Baureferatsleiter bremst ein

Freie Wähler Kaufbeuren stellen Konzept zum alten Eisstadion vor

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Ist im alten Eisstadion eine multifunktionale Nutzung möglich? Die Freien Wähler wollen die Machbarkeit ermitteln lassen.

Kaufbeuren – Ein neues Konzept zur Nutzung des alten Eisstadions im Jordanpark hat die Gruppe der jungen Freien Wähler gemeinsam mit OB-Kandidatin Bernadette Glückmann und dem Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl vorgestellt. „Ich freue mich über diesen wirklich interessanten und innovativen Ansatz, den unsere Nachwuchspolitiker erarbeitet haben. Gern haben wir die Vorschläge aufgegriffen und werden sie auch politisch weiterverfolgen“, freut sich Pohl als Vorsitzender der Freien Wähler (FW) in Kaufbeuren.

Felix Martin, angehender Ingenieur, bringt es auf den Punkt: „Warum sollten wir das alte Eisstadion nicht genauso nutzen wie in den vergangenen Jahrzehnten, nämlich für den Eissport? Es ist eine völlig unverantwortliche Ressourcenverschwendung, jetzt das alte Stadion abzureißen und teuer zu entsorgen, um dann in einigen Jahren auf der grünen Wiese eine komplett neue zweite Eisfläche zu bauen. Das ist sowohl ökonomisch als auch ökologisch völlig unsinnig!“

Mit dieser Lösung möchten die FW mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie wollen insbesondere denen den Wind aus den Segeln nehmen, die meinen, eine Multifunktionsnutzung der erdgas schwaben arena vertrage sich nicht mit den Interessen des Eissports. Alexander Folter, von Beruf Wirtschaftsingenieur, erinnert an den damaligen Bürger­entscheid: „Bei der Abstimmung pro oder contra Eisstadion haben die Befürworter damit geworben, dass die Halle nicht nur für den Eissport zur Verfügung steht, sondern multifunktional genutzt werden soll.“ (Anm. d. Red.: Das hat Oberbürgermeister Stefan Bosse in jüngster Vergangenheit mehrfach dementiert). Eine derart hohe Investition sei laut Folter auch nur zu rechtfertigen, wenn die Halle allen Bürgern für Veranstaltungen zur Verfügung stehe. „Es ist ja völlig unstrittig, dass wir in Kaufbeuren eine neue Veranstaltungshalle brauchen. Wir nutzen aber den Bestand und geben kein neues Geld aus“, so Folter.

„Die Arena hat vor allen anderen Veranstaltungshallen einen einzigartigen Vorteil: sie verfügt mit der Nutzung durch den ESV Kaufbeu­ren über eine Grundauslastung, jede Veranstaltung außerhalb des Eissports verbessert das Betriebsergebnis“, hebt Gymnasiallehrer Dominik Maurus die betriebswirtschaftliche Konstellation der erdgas schwaben arena hervor. „Würden wir eine neue Veranstaltungshalle bauen, müsste man erst einmal die Frage stellen, ob wir in der Lage sind, sie mit großen und kleinen Veranstaltungen auszulasten. Vor diesem Problem steht zum Beispiel die BigBox in Kempten. Hier haben wir in Kaufbeuren durch den ESVK aber wesentlich bessere Voraussetzungen.“

Maurus weiß, dass derzeit das Gelände, auf dem das alte Eisstadion steht, auch der Fachhochschule für Studentenwohnungen angeboten wurde. Ihm ist aber auch bekannt, dass das Areal nur sehr bedingt geeignet ist und verweist auf den sumpfigen Untergrund und mögliche Altlasten. Man müsse erst eine endgültige Entscheidung abwarten und auch genau prüfen, was an der bisherigen Substanz erhalten werden kann. „Dann sollte man aber zügig in die Umsetzungsphase gehen.“

Bernadette Glückmann freut sich über „die kreativen Ideen“. „Sollte ich die Wahl gewinnen, werde ich die Verwaltung beauftragen, die Machbarkeit ganz schnell zu ermitteln. Bei mir sind gute Ideen weder abgefrühstückt noch landen sie im Papierkorb.“

