Mehr Anstrengungen nötig

Freie Wähler fordern Wohnbau-Offensive in Kaufbeuren

Eisenbahnerhäuschen in Kaufbeuren
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Der Meinung der Freien Wähler nach, böte sich am Standort der sogenannten Eisenbahnerhäuschen genügend Raum für 62 neue Wohnungen.

Kaufbeuren – Kaufbeuren wächst stetig. Zwischenzeitlich liegt die Stadt unter den 25 kreisfreien Städten in Bayern an 19. Stelle, was die Einwohnerzahl betrifft. Nach einer Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamts für 2039 liegt Kaufbeuren beim Bevölkerungswachstum nach Landshut, München und Fürth gemeinsam mit Ingolstadt auf Platz vier, deutlich vor Memmingen und Kempten. Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) sieht nun dringenden Handlungsbedarf.

„Wir hätten die Riesenchance gehabt, von der Altstadt bis zum Bahnhof ein neues Stadtviertel zu entwickeln und haben stattdessen ein Forettle-Center gebaut“, bemängelt Pohl das Vorgehen der Stadt. Die sich nun bietenden Chancen dürften nicht leichtfertig verspielt werden, fordert er.

Sein Stadtrats- und Fraktionskollege Peter Kempf sieht hierbei auch einen klaren Zusammenhang zur wirtschaftlichen Entwicklung und der Steuerkraft der Stadt: „Wir dürfen nicht immer jammern, die kreisfreie Stadt in Bayern mit den geringsten Steuereinnahmen zu sein. Wir müssen aktiv etwas dagegen tun.“ Er ist ebenfalls überzeugt, dass der Zuzug aus München bereits stattfindet. Mehr noch, dass dieser zunehmen wird, weil sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren verändere. „Durch die Zunahme von Homeoffice wird sich für viele das Pendeln nach München auf wenige Tage pro Woche reduzieren“, prognostiziert Kempf, der im Stadtrat dem Ausschuss für Finanzen und Verwaltung angehört.

Für die heimische Bevölkerung müsse Wohnen auch weiterhin bezahlbar bleiben, so Kempf. „Nur mit einem erheblichen Zuwachs an Wohnungen werden wir das derzeitige Preisniveau einigermaßen stabil halten können. Wohnraumverknappung führt zu steigenden Preisen. Das kann ernsthaft niemand wollen“, stellt der Stadtrat fest. Er kritisiert auch nachdrücklich, dass der Oberbürgermeister das Vorhaben abgeblasen habe, in der Füssener Straße am Standort der Eisenbahnerhäuschen 62 neue Wohnungen durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft zu errichten. „Dieser Schnellschuss ist mir völlig unbegreiflich.“

Es hätte ein Konzept erstellt werden sollen, das den Interessen der Stadt, preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, ebenso gerecht wird wie den Belangen des Denkmalschutzes. Ohne das Konzept abzuwarten, das vom Freistaat mit 90 Prozent bezuschusst worden wäre, hat die Stadt davon Abstand genommen. „Dabei ist eines für mich klar: Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle, auch für Sozialbedürftige. Die Aussage, wir wollen nicht noch mehr einkommensschwache Menschen in unserer Stadt haben, empfinde ich als deplatziert“, resümiert Kempf.

Pohl widerspricht den Bedenken, die Stadtfläche von Kaufbeuren reiche für eine offensive Siedlungspolitik nicht aus. Er weist darauf hin, dass Kaufbeuren mit einer Fläche von 40 Quadratkilometern 46.000 Einwohner habe, Rosenheim hingegen habe bei einer Fläche von 37 Quadratkilometern 62.000 Einwohner. Maßgeblich sei eine vernünftige gesamtstädtische Planung. Ein Faktor sei, dass die Stadt das Selbstbewusstsein haben sollte, in die Höhe zu bauen. „Auch der Überbau von Parkplätzen und Verkehrsflächen muss endlich untersucht und in Angriff genommen werden“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Die Freien Wähler hätten vor, demnächst in der Stadtpolitik aktiv zu werden und dabei stärkere Anstrengungen einzufordern. Peter Kempf sieht neben der Schaffung von Bauland für private Investoren, insbesondere auch die Genossenschaften und die Stadt selbst im Fokus: „Der Staat gibt erhebliche Fördermittel, das Zinsniveau ist nach wie vor niedrig. Das sind doch ideale Voraussetzungen, um sich von Seiten der Stadt stärker zu engagieren.“

Beide Politiker sehen darin auch die Chance, Handel und Gastronomie in der Altstadt und in Neugablonz spürbar zu beleben. Neben der Aufgabe der Pandemiebekämpfung ist das für sie das zentrale Thema des nächsten Jahres.

kb

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