichte verfüllt. Im Forschungsprojekt soll nun versucht werden, diese Durchlässigkeit wieder herzustellen. Dazu sollen neben geophysikalischen Messungen, über das vorhandene Bohrloch mittels hydraulischem Druck die Gesteinsrisse vergrößert werden, um eben die Durchlässigkeit zu erhöhen oder mögliche Wasservorkommen zu erschließen. Seit Bekanntwerden dieses Vorhabens werden aber auch immer mehr kritische Stimmen laut. Vor Ort sind das vor allem der Bund Naturschutz sowie der Agenda Arbeitskreis Klimaschutz Kaufbeuren. Neben möglichen Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers befürchten die Gegner auch Erschütterungen, die zu Schäden an der Oberfläche führen könnten. 

Zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen 

Die Betreiberfirma Exorka sowie deren Gesellschaft Geysir Europe GmbH verweisen hingegen auf zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen. So sei unter anderem ein „seismisches Monitoring“ geplant, es werden Höhenpunkte eingemessen, um auszuschließen, dass es zu Hebungen an der Erdoberfläche kommt. So will man sicherstellen, jederzeit auf etwaige Veränderungen an der Oberfläche frühzeitig reagieren zu können. Gerade dieses Monitoring ist auch Teil des Forschungsprogramms. 

Zwei Phasen geplant 

Der Hauptbetriebsplan für das „Forschungsprojekt zur Erforschung der Verbesserung eines tiefengeothermischen Systems im Allgäu“ – so die offizielle Bezeichnung – sieht zwei Phasen vor. Die erste Phase erstreckt sich bis Mitte 2013, die zweite wird voraussichtlich Ende 2014 abgeschlossen werden. Zwischen beiden Abschnitten steht laut Betriebsplan eine zwei bis drei Monate andauernde Phase, in der die gewonnen Ergebnisse ausgewertet werden und über eine Fortführung des Projektes entschieden wird. 

Bedenken sind vorhanden 

Das Verfahren, durch hydraulischen Druck und Zusätze im Wasser die im Gestein nicht gegebene Durchlässigkeit zu schaffen, ist auch in der öffentlichen Diskussion nicht unumstritten. Vor allem das Verfahren „Hydraulic Fracturing“ (hydraulisches Frakturieren, Aufbrechen) steht hierbei im Fokus. Auch hier wird in eine technische Tiefbohrung eine Flüssigkeit („Fracfluid“) eingepresst, um im Reservoirgestein Risse zu erzeugen, diese aufzuweiten und zu stabilisieren. Dadurch wird die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit (im Fall Mauerstetten eben Tiefenwasser) der Gesteinsschicht erhöht, so dass Fluide wie Erdgas, Erdöl oder eben Wasser nun leichter zur Bohrung hinfließen können. Durch „Fracking“ wird der Wirkungsgrad von Geothermiebohrungen erhöht, weil das warme Gestein besser vom Wasser durchströmt wird und das Wasser mehr Wärme aufnimmt. Von den Gegnern wird unter anderem das Bohrlochwasser als problematisch angesehen, welches – unter Druck und mit giftigen Chemikalien versehen – in die Tiefe gepresst wird. Laut Experten ist dieses Bohrlochwasser, da es aus dem Fördergestein herausgepumpt wird, allein oft dadurch schon deutlich stärker mit umweltschädlichen Stoffen versetzt als noch zuvor. In Mauerstetten will man jedoch darauf verzichten, giftige Chemikalien zu verwenden. „Es erfolgt kein Einsatz gefährlicher Stoffe“, heißt es hierzu im Hauptbetriebsplan. Vielmehr werde verdünnte Salz- und Kohlensäure zur Verbesserung der Durchlässigkeit des Gesteins eingesetzt. Dieses Verfahren werde laut dem Hauptbetriebsplan seit mehr als 70 Jahren in der Erdöl-Erdgas-Technologie durchgeführt. Da sich die Säure im Zeitraum von Stunden im Malmgestein abreagiere, sei eine Beeinflussung des Grundwassers nicht zu befürchten. Auch das „Förderwasser“ werde je nach analytischer Einstufung unter Einhaltung der Einleitbestimmungen über den Abwasserzweckver- band oder bei einer erhöhten Belastung über ein spezialisiertes Fachunternehmen abgeleitet beziehungsweise ent- sorgt. Damit endet Phase eins und die Bohrungen werden für die Dauer der Datenauswertung verschlossen. Liegen die Ergebnisse vor, wird es zu einer Fortführung oder zu einem Abbruch des Gesamtprojektes kommen. Die Phase zwei hat zum Ziel, die Bedingungen zur Gewinnung von Heißwasser nachzuweisen und im Falle eines Erfolgs auch die langfristige Förderleistung der Bohrung einzuschätzen. Wie Curd Bems betonte, habe die Phase zwei insofern eine weit über die konkrete Bohrung in Mauerstetten hinausgehende Bedeutung, da hier in der Praxis alle bisher bekannten technischen Möglichkeiten der geothermischen Energiegewinnung aus dem gering durchlässigem Malm, wie er eben in Mauerstetten vorliegt, erprobt werden. „Die Ergebnisse dieser zweiten Testphase sind besonders für zukünftige, primär nicht fündige Geothermieprojekte im Malm interessant“, so Brems. Noch bis zum 27. Februar führt das Bergamt Südbayern als zuständige Zulassungsbehörde eine öffentliche Auslegung des Betriebsplanantrags durch. Dieser kann im Rathaus der Gemeinde Mauerstetten sowie im Bürgerbüro der Stadt Kaufbeuren eingesehen werden. Darüber hinaus ist er auf der Internetseite www.regierung.oberbayern.bayern.de zu finden. von Kai Lorenz

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