Rückblick und Ausblick

Das Ziel wurde erreicht

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Hinterglasbildzyklus „Vier Jahreszeiten” des Kaufbeurer Tuchwebers Johann Matthäus Bauhoff. Solch profane Motive sind selten.

Kaufbeuren – In seiner Jahreshauptversammlung hielt der Freundeskreis des Stadtmuseums Rückschau auf das Jahr 2014. Nach den Aufregungen des Wiedereröffnungsjahres 2013 sei es eine Zeit der Konsolidierung und der Suche nach neuen Aufgaben gewesen. Man dürfe aber jetzt, nachdem der ursprüngliche Zweck des Freundeskreises erfüllt sei, nicht die Hände in den Schoß legen, meinte der erste Vorsitzende Dr. Rainer Jehl.

Daran arbeitet der Freundeskreis erfolgreich. Nicht nur ist die Mitgliederzahl von 363 auf 417 angestiegen, auch einer angemessenen Personaldecke ist man vor allem durch die Bestätigung von Petra Weber als Museumsleiterin Ende 2014 und der Gewinnung weiterer fachlicher und ehrenamtlicher Mitarbeiter zusammen mit der Stadt einen guten Schritt näher gekommen. Finanzhilfe bei der Ergänzung der Innenausstattung oder bei Restaurierungsarbeiten an den Beständen des Museums ist ebenfalls immer wieder erforderlich, umso mehr, als das Stadtmuseum nach dem Erhalt des Bayerischen Museumspreises 2013 jetzt auch für den Europäischen Museumspreis nominiert wurde. 

Zunächst ließ Dr. Jehl die wichtigsten Veranstaltungen des letzten Jahres Revue passieren. Für 2015 wurden schon in der Zeit von Dr. Astrid Pellengahr zwei Sonderausstellungen und eine wissenschaftliche Tagung ins Auge gefasst, deren Begleitprogramm ebenfalls vom Freundeskreis finanziell unterstützt wird: Aktuell läuft die Ausstellung „Daniel Hopfer – Erfinder der Radierung. Von der Waffenschmiede zur Druckkunst“ mit Begleitvorträgen. Am 9. und 10. Oktober findet die 9. Tagung zur Hinterglaskunst statt. Dass diese Tagung in Kaufbeuren erfolgt, ist eine Würdigung des einmaligen Kaufbeurer Sonderbestandes an protestantischen Hinterglasbildern. 

Ab dem 17. Oktober wird die Ausstellung zur Euthanasie während der Zeit des Nationalsozialismus zu sehen sein. Das Rahmenprogramm zu dieser Ausstellung hat bereits am 18. März mit dem vieldiskutierten Vortrag von Dr. Martina Steber über „Gustav von Kahr, Christian Frank und die Abgründe des Heimatschutzes” begonnen (wir berichteten). 

Die zu dieser Thematik auch in der Jahreshauptversammlung erwartete „heiße Diskussion“ fand aber nicht statt. Dr. Jehl fasste lediglich seine Meinung über den Vortrag in sechs sachlichen Argumenten zusammen: 

1. Dr. Steber sei eine hervorragende und anerkannte Wissenschaftlerin und als Mitarbeiterin des Instituts für Zeitgeschichte der LMU eine Spezialistin zu diesem Thema, die 2007 darüber ihre Doktorarbeit geschrieben habe. 

2. Auch durch andere Forschungen werde ein neues Licht auf die damaligen Verantwortlichen geworfen. 

3. Die Benennung der Kurat-Frank-Straße sei sehr schnell nach Kriegsende erfolgt, ohne dass man sich in der kurzen Zeit gründliche Kenntnisse habe verschaffen können. 

4. Nicht nur in der Psychiatriegeschichte würden mittlerweile anstelle der Täter und ihren Rechtfertigungs- versuchen heute immer mehr die Opfer in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. 

5. Bekundungen von privatem Mitleid und der Rückzug in fromme Werke seien als ethische Haltung völlig unzureichend gewesen. 

Und schließlich (6.) verwies Dr. Jehl auf die differenzierte Positionierung des Heimatvereins (Kreisbote vom 11. April, S. 3). 

Ansonsten wollte er weder den Recherchen von Stadtarchivar Dr. Stefan Fischer noch den daraus resultierenden Entscheidungen des Stadtrats bezüglich einer eventuellen Umbenennung der Kurat-Frank-Straße vorgreifen. Da die entsprechende Sitzung am Dienstag nach Redaktionsschluss stattfand, wird der Kreisbote über den Beschluss in Kürze berichten. 

Abschließend stellte Weber noch ein „Zuckerl” vor: Dem Museum wurde der Hinterglasbildzyklus „Vier Jahreszeiten” des Kaufbeurer Tuchwebers Johann Matthäus Bauhoff (1744-1780) zum Kauf angeboten. Hierzu sind Paten gesucht, deren Namen zusammen mit den Bildern ausgestellt werden. Die Patenschaft kostet 2500 Euro, kann jedoch auch aufgeteilt werden.

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