Verlorenes Paradies

+
Buchautorin und Fotografin Lina Mann dokumentiert das Leben und die Probleme der Xingu-Anrainer.

Kaufbeuren – Fast intim verlief die Vernissage zu der Fotoausstellung „Das verlorene Paradies in Amazonien“ in der Kaufbeurer Sparkassen-Passage. Gezeigt werden vom 3. bis 21. Februar Bilder aus dem brasilianischen Regenwald von der Autorin und Fotografin Lina Mann. Bereits fünf Mal bereiste sie Peru und Brasilien.

Am Fluss Xingu, einem der längsten Nebenflüsse des Amazonas und einem der wenigen Klarwasserflüsse, lernte sie auf ihren Reisen die Menschen kennen, die dort hauptsächlich vom Fischfang und als Kleinbauern leben, ihren einfachen Alltag und eine von Herzen kommende Gastlichkeit. Die Fotos von Lina Mann sind außerdem eindrucksvolle Zeugnisse vom Überlebenskampf der Xingu-Anrainer: Durch das staatliche Staudammprojekt Belo Monte sollen 40.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden „und ein Paradies wird für immer verloren sein“. 

Die Kritik am Staudammprojekt betrifft laut Wikipedia vor allem die Auswirkungen auf Natur und Umwelt durch die Überflutung von etwa 516 Quadratkilometer Ackerland und wertvollem Regenwald sowie die geplante Umsiedlung von Menschen, darunter Ureinwohner. Der gewonnene Strom diene nicht primär den Menschen in der Region, sondern vor allem der energieintensiven Montanindustrie. Daneben wird auch die staatliche Finanzierung kritisiert und die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt. Unterstützt werden die Einheimischen in ihrem Kampf unter anderem vom Träger des alternativen Nobelpreises, Bischof Dom Erwin Kräutler. 

Die Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren lädt zu dieser –mit Hörbuch-CD und Erläuterungsblatt in Brailleschrift inklusiven – Ausstellung ein als Einstimmung auf die diözesane Eröffnung der Misereor-Fastenaktion 2016 in Kaufbeuren am Sonntag, den 21. Februar von 10 bis 16 Uhr. Die diesjährige Misereor-Fastenaktion steht unter dem Motto „Das Recht ströme wie Wasser“. Anhand des Projektlandes Brasilien wird das Recht auf sauberes Wasser thematisiert. 

Jurandir Alves da Silva, tätig in der brasilianischen Kommission für Landpastoral, berichtet in Kaufbeuren von seinem Kampf zusammen mit der indigenen Bevölkerung, die teilweise unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen, für ein Leben in Gerechtigkeit. 

An der Eröffnungsveranstaltung wirken über 30 Gruppen und Organisationen mit. Pastoralassistent Michael Rösch freut sich, dass ein abwechslungsreiches Programm für die Misereor-Eröffnung zustande kam und sagt: „Die Stärke an dem Tag ist, dass sich unterschiedliche, auch zahlreiche nichtkirchliche Gruppierungen einbringen – von der Sambagruppe über Kolping bis hin zum Wasserwerk und Weltladen.“ Beginn ist um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in St. Peter und Paul (Barbarossastraße 23, Kaufbeu­ren) mit dem Gospelchor St. Martin. 

Nach dem Grußwort von Oberbürgermeister Stefan Bosse sind alle Besucher zum Solidaritätsessen in die angrenzende Konradin-Schule eingeladen. Im Anschluss finden unterschiedliche Programmpunkte statt. Es werden Bastelangebote für Kinder, Vorträge, Musikauftritte, Informations- und Verkaufsstände präsentiert. 

Das ausführliche Programm ist online auf der Homepage www.misereoreroeffnung.de einzusehen. Außerdem liegen auch Plakate und die 24-seitigen Programmhefte in Geschäften und Kirchen Kaufbeurens aus.

von Ingrid Zasche

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Gnadenfrist fürs Eisstadion?
Gnadenfrist fürs Eisstadion?
Mauerreste entdeckt
Mauerreste entdeckt
Hat der Standort Kaufbeuren eine Chance?
Hat der Standort Kaufbeuren eine Chance?

Kommentare