François Gautier ist ein Pfennigfuchser

Kinotipp: "Nichts zu verschenken"

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François Gautier (Dany Boon) kontrolliert die Summe seines Einkaufs.

Das Leben ist eine teure Angelegenheit. Miete, Lebensmittel, Kleidung, Strom, Handy und manches mehr muss bezahlt werden. Vieles davon ist zum Leben notwendig, einiges ist purer Luxus. Für einen Sparfuchs ist jedoch bereits das Einschalten einer Lampe bei Einbruch der Dunkelheit eine irrsinnige Tat, solange auch die Straßenlaterne ausreichend Licht bieten kann. Was durchaus absurd klingt, ist in der französischen Komödie „Nichts zu verschenken“ eine alltägliche Handlung, um Geld zu sparen.

Inhalt

Violinist François Gautier (Dany Boon) ist ein ausgekochter Pfennigfuchser. Geld zu sparen verschafft ihm Glückseligkeit und Befriedigung. Geld auszugeben bringt ihn jedoch ins Schwitzen und verursacht sogar Panikattacken. Er ist stets darauf bedacht, seine „Macke“ zu vertuschen, auch wenn er sein Sozialleben bereits auf ein Minimum begrenzt hat. Als eines Tages die 16-jährige Laura (Noémie Schmidt) vor seiner Tür steht und behauptet, seine Tochter zu sein, rollt eine Lawine an Kosten und Problemen auf François zu. Laura gibt weder das Geld mit vollen Händen aus, noch pflegt sie ein teures Hobby. Doch sie schaltet stets das Licht in dunklen Räumen an und genießt morgens eine heiße Dusche, wodurch sie ihren Vater bereits zur Weißglut bringt. Zudem bringt die plötzlich unerwartete Zuneigung einer neuen Kollegin, der Cellistin Valérie (Laurence Arné), nicht nur François’ Gefühlswelt, sondern auch sein Sparkonzept durcheinander.

Rezension

Schauspieler Dany Boon ist für seine eigenwilligen und vor allem exzentrischen Rollen bekannt. Ob als unsympathischer Zollbeamte in „Nichts zu verzollen“, als „Super-Hypochonder“ oder hasserfüllter Ex-Mann in „Eyjafjallajökull“, die von Boon gespielten Figuren haben es nie leicht. Immer werden sie mit Ängsten oder unerwarteten Situationen konfrontiert, die sie an ihre Grenzen bringen. Und daher ist es auch keine große Überraschung, dass es in der Komödie „Nichts zu verschenken“ wieder turbulent zugeht. Boon verkörpert einen notorisch sparenden Violinisten, der nur das Nötigste für sein Leben ausgibt. Von seinen Kollegen milde belächelt, nimmt er jede Veranstaltung mit kostenlosem Essen gerne an, würde aber nie im Leben etwas für andere ausgeben.

Stets auf sein Guthaben bedacht, spart François an allen Ecken und Enden. Dass dabei völlig surreale Sparmaßnahmen entstehen, erklärt sich von selbst. Daraus ergeben sich zahlreiche komische Situationen, die für Unterhaltung sorgen. Wenn sich François Kleidung leiht, sich von längst abgelaufenen Lebensmitteln ernährt, auf Kosten des Nachbarn telefoniert, im Schein der Straßenlaterne liest und im Supermarkt den Bon fix per Taschenrechner kontrolliert, muss man zwangsläufig lachen. Die gegensätzlichen Ansichten von Vater und Tochter sind überspitzt in Szene gesetzt und bergen ebenfalls die Komik in sich. Und auch das konträre Leben zwischen François und dessen alleinerziehenden Nachbarn sorgt für einige humorvolle Momente. Wie bei französischen Komödien durchaus bekannt, sind den Peinlichkeiten keine Grenzen gesetzt. Und so darf man sich auch bei „Nichts zu verschenken“ über einige Szenen des Fremdschämens freuen.

Dennoch gelingt es Fred Cavayé, nie die Grenze des schlechten Geschmacks zu übertreten. Dies mag wahrscheinlich auch daran liegen, dass die anfänglich oberflächliche Geschichte mit einer Prise Dramatik gewürzt ist. Denn das plötzliche Erscheinen von François´ Tochter ist nicht grundlos, was sich im Laufe der Geschichte erklärt. Ihr Besuch hat einen durchaus ernsten Grund, der François zum Nachdenken anregt und ihm sogar zu einem Charakterwechsel verleitet. Denn was bringt einem das größte Vermögen auf dem Konto, wenn man es mit Niemanden teilen kann. Und so endet die Komödie mit einem sehr versöhnlichen Ende, das den Zuschauer mit einem wohligen Gefühl aus dem Kino entlässt.

von Sandy Kolbuch

Zum Film:

Originaltitel: Radin!

Land: Frankreich 2016

FSK: 0

Regisseur: Fred Cavayé

Darsteller: Dany Boon, Noémie Schmidt, Laurence Arné, Patrick Ridremont, Christophe Canard, Sébastien Chabal u.a.

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