Vom Fußball-Profi zum „Bänker“

Exklusives Kreisbote-Interview mit Fußballlegende Franz „Bulle“ Roth

Ex-Fußballprofi Franz Roth
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Franz Roth auf dem selbstgefertigten „Bänkle“ an seinem Lieblingsplatz oberhalb von Hausen. Der „Bulle“ spricht im Kreisbote-Interview über seinen 75. Geburtstag, sein Leben und die großen Erfolge

Landkreis – Wenn Sie östlich von Marktoberdorf bei einer Wanderung am Waldrand eine Bank mit einem ganz besonderen Tisch begegnen, verweilen und genießen Sie den Blick in Richtung Süden. Und wenn Ihnen das Glück hold ist, kommt an dieser Stelle ein schneller Wanderer vorbei, der Ihnen mit einem freundlichen Lächeln einen guten Tag wünscht. Aber es ist nicht irgendein Wanderer, sondern die Fußballlegende Franz „Bulle“ Roth, der Ende April dieses Jahres seinen 75. Geburtstag in seinem Heimatdorf Hausen nahe Marktoberdorf feiern konnte. Unser Kreisbote-Mitarbeiter Jürgen Wischhöfer hatte Glück und traf den einstigen FC Bayern-Star an seinem Lieblingsplatz, auf dem Bänkle, oberhalb von Hausen, und ließ es sich nicht nehmen, ihn zu interviewen.

Herr Roth, die Generation 50+ kennt Sie als Spieler der deutschen Nationalmannschaft und Fußballprofi des 1. FC Bayern München in den Jahren von 1966 bis 1978. Wie verlief Ihr Leben vor Ihrer Profikarriere in der wunderschönen Allgäuer Gegend rund um Marktoberdorf?

Roth: Meine Eltern hatten in Hausen einen großen Bauernhof, auf dem ich 1946 geboren wurde und zusammen mit fünf älteren Geschwistern aufgewachsen bin. Nach meiner landwirtschaftlichen Lehre bewirtschaftete ich zusammen mit meinen Eltern den Hof bis zu meinem Wechsel nach München.

Wer hat Ihr Talent entdeckt und wie sind Sie dann zum 1. FC Bayern München gekommen?

Roth: In meiner Jugend spielte ich beim TSV Bertoldshofen und hatte dort einen Trainer, der selber noch aktiv in der Spielvereinigung Kaufbeuren Fußball spielte und mir den Wechsel nach Kaufbeuren anbot. Ich wurde dann nach Kaufbeuren, das war im Jahre 1964/65, zum Probetraining eingeladen und spielte dort eineinhalb Jahre in der Ersten Mannschaft.

Was ich damals noch nicht wusste, es gab beim FC Bayern einen Mäzen Namens Kotaleck, der die Bayern aufforderte, mich mal unter die Lupe zu nehmen. Das geschah auch wieder ohne mein Wissen beim Training und in zwei Ligaspielen für die SpVgg Kaufbeuren. An einem Nachmittag klingelte dann in Hausen das Telefon und meine Mutter rief mich zu sich und sagte, dass ein Herr Schwan vom 1. FC Bayern am Telefon sei. Erst dachte ich, es sei ein Scherz, aber dann stellte sich heraus, es war in der Tat der damalige Manager Robert Schwan, der mir am Telefon einen Zweijahresvertrag ohne Probetraining und mit weiteren Optionen anbot.

Der Profifußball war in der Zeit um 1970 sicher anders als heute. Was hat sich aus Ihrer Sicht verändert?

Roth: Ich erinnere mich noch an winterliche Trainingszeiten an der Grünwalder Straße. Da wurde nach heftigem Schneefall nur die obere Schicht der Aschenbahn mit einer Raupe beseitigt und dann durften wir auf dem vereisten Boden unsere Runden drehen. Das gibt es doch heute gar nicht mehr. Die medizinische Betreuung, die Massagen und das individuelle Training ist heute um 110 Prozent besser als damals.

Unter welchen Trainern haben Sie beim 1. FC Bayern München gespielt und wer hat Sie zu diesem kraftvollen Mittelfeldspieler aufgebaut?

Roth: Der wichtigste Trainer, in der Zeit als ich zum FC Bayern kam, war Tschik Cajkovski. Er gab mir das Vertrauen, welches ein junger Spieler braucht und erkannte meine Schnelligkeit, meine Schussstärke in beiden Füßen und meinen Willen, Zweikämpfe für mich zu entscheiden. Er sagte mir damals, Technik kannst du erlernen, aber die körperlichen Voraussetzungen für schnelles und kraftvolles Spiel musst du haben.