Zu den Vorschlägen der CSU, statt einer Multifunktionsnutzung der Arena eine neue multifunktionale Dreifachturnhalle zu bauen (wir berichteten), bemerkt Pohl: „Ich wüsste nicht, wie wir den Bürgern eine erneute Großinvestition mit 20 Millionen Euro und mehr schmackhaft machen sollten. Die Dreifachturnhalle in Mauerstetten wird mit 15 Millionen Euro veranschlagt, und zwar nicht multifunktional. Eine notwendige Turnhalle zu bauen, ist das eine, eine unnötige Aufstockung trotz vorhandener Infrastruktur aber ist reine Geldverschwendung.“

Wie der Baureferatsleiter das FW-Konzept bewertet

Ist das Konzept der Freien Wähler (FW) zum alten Eisstadion eine Idee, die man verfolgen könnte? Diese Frage hat der Kreisbote dem städtischen Baureferatsleiter Helge Carl gestellt.

Bereits im Jahr 2014 hat die Verwaltung die Sanierung des alten Stadions alternativ zu einem Neubau untersucht, erklärt Carl. „Die damaligen Analysen ergaben, dass nur ein Teil der Dachkonstruktion erhalten werden kann. Überdies ginge der baurechtliche Bestandsschutz verloren, sodass bei einer Sanierung und Weiternutzung alle aktuellen Normen eingehalten werden müssten. Bei einem Abbruch des Daches muss die gesamte Kühltechnik vorab demontiert werden, ein Wiedereinbau ist nicht wirtschaftlich.“ Insgesamt hat der Stadtrat im Jahr 2014 in einer sechsstündigen Sondersitzung zum Eisstadion die Bestandssanierung aufgrund offenkundiger Unwirtschaftlichkeit einstimmig verworfen. „Dies gilt“, so Carl weiter, „auch für einen isolierten Abbruch der Dachkonstruktion und eine eventuelle Weiternutzung der Eistechnik“.

„Gegenüber dem Jahr 2014 hat sich die bauliche Situation der alten Arena nicht verbessert“, merkt Carl an. Die Kühltechnik ist seit Jahren außer Betrieb. Durch die Zwischennutzung durch die Freiwillige Feuerwehr Kaufbeuren und die Baugrunderkundungen der letzten Jahre sei die Eispiste laut Carl nicht mehr in betriebsfähigem Zustand. Mehr noch: „Mit 31. Dezember 2019 endete die befristete Genehmigung als provisorische Feuerwache. Seitdem darf das Gebäude nicht mehr genutzt werden“.

Carl zufolge ist der Abbruch des alten Stadions je nach Nachnutzung förderfähig. Der Staat könnte mehrere hunderttausend Euro zuschießen. „Bei einer Nutzung für den Eissport wird dies nicht möglich sein“, fügt er an.

Der Neubau einer zweiten Eisfläche auf dem hierfür reservierten Grundstück östlich des neuen Eisstadions wäre demnach wirtschaftlicher. „Doch auch dieser ist nicht finanzierbar. Eine eventuelle Weiternutzung des alten Stadions treibt nur die Kosten in die Höhe, schafft aber keinen echten Mehrwert. Sollte sich ein Großsponsor finden, würde die Verwaltung vorschlagen, eine zweite Eisfläche östlich des neuen Stadions zu errichten“, betont Carl. Grundsätzlich seien im neuen Eisstadion multifunktionale Nutzungen möglich, laut Carl jedoch nicht in dem von den FW favorisierten Umfang. „Eine Ausweitung multifunktionaler Nutzungen im Sinne der FW ginge zu Lasten des Eissports und ist insbesondere bei hochwertigen Veranstaltungen mit hohen Kosten verbunden. Diese Thematik wurde immer wieder im Stadtrat diskutiert, zuletzt bei den Haushaltsberatungen vor wenigen Wochen“ (wir berichteten).

kb/Kai Lorenz

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