Von aggressiven Vögeln

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Autorin Isabel Bogdan beim Signieren ihres 2016 erschienenen Romans in Irsee.

Irsee – Am vergangenen Samstag war die Hamburger Autorin und preisgekrönte Übersetzerin Isabel Bogdan im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals zu Gast im Irseer Gasthaus zur Post, wo sie aus ihrem erfolgreichen Debütroman „Der Pfau“ las.

Mit seinem „morbiden Charme, der aus Bogdans Romanen spricht“, so bemerkte Moderatorin Dr. Sylvia Heudecker, bot der Saal genau das richtige Ambiente. Wer es noch authentischer haben wollte, konnte der Lesung mit einem Glas Whisky lauschen, spielt der Roman doch in Schottland: Darin findet sich eine Gruppe von Investment-Bankern zu Teambuilding-Zwecken auf dem abgeschiedenen Hof von Lord McIntosh ein. Einer der Pfauen auf dem Anwesen, der laut Autorin „alles Blaue für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt hält“ und darauf losgeht, trifft ungünstigerweise auf den Blaumetallic-farbenen Wagen der Chefbankerin, und eine Handlung voller Absurditäten nimmt ihren Lauf...

Vom einfältigen Pfau spannte Bogdan den Bogen zum realen „Problemstorch Ronny“, der im letzten Jahr in einem Dorf in Brandenburg wohl „aus verschmähter Liebe“ mit seinen Hack-Attacken an Fensterscheiben randalierte und die Bewohner tyrannisierte – ein Artikel, der der Autorin im Übrigen schon unzählige Male zugeschickt worden sei.

Mit reichlich britischem Humor ist Bogdans Werk gewürzt. Die Frage aus dem Publikum, ob ihr Roman denn bald auch in Großbritannien erscheinen werde, verneinte die Autorin; dazu genieße der deutsche Humor im Ausland einen denkbar zweifelhaften Ruf. Auch nach ihrer Übersetzungstätigkeit wurde die studierte Anglistin und Japanologin gefragt, inwiefern sie „Sklave der Übersetzung“ sei und wie viel Freiraum für „künstlerische Kreativität“ sie hätte. Hierzu zog Bogdan den Vergleich des Übersetzers mit dem darstellenden Künstler, der den Text mit der „eigenen Persönlichkeit“ reproduziere. Eine Arbeit, die immens unterschätzt werde. Schön fände sie es, wenn jeder Literaturliebhaber verschiedene Übersetzungen seines Lieblingswerks im Schrank stehen hätte.

Dass die Autorin bei all der Geschäftigkeit das Schicksal von vom Aussterben bedrohter Worte nicht aus den Augen verliert, beweist ihr „Verein zur Rettung des anderthalb“, den sie 2005 auf ihrem Blog gegründet hat. Dieses hübsche Wörtchen läge ihr besonders am Herzen, aber auch Wörter wie Kokolores (= Unsinn, unnützes Geschwätz) oder schlankerhand (etwas „ohne Weiteres“ tun) würde sie gerne öfter lesen.

Beliebtes Festival

Dr. Sylvia Heudecker, Projektleiterin des Allgäuer Literaturfestivals, und Dr. Thomas Kraft als künstlerischer Leiter, freuten sich über die wachsende Beliebtheit des Festivals in seinem zweiten Jahr. Auch für das nächste Jahr seien laut Heudecker wieder Cross-over-Veranstaltungen aus den bildenden Künsten an außergewöhnlichen Orten geplant.

Am Ende des Abends konnten die Leser sich mit der Autorin zum Beispiel über die ein oder andere Kuriosität austauschen und ihr Buchexemplar signieren lassen. Als Zuhörer konnte man in der etwa anderthalb Stunden dauernden Lesung einer äußerst amüsanten Geschichte beiwohnen, in der Kokolores nur in gut gesetzten Pointen und in Maßen vertreten war.

von Mahi Kola

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