Ich war damals der schnellste Spieler in der Mannschaft und habe hart an mir gearbeitet, um beim FC Bayern bleiben zu können. Später folgten dann als Trainer noch Branko Sebec und Udo Lattek.

Wie war Ihr Verhältnis zu Ihren damaligen Mitspielern Franz Beckenbauer und Sepp Maier?

Roth: Wir waren damals eine sehr junge Mannschaft und der gegenseitige Respekt schweißte uns zusammen. Spielermanager gab es noch keine und so haben wir uns sehr viel ausgetauscht und auch viele Dinge gemeinsam unternommen. Die große Stärke der Mannschaft war das bedingungslose Einsetzten für einen andern Spieler, wenn dieser einmal nicht in Topform war. Die Freundschaften, die damals zwischen Franz Beckenbauer und Sepp Maier entstanden sind, haben auch nach 55 Jahren noch Bestand.

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Markenzeichen „Bulle“ Roth gekommen?

Roth: Es war 1966, wir waren mit dem FC Bayern im Trainingslager in Stegen, als die drei Nationalspieler Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller nach dem legendären Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in England zu uns kamen. Der Trainer stellte den Nationalspielern alle vier Neuzugänge des FC Bayern an einem gemeinsamen Abendessen vor. Mich mit den Worten: „Das ist Franz ­Roth, der Kraft hat wie ein Muh“. Darauf antwortete Sepp Maier: „In Bayern heißt das Bulle“. Ja und von diesem Abend weg war ich „Bulle“ Roth.

Welche waren Ihre größten Erfolge?

Roth: Rückblickend gab es für mich viele Höhepunkte, zum Beispiel die Jahre 1974, 75 und 76, wo der 1. FC Bayern München dreimal hintereinander den Europapokal gewinnen konnte.

Unvergesslich für mich bleibt aber das Endspiel der Pokalsieger 1967 gegen Glasgow Rangers in Nürnberg. Das Quasi-Heimspiel war sehr hart umkämpft und ging dann auch noch in die Verlängerung. In der 108. Minute hatte ich das Glück, das 1:0 zu schießen, was dann auch das Endergebnis und somit den Sieg bedeutete. Dieser Sieg war für mich und den FC Bayern der Start in das internationale Fußballgeschehen.

Wie gut ist Ihnen der Ausstieg aus dem professionellen Fußball gelungen?

Roth: Eigentlich ganz gut. Ich hatte zu dieser Zeit drei Optionen, zwischen denen ich wählen konnte. Der FC Bayern hatte mir eine Trainerposition im Jugendbereich angeboten. Für das Unternehmen Adidas hätte ich den Bereich Bayern als Generalvertreter annehmen können und die dritte Möglichkeit, die ich dann auch zusammen mit meiner Frau wählte, war die Selbstständigkeit. Meine Frau und ich eröffneten dann auch 1980 das Geschäft Sportmoden Franz Roth in Bad Wörishofen.

Woran erinnern Sie sich nach 75 Jahren ungern?

Roth: Es war das Jahr 2007, in dem meine Frau starb. Das ist für mich auch heute noch sehr schmerzlich.

Herr Roth, was haben Sie noch für große Ziele?

Roth: Das kann ich Ihnen gleich sagen. Große Ziele habe ich nicht. Ich will gesund bleiben, ich will hier auf meinem Bänkle sitzen und meine Seele baumeln lassen. An diesem Ort kann ich den wunderbaren Weitblick auf die Berge und das leuchtende Birkenmoos hier vor mir genießen.

Es gäbe sicherlich noch viel zu fragen. Herzlichen Dank Herr Roth und nochmals alles Gute zum 75. Geburtstag.

Interview: Jürgen Wischhöfer

Franz „Bulle“ Roth

  • Geboren am 27. April 1946
  • 1966 bis 1978 FC Bayern München
  • 322 Bundesligaspiele (72 Tore)
  • 48 DFB-Pokalspiele (11 Tore)
  • 63 Europacupspiele (11 Tore)
  • 4 A-Länderspiele für Deutschland
  • Europacupsieger der Landesmeister 1974, 1975, 1976
  • Europacupsieger der Pokalsieger 1967
  • Deutscher Meister 1969, 1972, 1973, 1974
  • DFB-Pokalsieger 1969, 1971

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