Drei weitere Fraktionen – FDP und Grüne vereint

Frischer Wind im Kaufbeurer Stadtrat: 19 neue Stadträte

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So sieht das Gesamtergebnis für Kaufbeuren aus.

Kaufbeuren – Der Ruf nach einer Verjüngungskur im Kaufbeurer Stadtrat war im Vorfeld der Kommunalwahl groß. Jetzt haben die Kaufbeurer Bürger gewählt und das alte Gremium mächtig umgekrempelt. Mit 19 neuen Mitgliedern wird beinahe die Hälfte des Stadtrates ausgetauscht. Mit den neuen Gesichtern halten auch neue Fraktionen Zugang in den Stadtrat. Neu sind die Generation KF, Die Linke und die AfD.

Damit einhergehend ist auch die Sitzverteilung neu geregelt. Das zeigt das vorläufige Wahlergebnis. Trotz des Verlustes von zwei Sitzen bleibt die CSU mit 13 Sitzen stärkste Kraft im Stadtrat. Aufhorchen lässt dabei der Umstand, dass Fraktionschef Dr. Thomas Jahn den Sprung ins neue Gremium nicht geschafft hat. Insgesamt vier neue Köpfe werden zukünftig für die Christsozialen die Politik mitbestimmen: Mit im Boot sitzen Modeunternehmer Gerhard Bucher jun. (52 Jahre), Geschäftsführer Alexander Dobler (30), Rechtsanwältin Julia von Stillfried (41) und Polizeibeamter Markus Holste (42).

Die Grünen gehören zu den Wahlgewinnern. Ihre Anzahl an Stadtratssitzen steigt von vier auf nun sieben Sitze an. Neu dabei sind Pädagogischer Leiter Holger Jankovsky (39), Polizeioberkommissar Marcus Kühl (50), Schulleiter Arthur Müller (58) und Musiker Tiny Schmauch (59).

Einen Sitz weniger im Stadtrat haben zukünftig die Freien Wähler. Damit werden zukünftig nur noch sechs Stadträte an den Sitzungen teilnehmen. Neu ist Bernadette Glückmann (54), die auch für das Amt des Oberbürgermeisters kandidierte und unterlag. Neu sind auch Oberstudiendirektor Peter Kempf (63) und der 49-jährige Gastronom Michael Martin. Nicht mehr mit dabei sind Volker Kollmeder, Richard Drexl, Walter Folter und Ottmar Maier.

Zu den Wahlverlierern gehört die Kaufbeurer Initiative (KI). Von sechs auf vier Mitglieder schrumpft ihr Kader. Im Gremium bleiben Ernst Holy, Alexander Uhrle, Robert Klauer und Werner Stumpe. Nicht mehr dabei sind Angelika Lausser und Hans Häußer.

Auch die SPD verliert zwei Sitze und ist damit im Stadtrat nur noch mit drei Genossen vertreten. Neu sind der unterlegene Oberbürgermeisterkandidat Diplom-Verwaltungswirt (FH) Pascal Lechler (39) und der 28-jährige Volkswirt Martin Valdés Stauber. Nicht mehr für die SPD im Stadtrat sind Ralf Baur, Helga Ilgenfritz, Dr. Maria Elisabeth Angst und Martina Wischhöfer.

Tierarzt Johannes Espermüller wird zukünftig alleine für die FDP im Gremium sitzen. Die Liberalen haben zwei Sitze verloren. Angelika und Kathrin Zajicek wurden raus gewählt.

Die Neuen

Die jungen Wilden der Generation KF, wie man sie gerne vor der Wahl bezeichnet hat, räumen im ersten Anlauf gleich vier Stadtratsplätze ab. Besetzt werden sie von der Tochter des Oberbürgermeisters, Studentin Julia Bosse (23), Student Maximilian Nocker (23), Hannah Rieger (27, Anlaufstelle für Inklusion) und Student Tobias Würfel (22).

