Frisches Blut im Gremium

Alexander Uhrle (35) sitzt jetzt für Alexius Batzer im Kaufbeurer Stadtrat

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Alexander Uhrle ist jetzt jüngstes Mitglied im Stadtrat.

Kaufbeuren – Es ist ein Generationenwechsel, der am vergangenen Dienstag im Kaufbeurer Stadtrat vollzogen wurde. Alexius Batzer (KI) hat bei Oberbürgermeister Stefan Bosse sein Stadtratsmandat niedergelegt. Bei der letzten Sitzung vor der Sommerpause wurde Alexander Uhrle als Nachrücker vereidigt und wird nun bis zu der Kommunalwahl 2020 im Schul- und Kulturausschuss sowie dem Steuerausschuss die Interessen der Kaufbeurer Initiative vertreten. Der Kreisbote hat mit Alexander Uhrle gesprochen.

Herr Uhrle, was bedeutet es Ihnen, jüngstes Stadtratsmitglied in dieser Legislaturperiode zu sein?

Uhrle: Das Alter spielt natürlich eine Rolle. Du hast eine andere Sichtweise als Stadträte, die über 60 Jahre sind. Ich persönlich finde es schade, dass ich jetzt der jüngste Stadtrat bin. Die Jugend findet im Stadtrat zwar Gehör, aber dennoch finde ich es wichtig, dass junge Menschen direkt im Stadtrat vertreten sind. Mit 35 Jahren würde ich mich nicht mehr als jung bezeichnen. Ich würde es befürworten, wenn künftig jüngere Personen im Stadtrat dabei sind, auch unabhängig von der Partei. Es entstehen komplett andere Ansichten. Ich hoffe, dass nach der nächsten Kommunalwahl mehr jüngere Stadträte vertreten sind.

Wird die kommende Wahl anders verlaufen, weil Sie als jüngstes Stadtratsmitglied dadurch andere Impulse setzen können?

Uhrle: Es wäre absolut schön, wenn ich Impulse setzen könnte. Das ist ja auch mein Ziel, dass ich in der kurzen Zeit noch den ein oder anderen Punkt mit einbringen will. Unsere Gesellschaft durchlebt einen großen Wandel. Beispiel: Digitalisierung. Da gibt es aufgrund des unterschiedlichen Alters auch andere Ansichten. Die komplette Betrachtungsweise ist hier anders. Ich hoffe, dass ich es schaffe, einige Themen anzustupsen, damit sich auch mehr jüngere Menschen für die Lokalpolitik interessieren.

Besteht auch gerade in unserer Stadt eine gewisse Politikverdrossenheit? Viele meinen vielleicht, so einen Posten tue ich mir nicht an?

Uhrle: Ich glaube, das haben wir hinter uns. Die Gesellschaft wird polarisiert. Wir haben auf der einen Seite die AfD und auf der anderen das Erstarken der Grünen. Gerade das motiviert viele, sich zu engagieren. Bestes Beispiel ist „Fridays for Future“, was eine politische Bewegung ist. Deswegen nimmt die Politikverdrossenheit eher ab.

Haben Sie eine Vorstellung, was Sie bis März 2020 erwartet?

Uhrle: Die Themen sind nicht anders als bisher. Bei zwei Schwerpunkten war ich schon involviert: bei dem Antrag gegen Wildtiere im Zirkus, was viel diskutiert wurde, und dem Antrag für einen Sportboden in der erdgas schwaben arena. Wir brauchen Themen, um unserer Gesellschaft gewisse Denkanstöße zu vermitteln. Die KI hat den Antrag gestellt, dass man einen eigenen Umwelttag ins Leben ruft. Zusätzlich soll der Umweltausschuss aus dem Bauausschuss herausgelöst und wieder eigenständig werden. Das könnte andere wiederum interessieren. Für mich bedeutet das: Ich muss in den kommenden Monaten mehr Engagement zeigen als etwa andere Stadtratsmitglieder.

Sie sind Familienvater, haben vor drei Jahren den Verein „Hockey for Hope“ gegründet, sind Beisitzer des ESV Kaufbeuren und Zweiter Vorsitzender der Kaufbeurer Initiative, haben einen Job und sitzen nun für die KI im Stadtrat. Funktioniert das alles?

Uhrle: Ein Zeitmanagement gehört mit zu meinem Beruf als IT-Unternehmensberater. Ich werde Prioritäten setzen müssen. In meiner Altersklasse schaut laut bundesdeutschem Durchschnitt jede Person rund 90 Minuten täglich fern. Da ich kein TV schaue, gewinne ich viel Zeit, um mich zu engagieren. Es wird funktionieren. Bei „Hockey for Hope“ war ich am Anfang alleine, jetzt sind wir ein super Team, was mich richtig stolz macht. Wir teilen uns die Aufgaben. Das ist deutlich entspannter.

Gibt es in allen Bereichen, wo Sie tätig sind, dann gewisse Synergieeffekte?

Uhrle: Ich lerne viele neue Menschen kennen und sammle viele Erfahrungen. Zwischen der KI und dem Stadtrat sowieso. Mit Hockey for Hope lerne ich viele Vereine kennen. Durch das alles ergeben sich immer viele Überschneidungen und Synergien.

Ich kenne Sie als ruhige und zielstrebige Person. Können Sie auch aufbrausend sein?

Uhrle: Ich kann auch anders, wenn ich Auto fahre zum Beispiel (lacht). In meinem Beruf bin ich sachlich, die Kunden zahlen dafür, dass ich Lösungen schaffe und Ziele erreiche. Es muss auf einem produktiven Weg gehen. Wenn ich mit Kunden arbeite, gibt es auch eine Geschäftspolitik. Viele Dinge will ich auch in den Stadtrat bringen. Es gibt Prozesse und Entscheidungen. Wir verfolgen schließlich ein gemeinsames Ziel.

Werden Sie in der ersten Zeit eine gewisse Beobachtung erfahren, wie Sie sich als Stadtrat geben?

Uhrle: Ich glaube schon, dass es eine mediale Aufmerksamkeit geben wird, da ich als einzige Person neu in den Stadtrat komme. Ich ziehe mein Ding durch. Gewinnen werde ich am Ende so oder so: Und wenn es nur an Erfahrung ist. Mit dem Kopf durch die Wand werde ich nicht gehen. Ich habe einfach meine eigenen Ansichten.

Sind Sie stolz darauf, mit 35 Jahren in den Stadtrat einzuziehen?

Uhrle: Sicherlich bin ich stolz darauf. Als erster Nachrücker hat es nun doch geklappt. Das war leicht. Jetzt kommt die richtige Arbeit auf mich zu. Ich kann produktiv mitwirken. Viele meiner Stadtratskollegen haben schon einige tolle Projekte geschaffen. Wenn auch mir das gelingt, dann kann ich richtig stolz darauf sein. Ich habe nur einen kleinen Schritt getan. Jetzt gilt es, das Beste für unsere Stadt gemeinsam zu leisten.

von Stefan Günter

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