Gäste mit guten Gerichten locken

Genusstage im Ostallgäu – Landwirte und Wirte ziehen an einem Strang

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Erhoffen sich durch die Genusstage einen Image-Gewinn: Herbert Babel (Landgasthaus Berghof, Walder Käskuche, Berghof-Landwirtschaft), Daniel Oettermann (Grasserhof Aitrang), Eva-Maria Rummel und Bernhard Epple („Gifthütte“ in Kaufbeuren), Landrätin Maria Rita Zinnecker, Robert Frei (Tourismusverband Ostallgäu) und Dr. Paul Dosch (AELF Kaufbeuren).

Ostallgäu/Kaufbeuren – Das kann gedeihen, wenn Landwirte und Gastronomen an einem Strang ziehen: Von Donnerstag, 18. Juli, bis zum Sonntag, 21. Juli, finden im Ostallgäu und in Kaufbeuren die „Genusstage im Schlosspark“ statt. 40 Gastronomen, Landwirte und handwerkliche Verarbeiter ermuntern die Gäste dazu, die Region von der kulinarischen Seite kennenzulernen und zu erleben.

Alle teilnehmenden Gasthäuser, Bauern und handwerklichen Veredler (wie zum Beispiel ein Käser) sind im Internet unter www.genusserlebnis-schlosspark.de aufgelistet. Dort sind noch weitere Informationen abzurufen.

Nach dem Motto „Mit Leidenschaft vom Hof auf den Teller“ arbeiten alle Partner Hand in Hand und schaffen ein Genusserlebnis. Landrätin Maria Rita Zinnecker ermunterte bei einem Pressegespräch im Gasthaus Berghof dazu, „die Chance zu nutzen“. Es sei schon eine Besonderheit, wenn in den Gasthäusern köstliche Gerichte zubereitet werden, die aus Ostallgäuer Erzeugerbetrieben stammen.

Die Landrätin erinnerte an die Anfänge. 2017 und 2018 habe das Regionalmanagement am Landratsamt eine Befragung hinsichtlich der Produkte und der Vermarktung vorgenommen. Vergangenes Jahr kam es zu einem Treffen von Gastronomen und Erzeugern. Danach formierte sich eine kleine Konzeptgruppe, die nun das Pilotprojekt der „Genusstage im Schlosspark“ vorbereitet hat, an dem sich 16 Gasthäuser und 22 landwirtschaftliche Betriebe beteiligen.

Dr. Paul Dosch, der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kaufbeuren (AELF), stellte einen klaren Vorteil heraus: „Die Aktion ist Türöffner für viele unserer Landwirte und bietet damit die Möglichkeit, den Absatzweg in die Gastronomie auf- beziehungsweise auszubauen.“ Dosch bekannte aber auch: „Es war ein langer, weiter Weg seit 2017.“ Dabei habe es Höhen und Tiefen gegeben. „Jetzt lasst den Worten Taten folgen“, kommentierte der Chef des AELF. Es gehe darum, ein Netzwerk zu schaffen, in dem Landwirte und Gastronomen auf Augenhöhe sind. Da gebe es durchaus noch Potenzial.

Familienbetrieb

Die Familie Babel vom Berghof in Wald beteiligt sich unter dem Motto „Von der Wiese auf den Teller“ an den Genusstagen mit der eigenen Gaststätte und versorgt die weiteren Gastronomen gleichzeitig mit Fleisch-, Milch- und Käseprodukten aus der familieneigenen Landwirtschaft und Käserei. Zusätzlich gewähren Hof und Schaukäserei während der Genusstage von Donnerstag bis Sonntag einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, wie durch naturnahe und kleinstrukturierte Produktion hochwertige Lebensmittel entstehen.

Herbert Babel und seine Frau sowie die drei Söhne Tobias, Michael und Simon bewirtschaften den konventionell geführten Hof mit 70 Milchkühen, dazu die Gastwirtschaft, die Käserei und sogar die kleine Brauerei. Bei den Genusstagen reicht das Programm von der Führung durch den Betrieb und vom Hoffest bis zur Käseverkostung der anderen Art mit Allgäuer Craft-Bier.

Info auf der Speisekarte

Eine Besonderheit ist, dass Interessierte direkt auf der Speisekarte erfahren, von welchem Landwirt oder von welchem handwerklichen Verarbeiter aus der Region die Lebensmittel stammen. Darauf hat Bernhard Epple von der „Gifthütte“ am Bahnhof in Kaufbeuren hingewiesen.

Man achte zwar bei der Auswahl der Lieferanten bereits auf Regionalität und sage das auch gegenüber den Gästen, schildern Bernhard Epple und seine Frau Eva-Maria Rummel, die seit 2011 die „Gifthütte“ führen. Ziel sei es jedoch, das Angebot an Gerichten aus Ostallgäuer Produkten stetig zu erweitern – und das nicht nur während der vier Tage. Durch das Projekt bekomme man wertvolle Kontakte zu Landwirten und handwerklichen Verarbeitern aus dem Landkreis.

Den Fuß reinbringen

Die Chance, sich bei den Genusstagen zu präsentieren, nutzt auch Daniel Oettermann vom Grasserhof aus Aitrang, der sein Bio-Gemüse zukünftig verstärkt auf die Tische der Ostallgäuer Restaurants zu bringen. Die Aktion sei ein „Türöffner“; dadurch bekäme er den Fuß in das eine oder andere Gasthaus. Das Regionalbewusstsein sei im Ostallgäu ähnlich wie im Voralpenraum ohnehin stark ausgeprägt, bescheinigt Daniel Oettermann, der aus Nordhessen ins Ostallgäu gezogen war und als Gemüsebaubetrieb mit 30 Beschäftigten im Grünlandbereich eine Sonderstellung einnimmt.

Heiko Gansloser, Regionalmanager für den Landkreis Ostallgäu, hob noch einen anderen Aspekt hervor: Gäste, die bei den Genusstagen heimische Kost verspeisen, können auch mal Produkte aus der Region mit nach Hause nehmen und daheim kochen. Robert Frei, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ostallgäu, möchte den Gedanken der Lebensmittel und der Kulinarik noch mehr im touristischen Bereich im „Schloss­park“ einbringen. Mit diesem Begriff ist die Gegend (Destination) zwischen Füssen und Buchloe gemeint.

Pilotprojekt

Initiiert und koordiniert werden die Genusstage durch den Landkreis Ostallgäu in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Ostallgäu, mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren sowie dem Verein bergaufland Ostallgäu. Es brauche für so ein Pilotprojekt eben „einen Kümmerer“, sagte Landrätin Zinnecker.

jj

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