Die Zukunft im Blick

Gablonzer Siedlungswerk plant neues Projekt

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So könnte sich der Blick auf das Quartier in einigen Jahren darstellen.

Kaufbeuren-Neugablonz – Seit seiner Gründung vor 70 Jahren ist das Gablonzer Siedlungswerk (GSW) ein Motor für die Entwicklung der Infrastruktur im Stadtteil Neugablonz. Dies wird nicht nur an der laufend durchgeführten Bestandsanierung deutlich, wie es in der jüngst durchgeführten Mitgliederversammlung zum Ausdruck kam. Christian Sobl als geschäftsführender Vorstand kündigte an, dass sich ein weiteres Quartiersprojekt – ähnlich dem gerade fertiggestellten „Iser-Quartier“ – in Planung befinde. Dieses soll als Nachverdichtung südlich der Falkenstraße entstehen und generationsübergreifend Wohnraum bieten.

Mit dem Slogan „Wohnen ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf“ hat das GSW als Genossenschaft schon immer den Zweck einer guten und sozial verantwortbaren Wohnungsversorgung verfolgt. Dazu gehört auch die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in Neugablonz. Dieses Ziel wurde mit der bisher größten Investition in Höhe von 24,5 Millionen Euro mit 50 Prozent Eigenkapital und ohne Fördermittel beim Bau des „Iser-Quartiers“ erreicht. Das nun geplante, etwas kleiner gestaltete Quartier zwischen Falkenstraße und Fichtenweg wird mit anderen Rahmenbedingungen entstehen. „Die Nachverdichtung ist das Ziel“, erläutert Sobl, „wir wollen das Quartier mit einem neuen Konzept und optimaler Raumausnutzung entwickeln.“

Drei Generationen – ein Quartier

Mit einer derzeit groben Kostenschätzung im zweistelligen Millionenbereich soll ein Quartier für alle Altersgruppen entstehen – für Schüler der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck in sogenannten Mikroapartments über Wohnungen für Familien bis hin zum Clusterwohnen für Senioren, quasi eine „Wohngemeinschaft für Senioren“. „Da Mittel aus der Wohnungsbauförderung eingesetzt werden, wird das Wohnen auch für untere und mittlere Einkommen bezahlbar“, so Vorstand Sobl. Die hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität wird ergänzt durch eine Quartiergastronomie. Sie soll ein Angebot für die Bewohner zur Mittagszeit bieten, aber auch die Möglichkeit zu einem Treffpunkt in den Abendstunden schaffen. Der große Bedarf an Kindergartenplätzen in Neugablonz lässt im Quartier zudem eine Tagesstätte mit 160 Plätzen entstehen, die bis 2024 fertiggestellt sein soll und für die derzeit noch ein Träger gesucht wird. Ergänzt wird das Angebot um einen Quartiersanger mit Spielplatz. Hier greift das auch für andere Spielplätze aufgrund einer Bestandsaufnahme eigens entwickelte Spielplatzkonzept für Kinder bis sechs, maximal zehn Jahre, für die Nutzung am Tage.

Kommentar

Glücksfall

Ja, Neugablonz ist ein Stadtteil von Kaufbeuren und wird es aufgrund seiner Entstehung immer bleiben. Ihm fehlt lediglich eine zweite Verkehrsanbindung im Westen an die künftige Osttangente. Darin ändert auch der Vergleich bezüglich der Größe mit einer Stadt wie Mindelheim nichts. Aber dennoch hat sich dieser Teil in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker verändert als die Kernstadt. Die einstige „graue Maus“ – oft mit Vorurteilen bedacht – hat sich langsam und nahezu unbemerkt zu einem lebenswerten Bereich entwickelt, der im Wohnraumangebot und in der Nahversorgung der Stadt den Rang abgelaufen hat. Entscheidend dazu trägt das vor 70 Jahren gegründete Gablonzer Siedlungswerk bei – ein Glücksfall!

Das GSW zeigt, dass sich Visionen mit Kreativität, Mut und unternehmerischem Handeln auch ohne die bekannten „Dollarzeichen im Auge“ in Realität umsetzen lassen. Doch warum geht dort, was in Kaufbeuren nicht funktioniert? Eine Frage, die sich manche Stadtbewohner angesichts solcher Quartiers-Projekte immer wieder stellen. Hätte die Stadt beispielsweise für das „Filetstück Forettle“ nicht selbst Geld in die Hand nehmen können (vielleicht als Kommunalunternehmen?), um dort mithilfe von Fördergeldern etwas Ähnliches wie nun an der Falkenstraße zu entwickeln? Ohne Riesengewinne, aber langfristig sicherlich auch nicht defizitär. Doch mit dem Glück ist es bekanntermaßen so eine Geschichte: Wenn man kein Glück hat, gesellt sich meistens noch Pech hinzu! Was für Neugablonz ein Glücksfall, wird sich beim Forettle wohl erst in der Zukunft zeigen...

von Wolfgang Becker

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