Franziskaner-Kloster in Flammen

Ordensbrudernach Brand gestorben

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Rauch quillt aus dem Fenstern im ersten Stock: Vermutlich im Wohnbereich eines 100-jährigen Paters ist das Feuer ausgebrochen. Er wurde lebensgefährlich verletzt.

Füssen – Zehn Verletzte und ein Todesopfer hat ein Feuer im Franziskanerkloster in der Füssener Altstadt von Füssen am Sonntagmorgen gefordert. Deutschlands vermutlich ältester Franziskanerpater kam ums Leben, neun seiner Ordensbrüder und ein Feuerwehrmann mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Ein Feuer im Franziskanerkloster in der Füssener Altstadt hat am Sonntagmorgen einen Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei, und Rettungskräften ausgelöst. Neun Mönche und zwei Helfer sind bei dem Brand verletzt worden. Ein 100 Jahre alter Pater erlitt tödliche Verletzungen. Er war zunächst in die Spezialklinik Murnau geflogen worden und lag dort schwerverletzt, bevor er seinen Verbrennungen erlag. Nach Angaben der Polizei war das Feuer am Sonntag kurz vor 6.30 Uhr im Wohnbereich des Konvents ausgebrochen, vermutlich im Zimmer des 100-Jährigen. Die Ursache ist nach wie vor unklar. Den Schaden am historischen Klostergebäude bezifferte die Polizei mit rund 100.000 Euro. Jedoch seien auch kunsthistorische Gegenstände wie Gemälde und Ikonen beschädigt worden, so dass der Gesamtschaden deutlich höher sein dürfte, sagte ein Polizeisprecher. Die Klosterkirche wurde nicht beschädigt. 

Dramatische Szenen

Dramatische Szenen müssen sich beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte am knapp 400 Jahre alten Franziskanerkloster am Sonntagmorgen abgespielt haben: Ein Bewohner habe am Fenster im Qualm gestanden und auf sich aufmerksam gemacht, erklärte Kreisbrandrat Markus Barnsteiner, der den Feuerwehr-Großeinsatz leitete. Er wurde sofort mit Hilfe der Drehleiter aus dem Haus geholt, wie auch acht weitere Ordensbrüder. Rund 130 Feuerwehrkräfte waren gut eine Stunde lang im Einsatz, ehe der Brand gelöscht war. Am schlimmsten traf es den ältesten Mitbruder: Der im Rollstuhl sitzende 100-Jährige musste durch das vollkommen verqualmte Haus in Sicherheit gebracht werden, seine Mitbrüder hatten den Senior aus seinem Zimmer gerettet, wie Polizeisprecher Christian Eckel bestätigte. Er wurde wegen seinen schweren Verbrennungen mit dem Rettungshubschrauber aus Reutte vom benachbarten Krankenhaus Füssen in eine Spezialklinik geflogen. Die Polizei spracht von „lebensgefährlichen Verletzungen“, denen der Mönch dann am nächsten Tag schließlich erlag. Die neun anderen Mönche kamen mit leichteren Verletzungen beziehungsweise Verdacht auf Rauchvergiftung in unterschiedliche Krankenhäuser. Als um 6.27 Uhr die Einsatzkräfte, vermutlich über einen Rauchmelder in dem 1628 erbauten Kloster, alarmiert wurden, sei die Situation noch recht unklar gewesen, so Barnsteiner. Man habe nicht gewusst, „ist es ein Zimmerbrand oder steht das gesamte Kloster in Flammen“. Nach der Rettung der ersten Klosterbrüder durch Beamte der Polizeiinspektion Füssen sowie der Feuerwehr Füssen-Stadt wurde der Wohntrakt des Klosters von den nun eintreffenden, nachalarmierten Feuerwehrkräften unter Atemschutz abgesucht. Man habe anfangs nicht gewusst, wie viele Menschen sich im Hause noch aufhielten, so Barnsteiner. 

Brand brach wohl im Wohntrakt aus 

Insgesamt waren mehr als 130 Feuerwehrmänner aus Füssen-Stadt, Weißensee und Hopfen sowie Schwangau und Rieden im Einsatz, alles in allem über 150 Einsatzkräfte. Darunter auch mehrere Teams des Roten Kreuzes die durch drei Notärzte unterstützt wurden. Unter den Verletzten ist auch ein Feuerwehrmann, der wegen einer Rauchgasverletzung behandelt wurde, auch eine Polizistin wurde zuersteinmal wegen des Verdachts auf Rauchvergiftung untersucht. Ersten Einschätzungen der Feuerwehr zufolge war das Feuer im Wohntrakt des Klosters ausgebrochen und beschränkte sich auf die erste Etage. Die Polizei gibt an, dass das Feuer vermutlich im Wohnbereich des 100-jährigen Ordensbruders ausgebrochen ist. Die unmittelbar an das Kloster angrenzende Rokoko-Kirche St. Stephan blieb vom Feuer verschont. Am Montag nahm die Kripo Kempten die Brandermittlungen auf. Nähere Informationen zur Brandursache liegen dem KREISBOTE derzeit noch nicht vor. Vorläufige Schätzungen beziffern den Sachschaden auf mehr als 100.00 Euro, nicht inbegriffen zahlreiche kunsthistorisch wertvolle Gegenstände, die bei dem Feuer ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden und deren genauer Schaden noch genau beziffert werden muss. Generalvikar Harald Heinrich von der Diözese Augsburg hat mit großer Bestürzung auf die Nachricht vom Brand im Franziskanerkloster in Füssen reagiert. „Besonders danken möchte ich den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, die durch ihr beherztes Eingreifen unter Einsatz ihres eigenen Lebens offenbar noch Schlimmeres verhindert haben.“ Der stellvertretende Finanzdirektor des Bistums, Richard Metz, sei bereits vor Ort in Füssen gewesen und habe den Mönchen vorübergehend Wohnraum angeboten. „Alle Füssener sind wie ich selber sehr geschockt von dem Brand“, äußerte sich Dekan Frank Deuring. „Wir hoffen sehr, dass es jetzt irgendwie weitergeht und die lange Tradition der Franziskaner hier in Füssen aufrecht erhalten bleibt.“ von Peter Schuster/Oliver Sommer/ Kai Lorenz

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