Schutzgelderpressung in "Chicablonz"

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Die Saskaler „Gemejnen“ sind zum Appell angetreten.
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„Stadtpate“ OB Stefan Bosse mit Katja Brauner, wieder mottogerecht verkleidet als Bonny und Clyde. Der Zensurbalken stammt übrigens nicht vom Kreisboten, der OB hat ihn vorsichtshalber gleich selbst auf seine Sonnenbrille montiert…
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Der „Landtagspate“ Bernhard Pohl, den es offensichtlich kürzlich erwischt hat, mit der für ihn zuständigen FBI-Agentin Christine Degenhardt.
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Schutzgeld von einem Gablonzer zu bekommen ist ein hartes Brot: Mafioso Giuseppe (Wolfgang Klemm, rechts), als Gablonzer Schmuckhersteller Scholze (Michal O. Siegmund).
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“Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, getanzt von den Saskaler Hupfdohlen.
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Vorstandssitzung des WWF (World Wrongdoing Fund): von links Darth Vader (Björn Siegmund), Räuber Hotzenplotz (Gregor Zasche), Graf Dracula (Moritz Klemm) und Herr Joker (Torsten Krüger).
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Der Vorstand des WWF (World Wrongdoing Fund): von links Herr Joker (Torsten Krüger), , Räuber Hotzenplotz (Gregor Zasche), Graf Dracula (Moritz Klemm) und Darth Vader (Björn Siegmund).
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Das Anschaff-Kommando exerziert den Taschentausch.

Kaufbeuren – „Fast hätten sie’s verkehrtrum hingepappt – dann wär’s Seattle geworden“ kommentierte ein Jungsaskaler die Skyline von Chicago, mit der die Turnhalle in Neugablonz am vergangenen Samstag für den „Ganovenball“ der Saskaler Armee dekoriert war. Hauptmann Axel „Atze“ Vorbach begrüßte im Mafioso-Look die versammelten Ganoven, allen voran den „Stadtpaten“ Stefan Bosse und den „Landtagspaten“ Bernhard Pohl.

Kurz bevor der Hauptmann den obligatorischen Tagesbefehl ausgeben konnte, erreichte ihn per Eilboten die Nachricht, dass eine berüchtigte Gangsterbande „´s Marichn“ entführt habe und eine horrende Summe Lösegeld verlange. Und so erging als neuer Tagesbefehl die Aufforderung, ein „Anschaff-Kommando“ zu bilden, um das geforderte Lösegeld aufzubringen.

Im nächsten Sketch versuchte Mafioso Giuseppe (Wolfgang Klemm), beim Gablonzer Schmuckhersteller „Skolze“ (italienische Aussprache von Scholze) Schutzgeld zu erpressen und stellte ihm sein neues Schutzprogramm PEGIDA vor – Abkürzung für „punktuell einsetzbare Gewehre in den Außenbezirken“. Scholzes (Michal O. Siegmund) Gegeninterpretation „Paurisch ei Gablunz is dos Allrschinste“ gefiel dem Publikum allerdings sehr viel besser. Schließlich jammerte Scholze den Mafioso dermaßen zu – „nej, ich ho kej Defizit ne, drufzohln tu ich!“ – dass dieser schließlich seinerseits Geld zückte („Dio in cielo – iche abe zu weiche Herz fir diese Geschäft“) und Scholze bat, ihn dafür vor weiteren jammenden Gablonzern zu schützen.

Ebenfalls zum Steinerweichen gejammert hat beim Auftritt der „Saskaler Hupfdohlen“ Mimis Ehemann: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, klagte „er“ und ergab sich zum Trost dem Alkohol. Zu diesem alten Schlager von Bill Ramsay umtanzten die Hupfdohlen in weißen Großmutter-Dessous ein fahrbares Bett, in welchem „Mimi“ sich zum Gaudium der Ballgäste nicht einmal durchs Ballgeschehen von der Lektüre ihres Krimis abhalten ließ.

 Auch für ihre zweite Nummer heimsten die Hupfdohlen verdienten Applaus, animiertes Mitklatschen und schließlich Zugabeforderungen ein. Ein Musterbeispiel von Sprachintegration bot die Vorstandssitzung des WWF (World Wrongdoing Fund / Welt-Verbrechens-Stiftung). Teilnehmer waren Darth Vader (Björn Siegmund) mit paurischem Zungenschlag, Räuber Hotzenplotz (Gregor Zasche) in reinstem Allgäuerisch, Graf Dracula (Moritz Klemm) mit angedeutetem transsylvanischen Akzent und Herr Joker (Torsten Krüger) in gestelztem Hochdeutsch, alles gründlich durchmischt mit Manager-„Denglisch“.

Wie auch häufig in „normalen“ Vorstandssitzungen geriet man sich über Nichtigkeiten in die Haare bis Vader an Dracula seinen Todesgriff anwandte. Hotzenplotz konnte durch ein Machtwort das Schlimmste gerade noch verhüten und leitete schnell über zu einer Vorführung der neuen viralen Werbekampagne für den Revolver SPR-19-12 1/2, wobei drei der vier Bösewichter munter zu „Superperforator“ herumhüpften.

Wer bis dahin das traditionelle rhythmische Exerzieren der Armee vermisst hatte, sollte beim letzten Auftritt auf seine Kosten kommen: Exerziert wird immer mit dem, was man gerade hat. Inzwischen war das befohlene „Anschaff-Kommando“ zusammengestellt und passend eingekleidet. Die „Mädels“ zeigten neben üppigem Vorbau viel von ihren (obendrein bemerkenswert hübschen) Beinen – und sie hatten Handtaschen zum Exerzieren. Insbesondere die Kommandos „Eins-zwo-drei-hübsch“, „Handtaschen schwenkt, links-zwo-drei-vier“ sowie „Handtaschen tauschen“ wurden begeistert belacht.

Da auf dem Turnhallenboden genügend Linien vorhanden sind, klappte auch das „auf den Strich gehen“ relativ zufriedenstellend. Jedenfalls wurde das Lösegeld beschafft, denn zum Abschluß gab der Hauptmann bekannt: „´s Marichn ist wieder dou!“

Damit war der Ball jedoch noch lange nicht zu Ende. Für eine gut gefüllte Tanzfläche sorgte weiterhin „Max Kinker mit Band“. In den Tanzpausen gab es in der ebenfalls gut gefüllten Bar Alkoholisches und Nichtalkoholisches wie „Hauptmanns Liebling“ oder „Pantherspucke“, wofür in der Ballwährung je eine „Atz-Theke“ zu entrichten war. Insgesamt stellten die Saskaler fest: „Dos wor wiedr a Sieg! Und nächstn Sömd giehn mr zun Dschunglbaal vu n Tornvereine, und dou lossn mir uns amoul untrhaln“.

von Ingrid Zasche

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