Platz da! Jetzt geht es los!

Ausgezeichnete Geschäftsideen zur Belebung der Kaufbeurer Innenstadt

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Die stolzen Gewinner des Gründerwettbewerbs: Stefan Kapfer (v. li.), Philipp Linsmeier, Marta Strozycka und Kim Marc Saqualla.

Kaufbeuren –Unter dem Motto „Platz da! Für deine Idee“ hatte die Stadt Kaufbeuren gemeinsam mit der Consilio Unternehmensberatungs-GmbH und der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren eine große Freiraumoffensive ins Leben gerufen. Dabei ging es darum, die Altstadt für Besucher attraktiver zu machen und freie Geschäftsflächen zu reaktivieren.

Potenzielle Gründer, die sich mit ihrer Geschäftsidee bewarben, konnten Geldpreise und weitere Unterstützung für ihre Vorhaben gewinnen. In der vergangenen Woche wurden nun die von einer Jury ermittelten Sieger ausgezeichnet.

In der modernen Wirtschaft, so ist oft zu hören, kommt es nicht nur auf die Qualität der Produkte oder der Dienstleitungen an, sondern auch auf die Schnelligkeit, mit der sie auf den Markt kommen und dort ständig weiter entwickelt und angepasst werden.

In diesem Sinne war die Entscheidung der Jury zum Wettbewerb der Freirauminitiative sicherlich weise: Den ersten Preis erkannte sie Marta Strozycka zu, deren innovatives Damenmodegeschäft bereits in dieser Woche in der Schmiedgasse 34 eröffnet wurde. Die Gründerin bietet dort Damenmode in Übergrößen an, die jedoch nicht „vom Band“ kommt. Mithilfe eines Netzwerkes von Zulieferern werden erschwingliche Modelle in kleinen Stückzahlen produziert, die für die Kundin – und später sicherlich auch den Kunden – individuelle Lösungen darstellen.

Alle Aspekte berücksichtigt

Die Freiraumoffensive wurde im Sommer 2019 vom Stadtmarketing e.V. und der Stadt Kaufbeuren ins Leben gerufen und von der Consilio Unternehmensberatung sowie der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren finanziell und tatkräftig unterstützt. Die Fachjury bestand aus Wirtschafts- und Kulturreferentin Caroline Moser, Michaela Heinlein von der Consilio Unternehmensberatung, Bau- und Umweltreferent Helge Carl, Franz Endhardt Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kaufbeuren, dem Vorsitzenden des Tourismus- und Stadtmarketing e.V., Ulf Jäkel, sowie Gerhard Remmele von der IHK Schwaben. In dieser Zusammensetzung bot sie eine Garantie dafür, dass wirklich alle Aspekte der elf geprüften Projekte berücksichtigt und die besten und interessantesten ausgewählt und prämiert wurden.

Und so ist auch die Projektleiterin des Wettbewerbs, Citymanagerin Bilgi Dikkaya-Kaufmann, sehr zufrieden mit dem Verlauf und den Ergebnissen. „Allein schon die hohe Zahl der Bewerbungen ist ein voller Erfolg. Die Jury hatte dadurch eine große Auswahl und konnte so die am besten umsetzbaren Konzepte für Kaufbeuren herausfiltern“, schätze sie ein.

Umfassende Unterstützung

Mit der Verteilung der insgesamt 18.000 Euro an zweckgebundenen Geld- und Sachpreisen zur Gründungsunterstützung sollen die Aktivitäten aber nicht abgeschlossen sein. So hat sich etwa das Unternehmernetzwerk der Wirtschaftsjunioren Kaufbeuren-Ostallgäu mit einer kostenlosen Jahresmitgliedschaft beteiligt. Es wird den Preisträgern zudem in Zukunft mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gestandene Unternehmer aus diesem mittlerweile riesigen Netzwerk sollen den Gründern helfen, ihre unternehmerischen Ziele zu erreichen.