Für Die Linke zieht Elektrotechniker Christoph Gänsheimer (25) in den Stadtrat ein.

Und auch die AfD ist zukünftig im Stadtrat mit einem Sitz vertreten. Der 48-jährige Schreiner Christian Köhler wird diesen ausfüllen.

Wer kann jetzt mit wem?

Jetzt geht das Rennen um die Mehrheitsfindungen los. Also die Frage, wer mit wem eine Allianz schmieden kann, um im Stadtrat eine Mehrheit zu bekommen. Der Kreisbote hat bei den zwei stärksten Fraktionen nachgefragt.

Die CSU freut vor allem über die überzeugende Wiederwahl von OB Stefan Bosse. „Bei der Stadtratswahl war es abzusehen, dass auch die CSU an Sitzen einbüßen wird, da sich mit neun Listen so viele Parteien und Gruppierungen wie noch nie um den Stadtrat beworben haben“, betont Ortsvorsitzender Stephan Stracke auf Anfrage. Die Einbußen bewegen sich laut Stracke im allgäuweiten Trend. Die CSU bleibe aber klar stärkste Kraft. „Dies ist für uns ein Gestaltungsauftrag, den wir verantwortungsbewusst wahrnehmen wollen.“

Der Stadtrat sei nun so vielfältig wie nie zuvor. Stracke erwarte daher keine einfache Mehrheitsbildung. „Der Stadtrat muss handlungsfähig bleiben. Wir werden daher mit allen demokratischen Kräften – mit Ausnahme von AfD und Linke – ausloten, inwieweit eine tragfähige Zusammenarbeit möglich ist. Ziel ist es aus Sicht der CSU, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit über sechs Jahre sicher zu stellen. Wir befinden uns am Beginn dieser Gespräche. Es ist daher zu früh, über konkrete Konstellationen etwas zu sagen“, so Stracke.

Auch die Grünen, als zweitstärkste Fraktion, sondieren gerade. „Wir können mit allen demokratischen Parteien und Gruppierungen partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, so auch mit der CSU“, signalisiert Fraktionschef Oliver Schill. Allerdings dürfe sich in anderen Farben nicht wiederholen, was CSU und KI vor sechs Jahren eingeläutet und mit aller Macht vollzogen hätten: „Eine Blockbildung, die alle anderen Parteien und Gruppierungen ausschließt. So etwas ist mit unserem grünen Wertekompass nicht vereinbar“, so Schill. Die Grünen hätten kein Problem damit, gemeinsam Motor für eine aktive Stadtentwicklung sowie starker Impulsgeber zu sein, dies aber immer mit dem Ziel vor Augen, bei wichtigen Entscheidungen möglichst eine 70 bis 80 Prozent-Zustimmung im Stadtrat zu erzielen. Dabei müssten aber auch Belange der vermeintlich „Kleineren“ berücksichtigt werden. „Wir waren selbst einmal klein und haben nicht vergessen, wie es sich anfühlt, wenn man nicht gehört wird und damit die eigenen Wähler nicht vertreten werden“, so Schill. Und dies fange bereits bei der Wahl der Stellvertreter des Oberbürgermeisters an. Hier sollten laut Schill möglichst breit die Wähler repräsentiert werden. „Das heißt, die CSU ist bereits durch den Oberbürgermeister repräsentiert und daher sollte es diesmal eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Ämter des 2. und 3. Bürgermeisters in anderen Farben leuchten.“

Oliver Schill, der für die Grünen und die FDP als gemeinsamer Kandidat um das Oberbürgermeisteramt ins Rennen ging, verkündet zudem, dass Johannes Espermüller (FDP) in einer Art „Fraktionsgemeinschaft“ zusammen mit den Grünen im Stadtrat agieren werde. „Wir binden ihn in die Beratungen und Entscheidungen mit ein, versorgen ihn mit Informationen. Wir sind damit zu acht im Stadtrat vertreten“, resümiert Schill.

von Kai Lorenz

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