In Vertretung des Schirmherrn, Oberbürgermeister Stefan Bosse, betrachtete Bürgermeister Gerhard Bucher schließlich die weiteren Perspektiven der Initiative. „Wir haben sehr viele gute Ideen gesehen für Innovationen, die helfen können, pulsierendes Leben in unserer Innenstadt zu bringen“, sagte er. „Diese sollten sich auch die Eigentümer der Geschäftsräume in der Innenstadt einmal ansehen. Vielleicht sind sie dann eher bereit, die Gründer stärker zu unterstützen, ihnen etwa bei den Mietpreisen entgegen zu kommen.“

Alles das wird sicherlich bald wieder ein Thema in der Stadt werden, denn Projektleiterin Bilgi Dikkaya-Kaufmann kündigte bereits an: „Nach der erfolgreichen Erstauflage unseres Formates werden wir mit unserer Freiraumoffensive möglicherweise gleich im neuen Jahr erneut an den Start gehen.“

1. Preis: 

1. Preis, 3000 Euro: Marta Strozycka, Over Size Mode für Damen.

Die Geschäftsidee entstand, weil Marta Strozycka Konfektionsgröße 42/44 trägt und nur schwer elegante und einmalige Kleider fand, die wirklich zu ihrer Figur passen. „Und so“, meint sie, „geht es vielen Frauen: Industriell hergestellte Kleider sind immer gleich geschnitten, für XS genauso wie für XL, nur eben größer oder kleiner. Das führt dann dazu, dass die Bekleidung in Ärmeln oder Brust oft drückt, wohingegen die Bauchpartie oder der Po hängt. Oder die Hosen haben einen zu niedrigen Bund und sind zu lang.“

Um hier Abhilfe zu schaffen, bietet sie in ihrem Geschäft jetzt Bekleidung von Lieferanten aus der EU an, die sich auf die Produktion von XXL-Konfektion spezialisiert haben. Merkmale sind etwa breitere Ärmel oder ein höherer Hosenbund. Hergestellt wird nur in kleinen Stückzahlen, das gilt auch für die Accessoires wie Gürtel, Schmuck, Handschuhe, Handtaschen und Schuhe.

2. Preis:

2. Preis, 2000 Euro, Stefan Kapfer, Philipp Linsmeier, Pop up Kaufbeuren.

Was soll da plötzlich auftauchen in Kaufbeuren? „Geschäfte, Büros, Unterkünfte in der Innenstadt“ versprechen die beiden Gründer aus Augsburg, die eine ursprünglich wohl in New York entstandene Idee aufgreifen. Sie nutzen leer stehende Räume und richten diese für einen begrenzten Zeitraum nach den Bedürfnissen ihrer Auftraggeber aus. Das geschieht mithilfe eines Baukastensystems und, wenn gewünscht, auch einschließlich Büro-Infrastruktur. So entsteht ein modernes Arbeits- oder Wohn-Arbeitsumfeld, in das sich Nutzer einmieten und sofort loslegen können.

3. Preis: 

3. Preis, 1000 Euro, Kim Marc Saqalla, Sneaker Customs & Sneaker Manufaktur.

Die Geschäftsidee besteht darin, modische Textilien, Sneaker, Headwear & Accessoires anzubieten. Seine Erfahrungen im Einzelhandel haben den Gründer aber gelehrt, dass es heutzutage nicht ausreicht, einen Laden zu eröffnen, sich hinein zu stellen und zu verkaufen. Deswegen bietet er in Kaufbeuren die Sneaker Customs & Sneaker Manufaktur an. Das heißt, er wird selbst Sneaker kreieren, getragene wieder aufbereiten und damit auch als eine Art „Edel-Schuhputzer“ fungieren. Das ergibt dann ein Produkt, vergleichbar aufbereiteten Autos: Sauber und straßentauglich, wenn auch kein Neuwagen. Zielgruppe sind zunächst 14- bis 35-Jährige, auch moderne 40-Jährige werden sicherlich fündig. Vielleicht kommen dann später auch noch Kindermode und -sneaker mit ins Sortiment.

Ingo Busch

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